Thomasberg: Müllprojekt vor Start gestoppt. F/List-Aufsichtsratschef Franz List sieht Projekt kritisch, ebenso wie Ortschef Ringhofer. Entscheidung vertagt.

Von Christian Feigl und Philipp Grabner. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:55)
Auf einem rund 4.000 Quadratmeter großen Grund soll – geht es nach dem Abfallwirtschaftsverband und dessen Obmann Engelbert Pichler – eines der drei Wertstoffsammelzentren entstehen (am Foto die aktuelle Variante). F/List-Aufsichtsratschef Franz List äußerte seine Bedenken gegen das Projekt, Thomasbergs ÖVP-Ortschef Engelbert Ringhofer versteht die Einwände.
Philipp Grabner

Buchstäblich in letzter Sekunde wurde das Projekt des Abfallwirtschaftsverbandes, auf einem Grundstück hinter dem Lagerhaus-Technikzentrum ein Wertstoffelsammelzentrum zu errichten Anfang Februar gestoppt. Weil Franz List, Aufsichtsratsvorsitzender der Firma F/List und eines der größten Arbeitgeber im Bezirk, seine Bedenken gegen das Vorhaben geäußert hatte.

Aus diesem Grund stieg nun der Thomasberger ÖVP-Bürgermeister Engelbert Ringhofer auf die Bremse. Hintergrund: Der rund 4.000 Quadratmeter große Grund, der auf Thomasberger Gemeindegebiet liegt, gehört zwar einer Privatperson, Ringhofer genehmigt als oberste Baubehörde aber den für das Projekt benötigten Teilungsplan und Bau. Intensive Verhandlungen aller Beteiligten sollen laut Informationen der NÖN das Vorhaben nun aber doch noch retten und zu einem Ergebnis führen, mit dem am Ende alle leben können.

„Es stimmt, dass das Projekt eigentlich schon unterschriftsreif war und es nach Lists Bedenken vorerst gestoppt wurde“, ist Grimmensteins ÖVP-Bürgermeister Engelbert Pichler in seiner Funktion als Obmann des Abfallwirtschaftsverbandes über den Umstand und die nunmehrige Verzögerung wenig erfreut. „Dabei geht es aber gar nicht um Inhalte, sondern um die optische Ansicht des Wertstoffsammelzentrums“, nennt Pichler die Details. Überrascht sei er vor allem deshalb gewesen, weil es im Vorfeld von den Mitgliedsgemeinden und deren Vertretern keinerlei Bedenken gegeben habe. „Aber die aktuelle Situation ist natürlich zu akzeptieren, wir leben ja in einer Demokratie.“

„Möchte dem Betrieb nicht schaden!“

Thomasbergs ÖVP-Bürgermeister Engelbert Ringhofer jedenfalls kann die Bedenken des Unternehmers nachvollziehen, wie er im NÖN-Gespräch darlegt: „Die Firma hat sehr viele Kunden, das Areal rundherum ist sehr gut gepflegt und das ist ja quasi sein Verkaufslokal.“ Es sei weniger das Gebäude an sich, sondern die damit einhergehenden Begleiterscheinungen, führt Ringhofer aus: „Einwohner von 14 Gemeinden bringen dann ihre Wertstoffe hier her – teils mit Anhängern, teils mit Traktoren.“

Rechtlich könne er als Bauinstanz nichts gegen das Projekt einwenden, stellt Ringhofer klar – aber: „Geht es nach mir, kommt das dort nicht hin!“ In seiner Gemeinde gebe es jedoch keine Standort-Alternativen, so Ringhofer – weshalb man auf eine der umliegenden Gemeinden ausweichen müsse: „Dafür kommen aber nur einige wenige in Frage, weil das Zentrum ja für alle möglichst gut erreichbar sein sollte.“ Ihm gehe es darum, dem Betrieb nicht schaden zu wollen: „Nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern vor allem natürlich, weil das einer der größten Arbeitgeber in unserer Region ist und sehr viele Lehrlinge ausbildet.“ Ob er zuversichtlich sei, dass doch noch eine Lösung gefunden werden könnte?

„Ja, auch wenn das natürlich noch ein wenig dauern könnte.“ Ringhofer erklärt auch, dass man vom ursprünglichen Standort gleich anschließend an das Lagerhaus-Technikzentrum abgekommen sei – der nun weiter unten geplante Standort missfällt Ringhofer aber ebenso: „Weil es nicht primär um den Ort, sondern um den Verkehr geht – den hätten wir dort ja genauso!“ Abfallwirtschaftsverbands-Obmann Engelbert Pichler – ÖVP-Bürgermeister in der Nachbargemeinde – ist gegenüber der NÖN übrigens ebenso zuversichtlich, trotz der Differenzen noch zu einem Ergebnis zu kommen: „Wir setzen uns alle noch einmal an einen Tisch und werden alle Punkte in Ruhe abarbeiten!“

Franz List selbst wollte sich auf NÖN-Anfrage zu der Thematik übrigens nicht näher äußern: „Da bitte ich um Verständnis, wir sind derzeit in einer sehr heiklen Phase und ich möchte da weder etwas zerstören noch vorgreifen.“ Aber auch er sei zuversichtlich, eine „gemeinsame Lösung“ finden zu können, wie er es formuliert.