Ehrenamt Nikolaus: Das Positive steht im Mittelpunkt. Das Leuchten in den Augen der Kinder ist der Lohn für den Auftritt in Kindergärten und Schulen.

Von Daniela Purer und Judith Jandrinitsch. Erstellt am 04. Dezember 2019 (04:48)
privat

Werner Deringer erinnert sich ganz genau, wann er das erste Mal in die Rolle des Heiligen Nikolaus geschlüpft ist. „Es war tatsächlich vor 30 Jahren“, berichtet Deringer, im eigentlichen beruflichen Leben Baudirektor der Stadtgemeinde Mödling und ÖVP-Chef in Guntramsdorf. „Ich habe damals noch in Gießhübl gewohnt, meine ersten Besuche als Nikolaus stattete ich Kindergärten und Schulen ab.“

Sein unverwechselbares Markenzeichen wurde dabei ein Pfarrgewand aus der Pfarre Gießhübl, „das Unterkleid ist mit Spitzen besetzt, ich trage es als Nikolaus noch immer, auch wenn es jetzt ein wenig zerschlissen ist.“ Für seine Auftritte als Nikolaus hat sich Deringer einige Vorgaben ausbedungen. „Ich will nicht, dass sich die Kinder fürchten. Wenn ich der Nikolaus bin, dann steht für mich das Positive im Vordergrund, darum bitte ich die Pädagoginnen des jeweiligen Kindergartens auch, mir nur die positiven Eigenschaften eines jeden Kindes zu notieren. Ich will, dass die Kinder durch meinen Besuch einen positiven Tag erleben.“

"Das war letzten Endes eine Hin- und Herhetzerei"

Als Geschenk bringt der heute in Guntramsdorf lebende Baudirektor jene gebastelten Sachen der Kinder mit, die diese einige Tage vorher selbst gestaltet haben. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es vor allem eine logistische Herausforderung ist, Hausbesuche unter einen Hut zu bekommen. „Das war letzten Endes eine Hin- und Herhetzerei, außerdem habe ich das Gefühl, dass es viel mehr Wirkung hat, wenn der Nikolaus eine Gruppe von Kindern besucht.“ Deshalb wird Deringer auch die Adventkinderbetreuung in Guntramsdorf als Heiliger Nikolaus verkleidet besuchen.

Gregor Gatscher-Riedl, Archivar der Gemeinde Perchtoldsdorf, tritt beispielsweise bei der Adventfeier der Senioren im Kulturzentrum als Nikolaus auf. „Wir sind meistens zu dritt und haben noch eine Person als Engerl und eine als Krampus mit dabei.“ All das sei „aus dem Gedanken entstanden, bevor wir jemanden kommen lassen, der dafür Geld nimmt, machen wir es lieber selbst in Kooperation mit dem Roten Kreuz“.

Durch Zufall ins Kostum geschlüpft

Dieses Jahr steckt Gatscher-Riedl bereits zum sechsten Mal im Kostüm mit dem weißen Rauschebart. Gefeiert wird klassisch: mit Geschenke-Sackerln, Weihnachtsliedern und Darbietungen. Die Nachfrage ist dabei immer sehr hoch und die Veranstaltung ist gut besucht. „Es ist wunderbar, der Nikolaus zu sein“, erzählt Gatscher-Riedl im NÖN-Gespräch. „Man sieht, dass die alten Leute in Verzückung geraten.“

Der Höhepunkt des ganzen Jahres in der Gemeinde Kaltenleutgeben ist das Nikolausspiel, organisiert von Hans Steiner. Bei dem Open-air- Erlebnis, bei dem 120 Darsteller mit dabei sind, vertreibt der heilige Nikolaus mit seinen Lichtgestalten den Fürsten der Nacht und seine teuflischen Gesellen sowie die schwarzen Ritter und verteilt am Ende Geschenke an die Kinder. Während die Rolle des Fürsten der Nacht dem Organisator vorbehalten ist, mimt der Kaltenleutgebner Gerhard Thein bereits zum dritten Mal den Nikolaus. „Es ist mir eine große Freude, dass ich mitmachen darf. Die Geschichte, die mit dem Stück verbunden ist, beinhaltet eine große Lebensweisheit“, schwärmt Thein.

In der Gemeinde Laab im Walde ist Josef Mego als Nikolaus unterwegs: „Ich habe mir vor einigen Jahren aus Spaß einen Bart wachsen lassen und weil er so schön weiß geworden ist, wurde ich von der Gemeinde angesprochen, den Nikolaus zu spielen.“ Erst erfreute Mego ebenfalls nur die Seniorengruppe, doch schon bald „bestellte“ ihn außerdem auch die Feuerwehr, um die Kinder am Kirchenplatz zu erfreuen. Der Inhalt der Sackerln besteht dabei zum Großteil aus Spenden der in Laab ansässigen Firmen sowie der Feuerwehr und der Gemeinde und wird beim örtlichen Nahversorger besorgt.