Landwirte sind auch in der Region Wienerwald in Sorge. Der Regen kam wie gerufen, die Trockenheit machte Bauern schon zu schaffen.

Von Christine Hell. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:17)
Gerhard Berger hilft bei der Grünlandernte in Querfeld beiSt. Christophen.
Christine Hell

„Die Trockenheit ist ein Wahnsinn, zwei Drittel der Wintergetreide in unserem Gebiet werden gar nicht geerntet werden, so schlecht ist der Zustand auf den Getreidefeldern“, beschrieb Hannes Steinböck in der vergangenen Woche die Situation.

Aber nicht nur beim Getreide sei die Situation katastrophal, schildert der Paislinger Landwirt. Mais und Zuckerrüben seien durch den Wassermangel meist gar nicht aufgegangen, berichtet er. „Und zu allem Überfluss haben mehrere Frostnächte im April die zaghaft aufgegangenen Zuckerrüben auch noch schwer in Mitleidenschaft gezogen.“

„Sind in einer Sackgasse angekommen“

Die Landwirtschaft spüre den Klimawandel jetzt ganz extrem, stellt Steinböck fest, „wir sind in einer Sackgasse angekommen.“ Konnten bisher allfällige Teuerungen im Betrieb mit Ertragssteigerung abgefedert werden, ist das jetzt nicht mehr möglich. „Wir haben zwar tolle Winterweizensorten zur Verfügung, die passen jetzt durch den Klimawandel aber alle nicht mehr.“

Und ein dadurch notwendiger Rückgriff auf alte Sorten bringe wesentlich weniger Ertrag, resümiert der engagierte Paislinger Landwirt, dem auch noch das Thema Schädlingsdruck große Sorgen bereitet: Durch den unglaublich milden Winter wütet auch wieder der Rüsselkäfer in den Zuckerrübenbeständen. „Uns sind die Hände gebunden, denn die Mittel, die greifen würden, sind in Europa verboten.“

Dadurch sei dem Schädling nicht beizukommen und dies bedrohe massiv die so wichtige Eigenversorgung in Österreich, gibt Steinböck zu bedenken: „Wie wichtig die Eigenversorgung mit Lebensmitteln im eigenen Land ist, darauf sind wir ja jetzt in Corona-Zeiten schon draufgekommen.“ Der Klimawandel setze der heimischen Landwirtschaft schwer zu und verändere sie massiv, gibt sich der Paislinger Landwirt schwer beunruhigt: „Österreichs Landwirte kommen jetzt komplett unter die Räder.“

Es fehlt die Winterfeuchte

Nicht nur in den Ackerbaugebieten der Region sieht es besorgniserregend aus, auch im Laabental, wo vorwiegend Grünlandwirtschaft betrieben wird, ist die Sorge groß.

„Das ist jetzt schon das dritte Jahr in Folge mit großer Trockenheit“, stellt Michael Göschelbauer fest.

Durch die fehlende Winterfeuchte werde die Wasserversorgung für das Vieh zunehmend zum Problem, berichtet er. „Und es wird für manche Bauern spannend werden, ihre Tiere durchfüttern zu können“, beschreibt Göschelbauer die Situation. Denn beim ersten Schnitt im Grünland kam es bereits zu Einbußen von bis zu 40 Prozent. „Und auch beim zweiten Schnitt wird weniger Ertrag sein“, mutmaßt der Bezirksbauernratsobmann.

Er hofft auf baldigen Regen, damit sich zumindest der Mais ordentlich entwickeln kann, der dann, in Ballen konserviert und ins Berggebiet transportiert, mit Zugabe von Heu und Stroh den Rindern als Futter dienen kann.

Zum Getreide sagt Göschelbauer: „Bei Gerste und Weizen sind die Ähren schon sichtbar, für die Korneinlagerung wäre Regen jetzt ganz dringend erforderlich.“ Der Altlengbacher Landwirt weiß durch einen dort ansässigen Freund, dass die Situation im Waldviertel noch viel schlimmer ist und auch im Marchfeld die Trockenheit zu einem riesigen Problem geworden ist: „Mein Schwager berichtet, dass dort ohne Bewässerung gar nix mehr wächst.“