19 Jahre Haft nach Mord an Großmutter. Bluttat aus dem Jahr 2019 wurde erneut vor dem Landesgericht Wiener Neustadt behandelt. Der Angeklagte wurde zu 19 Jahren Haft verurteilt und wird in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht.

Von NÖNat Online-Team. Erstellt am 12. Januar 2021 (13:53)
Der Angeklagte vor Gericht.
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Der Mord an einer 75-jährigen Pensionistin in der Nacht von 22. auf 23. März 2019 war heute, Dienstag, nochmals Grund für ein Schwurgericht. Denn bei der ersten Verhandlung im Dezember 2019, bei der der Enkel der Frau rechtskräftig zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, war eine Zusatzstrafe aus einem andern Prozess nicht berücksichtigt worden.

 Rechtsanwalt Florian Höllwarth.
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Auf Einspruch des mittlerweile verstorbenen Anwalts Wolfgang Blaschitz musste daher in einem zweiten Rechtsgang nochmals über die Strafe und über die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher entschieden werden. Der neue Anwalt, Florian Höllwarth: „Heute geht es darum, dem Angeklagten einen Lichtblick zu geben und die Strafe von 20 Jahren zu verringern.“ Darüber, dass die Strafe weiter hoch und die Unterbringung aufrecht bleiben wird, gäbe es aber schließlich keine Zweifel, erklärte er im Vorfeld. Wie berichtet, hatte der 30-jährige Mann in Grafenbach seiner Großmutter mehrfach auf den Kopf geschlagen, sie gewürgt und dann mit zwei Messern etliche Male zugestochen.

Beim Prozess gab der Mann erneut an, von der Tat selbst überhaupt nichts mehr zu wissen. Einzig heuer zu Weihnachten sei ihm eine Erinnerung gekommen, dass er ein blutiges Messer im Bad abgewaschen habe. An den Festtagen habe er „irrsinnig viel geweint. Dass ich schuld bin, dass Oma nicht mehr ist, ist unvorstellbar.“ Der schwer drogensüchtige Mann war zu der Tatzeit in einem Substitutionsprogramm und erhielt regelmäßig Depotspritzen gegen seine paranoide Schizophrenie. Er gab an, an diesem Tag auch zusätzlich Speed genommen zu haben und „dann hat es mir den Kuckuck rausgehaut“.

Absprung von den Drogen geschafft

Der psychiatrische Gutachter Manfred Walzl attestierte dem Angeklagten beim Prozess eine paranoide Schizophrenie sowie eine schwere Persönlichkeitsstörung. Walzl: „Die Störung wurde bisher aber noch nie behandelt und da muss man mit einer strukturierten Therapie arbeiten. Die Schizophrenie wurde durch Drogenmissbrauch ausgelöst und wird durch den Drogenentzug wahrscheinlich verschwinden.“ Die psychische Gutachterin Anita Raiger erklärte, dass der Angeklagte wegen der Persönlichkeitsstörung weiter hochgefährlich sei, lobte den Mann aber dafür, dass er den Absprung von der Substitution und damit von den Drogen geschafft hatte. „Das ist ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung“. Beide Sachverständige sprachen sich für eine Unterbringung aus.

Der Angeklagte wurde schließlich zu 19 Jahren Haft verurteilt und wird in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.