"Vielfältigkeit ansteckend". Gemeinsamkeit vor Trennendem / Sengül Aksakalli ist die jüngste interkulturelle Mitarbeiterin von 40, die in Stadt und Bezirk im Einsatz sind. Deren Ziel ist die Förderung des Miteinanders.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 25. Juni 2014 (00:01)
NOEN, ERNST REINBERGER
Landesrätin Barbara Schwarz übergab das Diplom an die St. Pöltnerin Sengül Aksakalli.

ST. PÖLTEN / Die Kindergärtnerin liest auf Deutsch aus einem Bilderbuch, danach liest es Sengül Akasakalli auf Türkisch. Das ist ein Beispiel dafür, was Interkulturelle Mitarbeiter in den Kindergärten tun. Askakalli ist eine von 20 interkulturellen Mitarbeitern im Bezirk St. Pölten, in der Stadt gibt es weitere 20. Vor wenigen Tagen schloss die St. Pöltnerin ihre dreijährige Ausbildung ab und ist seither in Böheimkirchen, Amstetten und Hinterbrühl im Einsatz.

„Die Lebensfreude der Kinder in ihrer Vielfältigkeit ist ansteckend. Und außerdem weiß ich, dass diese Arbeit sinnvoll ist“, erklärt Aksakalli, warum sie sich für die Ausbildung entschieden hat. Türkisch und Deutsch sind dabei nicht die einzigen Sprachen, mit denen sie konfrontiert ist. „Es gibt Gruppen, in denen drei, vier Sprachen gesprochen werden. Meine Aufgabe ist es, auf alle Kinder einzugehen“, führt die 22-Jährige aus. Ein paar Worte in der Muttersprache würden oft ausreichen, um sich zu verständigen. Und für deutschsprachige Kinder seien die für sie fremden Sprachen oft eine Bereicherung.

Interkulturelle Mitarbeiter seien aber auch eine wichtige Brücke zu den Eltern, betont Marion Gabler-Söllner vom Land: „Sie sind durch ihre Ausbildung befähigt, das Miteinander-Leben-Lernen inländischer und migrantischer Kinder und deren Eltern zu initiieren und zu vermitteln.“ Denn oft sei das Problem, dass Eltern der dritten Generation weder die Muttersprache noch Deutsch gut können. Gabler-Söllner: „Dadurch sind sie verunsichert in ihrem Handeln.“ Ziel der interkulturellen Arbeit sei es, dass unterschiedliche Sprachen, Religionen und Traditionen von allen Seiten als Bereicherung gesehen werden – und nicht als „Behinderung“.