Erstellt am 10. August 2015, 15:31

von Renate Hinterndorfer

Wirbel um Kunstprojekt. Künstlerin Marika Schmiedt wollte mit Mahnmal an Schicksal von Roma und Sinti erinnern. Bürgermeister Paul Horsak hat Nein gesagt und bekommt jetzt böse Mails.

Bürgermeister Paul Horsak.  |  NOEN, ZVG
Eine temporäre Kunstinstallation im öffentlichen Raum wollte Marika Schmiedt schaffen: Die Künstlerin plante im September für eine Woche ein Mahnmal zwischen Gemeindehaus und Bahnhof, mit dem sie an das Schicksal von Roma und Sinti erinnern wollte.

In den 1930er Jahren lebten 80 bis 100 Roma und Sinti im Raum Kirchstetten. Sie wurden in Konzentrationslager deportiert. Nur wenige überlebten die Zeit des Nationalsozialismus.
Bürgermeister Paul Horsak hat das geplante Mahnmal abgelehnt. Das brachte ihm heftige Kritik ein. „Ich habe schon viele böse Mails bekommen“, berichtet der VP-Ortschef. Er sei erst vor etwa 14 Tagen von der Künstlerin über das Projekt informiert worden. „Ich habe ihr mitgeteilt, dass ich mir das in der Form nicht vorstellen kann.“ Man solle zwar nie vergessen, aber die heutigen Generationen seien der Ansicht, dass die Vergangenheit ruhen solle.

Der allgemeine Tenor sei, schreibt Horsak in einem Brief an die Künstlerin: „Erinnerung ja, aber es muss auch einmal Schluss sein mit Aufarbeitung und Auseinandersetzung.“ Für ein dreieckiges, drei Meter langes und zwei Meter hohes Gestell sei auch gar kein Platz beim Bahnhof. „Ich habe der Künstlerin mitgeteilt, dass ich mit ihr ein Gespräch führen möchte und dass ich mir vorstellen kann, ein anderes Projekt, etwa mit unserem Zeitzeigen-Team, zu verwirklichen. Leider hat sie auf das Angebot nicht reagiert.“

„Gemeinde nicht an Pranger stellen“

Paul Horsak möchte vermeiden, dass seine Gemeinde als besonderes Beispiel „herausgepickt“ und nach 70 Jahren an den Pranger gestellt wird: „Da bin ich Verteidiger meiner Gemeinde. Dass ich nicht erfreut bin über Anwürfe gegen meine Gemeinde, ist klar.“

Scharfe Kritik kommt vom Parlamentsklub der Grünen: „70 Jahre lang hat die Gemeinde jeden Hinweis zu den Roma und Sinti vermieden, genau so lang feiert sie dafür den NS-Dichterfürsten Josef Weinheber, nach dem Schulen, Museen, Brücken und zuletzt sogar ein Kindergarten benannt wurden“, heißt es in einer Aussendung. Der Nationalratsabgeordnete und Kultursprecher der Grünen Wolfgang Zinggl möchte vom Bürgermeister wissen: „Wann denkt die Gemeinde daran, mit der Aufarbeitung und Auseinandersetzung dieses dunklen Kapitels zu beginnen? Und wann wird Schluss sein mit dem Gedenken an Josef Weinheber?“
 

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