„Millionenloch“ wird zur Geldfrage für Neunkirchen. Fußgängerunterführung als Alternative zu Bahnschranken könnte an den hohen Kosten für die Stadt scheitern.

Von Christian Feigl. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:33)
Spannend: Wird es für diesen Bahnübergang in der Flatzerstraße eine Alternativlösung in Form einer Fußgängerunterführung geben?
Feigl

Während die Zukunft des Bahnübergangs in der Raglitzerstraße mit dem Bau einer Unterführung geklärt ist, schwebt über jener des Bahnübergangs in der Flatzerstraße weiterhin das Damoklesschwert: Fix ist, dass er aufgelassen wird. Ob es zumindest für Fußgänger und Radfahrer eine Alternativlösung geben wird, hängt aber von deren Kosten ab. Denn für die „Mini-Unterführung“ müsste die Stadt über eine Million Euro in die Hand nehmen.

„Für uns ist das keine einfache Situation, da die ÖBB nicht bereit ist, einen finanziellen Beitrag dafür zu leisten“, so ein leidgeprüfter ÖVP-Bürgermeister Herbert Osterbauer. Und da man nicht einfach einen Tunnel unter der Südbahn durchgraben kann, sondern diese gewisse Voraussetzungen erfüllen muss, wird sich das Projekt zu einem „Millionenloch“ entwickeln: „Die Frage ist, ob wir uns das leisten wollen und vor allem auch können“, so Osterbauer. „Oder ob es den Anrainern zumutbar ist, dass sie ein paar hundert Meter Umweg über die Unterführung machen!“

Letzterem erteilt SPÖ-Infrastrukturstadtrat Günther Kautz eine klare Absage: „Eine Ersatzlösung ist alternativlos. Wenn wir keinen Fußgängertunnel machen, werden die Leute die Südbahngleise illegal überqueren. Und ich möchte nicht daran denken, wenn der erste Zug mit 160 km/h jemanden erfasst!“ Er schlägt aber vor, bei den Plänen auch die Stadtgemeinde Ternitz mit ins Boot zu holen. Auch dort dehne sich das Siedlungsgebiet im Grenzbereich zu Neunkirchen aus. „Der Bedarf an dieser Lösung wird sicherlich in den nächsten Jahren noch mehr werden“, so Kautz.

Ähnlich sieht das die FPÖ. „Eine Fußgängerunterführung sollte gemacht werden, sonst queren die Leute illegal und das ist gefährlich“, so Stadtparteiobfrau Regina Danov. Sie kreidet der Stadt auch an, „dass im Planungsübereinkommen seitens der Stadträte leichtfertigerweise unterschrieben wurde, dass die Stadt 100 Prozent der Kosten tragen müsse“. Ihre Forderung: Die ÖBB solle genauso wie Ternitz einen finanziellen Beitrag leisten.

Bei der ÖBB betont man, dass derzeit noch keine Kostenschätzung vorliege. „Diese ist seitens des beauftragten Planers in Ausarbeitung. Die ÖBB sind bemüht, so viele Eisenbahnkreuzungen wie möglich aufzulassen, das heißt aber nicht, jede Eisenbahnkreuzung durch eine Unter- oder Überführung zu ersetzen – denn die Dichte an Eisenbahnkreuzungen ist in Österreich im Vergleich zu anderen Nachbarländern ohnehin sehr hoch – sondern nach Möglichkeit mehrere, nahe aneinander grenzende Eisenbahnkreuzungen aufzulassen und durch ein vollwertiges Unter- oder Überführungsbauwerk tauglich für Straßen- und Rad-/Fußgängerverkehr zu ersetzen. Die Machbarkeitsstudien sind in Ausarbeitung, Gespräche laufen“, erklärt Pressesprecher Christopher Seif auf NÖN-Anfrage.