Sperrstunde für Trafik in Puchberg. Gerda Kaiser schloss nach 15 Jahren ihr Geschäft. Auf die Pension freut sie sich, ihre Kunden wird sie aber vermissen.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 07. Januar 2021 (05:23)
Bahnhofstrafik-Pächterin Gerda Kaiser (am Foto 2. von rechts) mit den Mitarbeiterinnen Regina Kropf (21 Jahre im Betrieb) und Sonja Zottl (neun Jahre im Betrieb) sowie den Stammkunden, ÖVP-Landtagsabgeordnetem Hermann Hauer und Brigitte Panzenböck.
Philipp Grabner

Gelächter, gute Wünsche und wahre Lobeshymnen: Es herrscht reges Treiben an diesem Silvester-Vormittag am Bahnhofsplatz – konkret in der Trafik von Gerda Kaiser. Denn die Unternehmerin hat an diesem Tag nicht nur zum letzten Mal im Jahr 2020 geöffnet, sondern für immer – die 59-Jährige geht in Pension.

Der Abschied fällt nicht leicht – auf beiden Seiten. Eine Stammkundin und Freundin bringt der Pächterin im Geschäft sogar ein Gedicht dar und heißt sie im „Klub der Pensionisten“ willkommen – Kaiser selbst erklärt anschließend im NÖN-Gespräch, das coronabedingt im Freien stattfindet, dass ihr die Kunden schon abgehen werden: „Das macht schon wehmütig“, verrät sie.

Andererseits freue sie sich auf die Pension, sagt sie: „Wir hatten auch am Samstag, Sonntag und am Feiertag geöffnet. Es war immer schade, wenn die Freunde einen Ausflug gemacht haben und ich im Geschäft stehen musste.“

Coronakrise traf die Bahnhofstrafik nicht

Im Jahr 1999 eröffnete Gerda Kaisers Gatte die Trafik. Nach seinem Tod vor 15 Jahren übernahm sie selbst die Geschicke. Die Kunden kamen von Nah und Fern. Die Coronakrise traf sie nicht: „Ich darf mich nicht beklagen, es war ein gutes Jahr.“

Die neu gewonnene Freizeit will Kaiser – diesen Monat wird die Puchbergerin 60 Jahre alt– mit dem Enkerl sowie in der Natur verbringen. Sprachen würde sie auch noch gerne lernen, „etwa Italienisch“, verrät Kaiser.

Unterdessen stößt eine Dame zum Gespräch dazu und unterbricht kurz: „Bitte schreiben Sie, dass uns die Frau Kaiser sehr fehlen wird“, meint sie in Richtung des NÖN-Redakteurs. Der Trafikantin schickt sie einen Luftkuss – und diese kehrt wieder ins Geschäft zurück, um die nächsten Kunden zu bedienen, ein allerletztes Mal...