Erstellt am 18. November 2013, 23:59

von Philipp Grabner

Asylquartier erhielt vernichtendes Urteil. Schwere Vorwürfe / Die Aufdecker-Seite „dossier“ erkundete Asylheime und stellte in Grimmenstein „akute Gesundheitsgefährdung“ fest.

...beim NÖN-Lokalaugenschein war die reparierte Duschkabine wieder vorhanden, das Bad präsentierte sich jedoch ähnlich.  |  NOEN, Philipp Grabner
Von Philipp Grabner

Schimmelbefall, durchfeuchtete Mauern, Zustände, unter denen man nicht leben kann – ein im wahrsten Sinne des Wortes vernichtendes Urteil ist das, was dem Asylquartier in Grimmenstein, untergebracht im Gasthof Tanzler, von der Journalisten-Plattform „dossier.at“ da ausgestellt wurde. Monatelang wurden Asylquartiere in mehreren Bundesländern von den Journalisten inkognito erkundet – Grimmenstein schnitt am Schlechtesten in ganz Niederösterreich ab. Unter allen 98 besuchten Quartieren - darunter auch in Wien und dem Burgenland – belegt das Quartier den zweiten Platz im Negativ-Ranking.

x  |  NOEN, Philipp Grabner
„Zweimal haben wir das Asylquartier in Grimmenstein unter die Lupe genommen, einmal am 5. August, ein weiteres Mal am 18. Oktober“, erzählt Florian Skrabal von der Journalistenplattform „dossier“ der NÖN. „Im Oktober war auch ein Gerichtssachverständiger mit, der sich den Schimmelbefall angesehen hat.“

Dieser kam dann zum Schluss, dass akute Gesundheitsgefährdung vorliege, weiterhin wären jedoch Menschen in diesen Räumlichkeiten untergebracht gewesen, berichtet er.

„Ich kümmere mich sofort darum“

An die Gefährdung der Gesundheit glaubt der zuständige Quartier-Betreiber, Erich Tanzler, nicht: „Es sind zwar Flecken an den Wänden entstanden, jedoch passiert das dann, wenn man heizt, aber nicht lüftet. Ich habe vielleicht einmal Mängel übersehen, es gibt jedoch ständig Sanierungen. Ich habe den Bewohnern gesagt, dass sie mir Schäden oder Mängel melden müssen, ich kümmere mich sofort darum“, versichert Tanzler der NÖN vor Ort. Zudem berichtet der Quartier-Verantwortliche von besonderen Wünschen der Bewohner: „Die Asylwerber verweigern einen Holzboden, daher gibt es in den Räumen nur Teppichböden. Auch wollten manche von ihnen nicht auf Matratzen schlafen, sondern auf dem Boden, weil sie das von früher gewohnt sind“, berichtet er.

„Ich hätte mich im  Mittelfeld eingeordnet!“

Die NÖN wollte sich selbst ein Bild von der Lage machen und vereinbarte mit Erich Tanzler sowie Bürgermeister Engelbert Pichler einen Lokalaugenschein des Asylquartiers. Schnell zeigt sich: Die Schäden, welche die „dossier“-Journalisten mit der Kamera festhielten, wurden beseitigt, die Räumlichkeiten selbst sind jedoch schon sehr in die Jahre gekommen, vieles ist nicht mehr in gutem Zustand. An Ausstattung fehlt es nicht, neue Mikrowellen und auch Fernseher sind vorhanden, die Möbel präsentieren sich jedoch großteils abgenutzt und sehr alt.

x  |  NOEN, Foto: dossier.at
Erich Tanzler ist bewusst, dass das Quartier keine Luxus-Wohnung ist: „Ich kann nur jene finanziellen Mittel einsetzen, die vorhanden sind.“ Eine neue Arbeitsplatte für die Küche werde in der nächsten Woche jedoch außerdem geliefert, bezüglich Schimmelspuren werde man ebenfalls eine Messung durchführen, versichert der Betreiber. Er selbst fühlt sich ungerecht behandelt: „Ich habe erst einige Zeit später erfahren, dass Reporter den Zustand der Wohnungen fotografiert haben, welche sich teilweise in der Reparaturphase befanden. Mir tut das schon weh, ich hätte mich zumindest im Mittelfeld des Rankings eingeordnet!“

Das Grimmensteiner Quartier – derzeit mit 33 Bewohnern – gibt es seit den 80er-Jahren, damals galt es nur als Ausweichplatz, weil andere Quartiere aus allen Nähten platzten. Wie lange Tanzler noch weitermacht, das weiß er nicht.

MEINUNGEN ZUM THEMA
Engelbert Pichler, Bürgermeister der Gemeinde Grimmenstein:

„Die Berichte sind überzogen. Ich habe mir selbst ein Bild von der Lage gemacht und konnte nicht feststellen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wann immer es Mängel gab, wurden diese vom Betreiber des Asylquartiers beseitigt, er ist bemüht darum, dass alles in Ordnung ist. Bei meinem Besuch dort konnte ich keine Art von Schimmelspuren feststellen, es wird alles laufend kontrolliert!“

Alexandra Grabner-Fritz, Bezirkshauptmann Neunkirchen:
„Bezüglich dessen ist die BH nicht die zuständige Behörde. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass es 2010 eine Überprüfung gab, auch ein Lebensmittelinspektor war anwesend – damals wurde alles als in Ordnung befunden. Zuständig ist die Landesregierung!“

Wie denken Sie über den Zustand des Asylheimes? Schreiben Sie Ihre Meinung als Kommentar im Forum.