Tod kam am Geburtstag. Die Bergrettung Reichenau musste im vergangenen Jahr zwar weniger als im Jahr 2016 ausrücken, dafür waren die insgesamt 40 Einsätze anstrengender als je zuvor.

Von Tanja Barta. Erstellt am 16. Januar 2018 (08:25)
Bergrettung Mitterbach

Er war 27 Jahre alt, stammte aus Ungarn und wollte am Berg seinen Geburtstag feiern – mit einem tragischen Fall zieht die Bergrettung Reichenau Bilanz über das vergangene Jahr. Die Einsätze wären zwar weniger, im Gegenzug aber viel anstrengender.

Für die Bergretter des Semmering-Gebiets war der Einsatz am 25. September wohl der Schlimmste des ganzen Jahres. Zwei Krankenschwestern haben damals einen jungen Mann leblos in einer Schuttrinne entdeckt. „Die zwei Damen haben zwar Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen, aber der 27-Jährige war bereits tot“, informierte der Pressesprecher der Bergrettung, Helmut Dittler.

Fünf Stunden lang brauchten die insgesamt 15 Bergretter und zwei Alpinpolizisten, um den Toten bergen zu können. Bitterer Beigeschmack für die Einsatzkräfte: Der 27-Jährige hatte genau an diesem Tag Geburtstag.

"Zu 40 Einsätzen gerufen"

Zum Glück blieb der Ungar aber das einzige Todesopfer im Jahr 2017. „Wir wurden insgesamt zu 40 Einsätzen gerufen“, so Helmut Dittler in der Jahresbilanz. Ein kleiner Rückgang gegenüber 2016 (55 Hilfeleistungen), aber: „Die Art der Einsätze hat sich jedoch dramatisch verändert. So waren Einsätze zwischen fünf und zehn Stunden Dauer keine Seltenheit“, merkt Dittler an.

Gutes Beispiel dafür war ein Kletterausflug einer tschechischen Truppe, bestehend aus zwei Männern und einer Frau. Sie waren auf der vorderen Blechmauer unterwegs, als einer der Männer 60 Meter tief ins Seil stürzte. Der Kletterer zog sich zwar äußerst schwere Verletzungen zu, überlebte den Unfall aber „wie ein Wunder“, so die Bergretter.

Ausstattung wurde verbessert

Zu weiteren Einsätzen haben vor allem auch verirrte Touristen geführt. So auch im Herbst, als sich 14 Mann auf die Suche nach einem Bergsteiger am südlichen Schneeberg machten und sie am Ende gleich drei Touristen unverletzt aufgegriffen haben. „Unser Schwerpunkt wird sich mit der Schließung des Schlepplifts Ebenwald in Richtung Skibergsteigen und Schneeschuhwandern verschieben“, blickt Dittler in die Zukunft. Um schnellstmöglich effizient helfen zu können, wurden bereits Materialdepots an verschiedenen Orten angelegt.

Beim Thema „Ausstattung“ hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls viel getan. Beispielsweise wurde die Bergrettung mit einem tragbaren Defibrillator ausgestattet, den sie dann auch gleich erfolgreich einsetzen konnten. Ein Mann erlitt am Törlweg einen Herzstillstand und konnte mit dem neuen Defibrillator wieder zurück ins Leben geholt werden.