Vier Bewohner sind schon ausgezogen. Schließung / Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen ist um Beruhigung bemüht. Die Unterschriftenaktion läuft weiter.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 25. Februar 2014 (23:59)
Der Protest gegen die Schließung des Seniorenhauses »Harmonie« geht weiter. Direkt am Kreisverkehr zur Autobahnauffahrt wurde dieses Transparent aufgestellt. Die Unterschriftenaktion läuft, bis die Initiatoren einen Termin beim Land Niederösterreich bekommen.
NOEN, Foto: NÖN
Von Renate Hinterndorfer

ST. CHRISTOPHEN / Vier Bewohner des Seniorenhauses „Harmonie“ sind in den vergangenen Tagen bereits ausgezogen. Wie berichtet sperrt die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen das Haus Ende des Jahres zu. Dieser Entschluss hat bei Bewohnern und Angehörigen die Wogen ordentlich hochgehen lassen.

Dialog mit Bewohnern hat "Wogen geglättet"

„Wir arbeiten gezielt daran, die Leute aufzufangen und die Wogen zu glätten“, sagt Verwalter Konrad Widmann. Dass das nicht einfach ist, ist verständlich: „Das System ist labil, Kleinigkeiten lassen die Wogen hochgehen. Aber alle Mitarbeiter, auch jene in der Reinigung oder in der Technik, haben den Auftrag, für Gespräche mit den Bewohnern zur Verfügung zu stehen. Das hat die Wirkung gezeigt, die wir wollten“, sagt Widmann. Allmählich würden sich die Wogen glätten.

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NOEN, Foto: NÖN

Während noch immer Unterschriften für den Erhalt des Hauses gesammelt werden, ist für die Hilfsgemeinschaft die Schließung fix. Rund 80 Dauergäste und 55 Mitarbeiter sind betroffen.

Unterstützung bei Suche nach neuem Domizil

Landtagsabgeordneter Martin Michalitsch betont, dass der Bedarf an zeitgemäßen Pflegeplätzen in der Region mittelfristig gut abgedeckt sei: „Der aktuelle bauliche Zustand der Harmonie macht es schwierig, ein von den guten regionalen Einrichtungen unterschiedliches Nutzungskonzept zu finden, das den Betrieb längerfristig sicherstellt.“

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NOEN, Foto: Hinterndorfer

Der Hilfsgemeinschaft geht es jetzt darum, den Bewohnern bei der Suche nach einem neuen Domizil behilflich zu sein. Wie Helmut Lipa berichtet, gibt es schon zahlreiche Anmeldungen in den umliegenden Häusern. Ein menschlicher Umgang sei jedenfalls besonders wichtig, so Lipa. Auch Pressesprecherin Helga Bachleitner betont: „Dass der Mensch im Mittelpunkt steht, war und ist unser oberstes Prinzip.“

Mitarbeiter-Team soll so lang wie möglich im Haus bleiben

Die Mitarbeiter des Pflegeheims sind bis auf eine Ausnahme alle noch in der „Harmonie“. Seitens der Hilfsgemeinschaft ist man auch bestrebt, das Team so lang wie möglich im Haus zu behalten: „Wir hoffen, dass die Mitarbeiter nicht fluchtartig das Haus verlassen. Aber sie sind mit dem Heim sehr verbunden und schätzen ihren Arbeitsplatz, sonst hätten wir schon 20 Kündigungen am Tisch“, sagt Helmut Lipa.

„Das Heim ist erhaltenswert“

In der Region wird indes weiter um den Erhalt der „Harmonie“ gekämpft. „Wir haben schon 2246 Unterschriften gesammelt, da fehlen aber noch viele Listen, zum Beispiel die aus Neulengbach“, berichtete Wolfram Offterdinger am Sonntag gegenüber der NÖN. Seine Mutter lebt im Heim.

Der Fortbestand des Hauses liegt auch Karin Kristl, der Tochter einer anderen Heimbewohnerin, sehr am Herzen: „Das Heim wird heruntergemacht. In Wirklichkeit ist es vom System her eines der modernsten Heime. Man hat eine Wohnung, ein Restaurant und diverse Freizeitangebote. Das ist ganz toll und das ist erhaltenswert.“ Und deswegen sammelt Karin Kristl mit einigen Mitstreitern weiter Unterschriften für die Rettung der „Harmonie“.