Acht Monate bedingt für Hundebesitzer. 74-Jähriger Hundebesitzer hatte Beißkorb an jenem Tag daheim vergessen: Sein Rottweiler fiel zweijährigen Buben auf Spielplatz an und verletzte das Kind schwer.

Erstellt am 14. März 2011 (12:39)
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Acht Monate bedingt und 900 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen: So lautete am Montag das Urteil des Landesgerichts Wiener Neustadt für einen 74-Jährigen, dessen Rottweiler im September 2010 auf einem Spielplatz in Pottschach (Bezirk Neunkirchen) einen zweijährigen Buben schwer verletzt hatte. Der Angeklagte, der sich vollinhaltlich schuldig bekannt hatte, nahm den Schuldspruch an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Zusätzlich zur Strafe muss der Hundehalter Schmerzensgeldzahlungen an das Kind und dessen bei dem Vorfall ebenfalls verletzten Großvater leisten. Mildernd waren laut Richter Wolfgang Etl die Unbescholtenheit des Pensionisten, das reuige Geständnis und dessen Rettungsversuch, als sich das Tier verbissen hatte. Dabei wurde der Mann selbst verletzt. Erschwerend war das Zusammentreffen zweier Vergehen: Der laut Hundehaltegesetz als gefährlich eingestufte Rottweiler war zwar angeleint, hatte aber entgegen der Bestimmung keinen Beißkorb getragen.

Staatsanwalt Erich Habitzl hatte von einem Sorgfaltsverstoß gesprochen und den Fall als exemplarisches Beispiel für das mangelnde Problembewusstsein von Haltern großer Hunderassen bezeichnet. Er verwies darauf, dass der Rüde als aggressiv bekanntgewesen war - er hatte drei Jahre zuvor bereits ein kleines Mädchen gebissen. Nach der - neuerlichen - Attacke ließ der Mann das fünfjährige Tier einschläfern.

Es tue ihm wahnsinnig leid, zumal er auch die Familie des Buben persönlich kenne, sagte der Beschuldigte. Er habe an jenem Tag den Beißkorb daheim vergessen, rechtfertigte er sich. Dass auf dem Spielplatz, den er überqueren wollte, überdies ein Schild auf ein Hundeverbot verwies, war ihm zuvor nicht aufgefallen - und dass er für den Rottweiler laut Gesetzesnovelle einen Sachkundenachweis erbringen hätte müssen, war ihm auch nicht bewusst. Eine Hundeschule hat der Mann, der zuvor schon einen Schäfer- und einen Jagdhund besessen hatte, mit "Dino" nicht besucht, sondern ihm "Sitz", "Platz" und "Fuß" selbst beigebracht.

Als der Hund auf dem Spielplatz auf Höhe der Wippschaukel, auf der der Kleine saß, einen Satz vorwärts machte, riss er sein Herrl um und verbiss sich in das Kind. Am Boden liegend versuchte der 74-Jährige noch, den Vierbeiner niederzudrücken, was ihm aber nicht gelang.

Das Tier erwischte den Buben am Gesäß, weil dessen Großvater den Kleinen noch instinktiv etwas in die Höhe reißen konnte, wie er als Zeuge aussagte. Auf Geheiß des Hundebesitzers habe er gemeinsam mit dem 74-Jährigen auf den Rottweiler eingetreten, damit der Hund den Buben losließ. Als der Opa sein blutendes Enkerl dann endlich am Arm hielt, habe der Hund nochmals hingeschnappt, aber nur mehr die Windel erwischt. Der Besitzer wurde beim Versuch, das Maul des Hundes zu öffnen, an der Hand verletzt.

Ein Anrainer hatte daheim "verzweifelte Schreie" gehört und eilte ebenfalls zu Hilfe. Eine weitere Nachbarin, von Beruf Krankenschwester, legte dann einen Notverband an, bis die Notärztin und ein Notarzthubschrauberteam die weitere Versorgung übernahmen. Unter künstlicher Beatmung wurde der Bub ins Wiener SMZ Ost geflogen, wo er mehr als drei Wochen behandelt wurde. Der medizinische Sachverständige sprach von mehreren tiefen Rissquetschwunden am Gesäß und hohem Blutverlust.