Impfplan: Die Bussis bleiben auf der Strecke. Die Ärzte aus dem Bezirk Mödling appellieren, die Empfehlungen des österreichischen Impfplans einzuhalten.

Von Michelle Schüller und Daniela Purer. Erstellt am 12. Februar 2020 (04:31)
Impfen ist auch bei Erwachsenen ein Thema. Häufig fehlen Auffrischungsimpfungen.
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Peter Klar, Allgemeinmediziner für Laab im Walde und Breitenfurt, fasst zusammen: „Der Schutz vor Infektionskrankheiten ist gesellschaftliches Teamwork. Es geht dabei nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch um die Gefahr der Ansteckung. Kinder, Schwangere und ältere Personen gehören dabei zu den Risikogruppen. Gerade Impfungen sind aufgrund der hohen Skepsis auch sehr gut wissenschaftlich erforscht.“ Klar empfiehlt vor allem den Schutz gegen Masern, da Kinder schwer erkranken können und auch noch Jahre später daran sterben. „Die Bevölkerung hat den Respekt vor gewissen Krankheiten verloren, weil sie diese nicht kennen. Ein gutes Beispiel ist hier die Kinderlähmung. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, sich nicht dagegen impfen zu lassen. Aber weil man die schrecklichen Folgen nicht mehr sieht, denkt man oft, das brauche ich nicht.“

Allgemeinmediziner Peter Fuhrich aus Biedermannsdorf weist ebenfalls auf die Wichtigkeit der Impfungen hin: „Es ist von besonderer Bedeutung, sich nach dem vorgegebenen Impfprogramm impfen zu lassen. Besonders für Personengruppen mit reduziertem Immunsystem.“

Eine weitere Impfung, die laut Fuhrich Frauen nicht vergessen sollten, „ist die HPV-Impfung. Sie schützt vor Gebärmutterhalskrebs“. Zudem sei Hygiene auch im Alltag besonders wichtig, um sich vor Krankheiten zu schützen. „Regelmäßiges Händewaschen ist essenziell“.

Rainer Bauer, Bezirksvertreter der Fachärzte, hält Impfen für „sehr sinnvoll: Dabei muss aber bedacht werden, dass es neun bis 14 Tage dauert, bis der Schutz eintritt.“ Bauer hebt vor allem FSME (Zecken) „als Pflichtimpfung“ hervor.

Die aktuelle Grippewelle sei noch harmlos, meint Mödlings Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter Michael Dorfstätter: „Ich glaube, die meisten Menschen waren impfen oder rechtzeitig beim Arzt.“ Und er bedauert, dass „die Frage des Impfens leider zur Streitfrage“ geworden ist.

Sandra Enzelberger, Schulärztin im Gymnasium Perchtoldsdorf, erklärt: „Impfpflicht gibt es an unserer Schule nicht. Ich impfe die sogenannten ‚Schulimpfungen‘ wie Tetanus, Meningokokken und Masern, Mumps, Röteln, die von der Bezirkshauptmannschaft für Schulen vorgesehen sind.“

In der Apotheke „Im Kräutergarten“ Perchtoldsdorf besteht das ganze Jahr über rege Nachfrage an Impfstoffen: „Um diese Jahreszeit wird natürlich besonders der Grippeimpfstoff gekauft, das restliche Jahr über verkaufen wir die Standardimpfstoffe“, so Carina Fischer.

„Wir sind nicht grippegeimpft“, sagt Mödlings (Faschings)-Herzog Michael Loidl (Herzog Heinrich XVIII.). Und das, obwohl er gemeinsam mit seiner Sonja fast ständig unter Leuten ist. Sehr wohl aber verzichte man auf Umarmungen oder die obligaten Bussis, wenn „wir merken, dass jemand stark verschnupft ist oder hustet“.

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