Das harte Los des Pendelns. In der Gemeinde Seebenstein leben die meisten Pendler des Bezirks.

Von Johannes Authried und Tanja Barta. Erstellt am 10. Dezember 2019 (04:34)
Seit 30 Jahren pendelt Peter Wolzt nach Wien.
Johannes Authried

Tagwache um 4.45 Uhr. Der Zug in die Arbeit nach Wien fährt noch vor 6 Uhr vom Neunkirchner Bahnhof weg. Für den 60-jährigen Peter Wolzt gehört das Pendeln bereits seit September 1989 zum Leben dazu. Von Montag bis Freitag fährt er nach Wien und gehört dabei schon zu einem der wenigen Pendlern, die so früh mit dem Zug unterwegs sind.

Der Neunkirchner Peter Wolzt ist Referatsleiter für Kraftverkehrswesen und Technik beim Österreichischen Bundesheer. Das Pendeln in die Arbeit nach Wien gehört für ihn bereits seit 30 Jahren zum Alltag. „Ich pendle nach Wien wegen der Qualität des Arbeitsplatzes. Derartige Arbeitsplätze gibt es in Neunkirchen und Umgebung, inklusive Wiener Neustadt, nicht“, so der 60-Jährige.

Dass für ihn der Tag besonders früh beginnt, ist für Wolzt mittlerweile kein Problem mehr. Lediglich die Zugverbindung nach Wien sorgt hin und wieder für Verärgerung. „Die Zuverlässigkeit der Österreichischen Bundesbahnen lässt immer noch zu wünschen übrig“, merkt der Pendler an. Wenn der Dienst das ein oder andere mal auslässt, dann „wird es mühsam“, schmunzelt Wolzt. Eine Tatsache am Pendeln betrübt den Neunkirchner aber immer mehr: „Wir waren immer um die vier oder fünf Pendler. Jetzt fahre ich quasi alleine“, erzählt Wolzt etwas betrübt.

Das Pendeln in die Arbeit zählt aber nicht nur für Peter Wolzt zur Tagesordnung. Auch im restlichen Bezirk arbeiten viele außerhalb ihres Wohnortes. Die meisten Pendler gibt es in Seebenstein. 88,5 Prozent der Bevölkerung haben einen Arbeitsplatz außerhalb der Gemeinde und müssen daher immer hin- und herpendeln. SPÖ-Bürgermeisterin Marion Wedl sieht diese Zahl mit gemischten Gefühlen. „Bei uns gibt es wenige Arbeitsplätze. Dafür haben wir tolle Anbindungen nach Wien oder auch St. Pölten“, so die Ortschefin. Sie würde sich natürlich mehr Arbeitsplätze in Seebenstein selbst wünschen. Andererseits ist Wedl aber auch stolz darauf, eine gute Anbindung an die Autobahn, eine Park&Ride-Anlage sowie einen eigenen Bahnhof zu haben.

Ein besonderer Fall ist die Gemeinde Semmering. Hier ist der Anteil der Auspendler zwar um 24 Prozent gestiegen, die Pendlerquote aber im Vergleich zu anderen Gemeinden mit insgesamt 66,5 Prozent Auspendlern generell gering. 33,5 Prozent der Semmeringer arbeiten innerhalb der Gemeinde. „Wir haben bei uns viele Betriebe, da kommen die Mitarbeiter von anderen Gemeinden zu uns. Aber auch allein in die Tourismusschule kommen 70 Lehrer von außerhalb“, so ÖVP-Bgm. Schröttner. In der Wintersaison wird es wieder mehr Einpendler geben. Eine der wenigen Gemeinden, in der die Pendlerquote gesunken ist, ist Buchbach. Hier gibt es ein Minus von 7 Prozent. Dennoch ist die Auspendlerquote mit 85,1 Prozent eine der höchsten im Bezirk.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

Umfrage beendet

  • Stehen für NÖ-Pendler ausreichend öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung?