100 Jahre Niederösterreich: Bahn nach Saloniki

Erstellt am 31. Mai 2022 | 05:42
Lesezeit: 3 Min
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Ein Personenzug im Bahnhof Aspang in den ersten Betriebsjahren.
Foto: Wikipedia
Die Eigentümer der Aspangbahn hatten mit der inzwischen recht beschaulichen Strecke einstmals große Pläne.
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Die Aspangbahn kennen wir heute als lokale Nahverkehrsverbindung im Bezirk, doch wenn die Planungen der „Austro-Belgischen-Eisenbahngesellschaft“, welche den Bau der Strecke initiierte, erfolgreich gewesen wären, wäre sie heute eine Hauptbahn, die direkt zum Ägäischen Meer führen würde.

Die Strecke wurde in den 1870er Jahren von Wien ausgehend durch das Wiener Becken über Wiener Neustadt und das Pittental nach Aspang geplant. Von dort sollte die Strecke dann über den Wechsel und Friedberg quer durch die Oststeiermark weiter bis Bad Radkersburg und dann nach Süden bis zum Anschluss an das kroatische Bahnnetz verlaufen. Während diese Planungen bereits einigermaßen konkret waren und auch schon Vorarbeiten bewilligt worden waren, gab es für die weitere Trasse durch den Balkan nur sehr vage Pläne.

Doch der große Börsenkrach von 1873 machte diese große Idee zunichte, aber die „Austro-Belgische“ wollte, nachdem der von ihr betriebene Wiener Neustädter Kanal an Bedeutung verloren hatte, trotzdem in der damals hoch profitablen Eisenbahnbranche Fuß fassen. So wurde als Tochtergesellschaft die „Eisenbahn Wien-Aspang“ gegründet und 1881 der Verkehr bis Aspang aufgenommen. Dass die Saloniki-Bahn vielleicht doch noch nicht ganz aufgegeben worden war, zeigt, dass die Begrenzungssteine dieser neuen Bahn mit „WSB“ (für „Wien-Saloniki-Bahn“) beschriftet wurden. Die Aspangbahn entwickelte sich in den Jahren der Monarchie durchaus positiv, auch wurde ab 1899 die Betriebsführung der touristisch bedeutenden Schneebergbahn übernommen, Güter- und Ausflugsverkehr brachten gute Betriebsergebnisse. 1910 wurde zudem noch von der k.k. Staatsbahn die Bahnstrecke über den Wechsel gebaut und die Reisenden hatten in Aspang Anschlüsse in die Steiermark.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und Übernahme der zuvor ebenfalls privaten Südbahngesellschaft durch die Österreichischen Bundesbahnen Ende 1923 zeigte sich, dass die Steckenführung der Aspangbahn vor allem zwischen dem Wiener Aspangbahnhof und Wiener Neustadt nicht mehr konkurrenzfähig war. Daher unternahm die Unternehmensführung einiges, um trotzdem für die Fahrgäste attraktiv zu sein. So setzte man ganz offensiv auf Werbung und bot auch entsprechende Pauschalangebote für Touristen an. Dadurch konnten die Fahrgastzahlen sogar wieder das Vorkriegsniveau erreichen.

Dennoch verschlechterte sich mit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahre auch die wirtschaftliche Situation im Privatbahnsektor und der Konkurs der Muttergesellschaft zog schlussendlich auch das Ende der „Eisenbahn Wien-Aspang“ nach sich und die Aspangbahn sowie auch die Schneebergbahn wurden mit Anfang Juli 1937 von den Österreichischen Bundesbahnen übernommen.

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