Fastenzeit: Verzicht, Stille und Einkehr. Wie Geistliche die österliche Bußzeit einordnen und worauf Persönlichkeiten aus dem Bezirk Neunkirchen verzichten.

Von Norbert Riegler. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:35)
Pater Martin Glechner: „Es geht auch um Dankbarkeit und Wertschätzung!“
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Auf einen bunten, ausgelassenen Fasching folgt die wesentlich ruhigere Fastenzeit, geprägt von Einkehr und Verzicht – diese Regel hätte unter normalen Umständen wohl auch heuer gegolten.

Doch durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen gelten seit nunmehr knapp einem Jahr gänzlich andere Spielregeln in unserem Alltag – auch sie sind geprägt von Verzicht. Doch hinter dem Fasten steckt viel mehr – sie ist eine „uralte biblische Tradition im Judentum“, wie Pater Martin Glechner, Pfarrmoderator in Schwarzau am Steinfeld weiß: „Im Zentrum stehen der Bußgedanke und die Neubesinnung, wenn man weiß, etwas ist nicht so gut gelaufen. Der Gedanke zur Umkehr hilft dabei, zu beginnen, das Leben neu zu ordnen.“

Pater Martin Glechner: „Es geht auch um Dankbarkeit und Wertschätzung!“
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Die geltenden Regeln seien im Mittelalter „sehr viel strenger“ gewesen als heute, so Glechner: „In der Fastenzeit war damals der Fleischkonsum komplett untersagt – bis auf die Sonntage.“ Heute gelten nur mehr zwei Tage als strenge Fasttage – der Aschermittwoch und der Karfreitag. Doch im christlichen Sinne gehe es um viel mehr als bloß um den Verzicht auf Fleisch: „Es geht ganz aktuell auch um Verzicht, der einem hilft, bewusst zu machen, was man hat – auch um Dankbarkeit und Wertschätzung“, meint Glechner.

Das sieht auch Ulrich Dambeck, Pfarrer im Wechselgebiet – unter anderem in Edlitz – so: „Es geht im Wesentlichen darum, einige Zeit etwas aus dem gewöhnlichen Alltag auszusteigen und Freiraum zu bekommen, über sich, Gott und die Welt nachzudenken. Dazu kann das Verzichten eine wesentliche Hilfe sein, zumal, wenn es auch ökologische, soziale, psychologische und gesundheitliche Folgen hat.“ Das Fasten könne aber auch bedeuten, etwas zu spenden oder mehr zu beten. Dambeck selbst wird in den kommenden Wochen selbst nicht nur auf Alkohol, Fleisch und Schokolade verzichten, wie er gegenüber der NÖN verrät: „Außerdem reduziere ich den Fernsehkonsum und nehme mir mehr Zeit für das Gebet.“

Wie die Promis im Bezirk fasten

Und wie legen nun Persönlichkeiten aus dem Bezirk Neunkirchen die Fastenzeit an? Ein Rundruf der NÖN fördert höchst unterschiedliche Antworten zutage. Bei Prigglitz‘ Musiker Klaus Trabitsch etwa gibt es das klassische Fasten nicht, wie er verrät: „Aber ich reduziere in meinem Leben generell alles, was dem Klima schadet: Flüge, Kurzurlaube, Fleischkonsum und so weiter.“ Kein Thema ist die Fastenzeit auch für Bildhauerin Charlotte Seidl aus Gasteil: „Wann immer ich mir etwas Gutes tun will, tue ich es, weil die Einschränkungen ohnehin sehr stark sind.“ Seit mittlerweile neun Jahren isst sie allerdings sehr wenig und bewusst: „Weil es mir gut tut“, wie sie sagt.

Keine speziellen Fastenvorsätze hat Würflachs Amtsleiter Peter Samwald, Obmann des Musikvereins Würflach-Hettmannsdorf: „Ich achte ohnehin seit einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen vermehrt auf gesunde Ernährung.“ Für Robert Kotrc, Hundetrainer und Journalist in Willendorf, stehen der Verzicht auf Zucker und weniger Beschäftigung mit den sozialen Medien an oberster Stelle: „Ich beschränke diesen Verzicht, durch den ich mehr Lebensqualität gewinne, aber nicht nur auf die Fastenzeit vor Ostern, sondern mache das immer, wenn ich das Gefühl habe, dass ich es brauche.“ Fasten und Glauben haben wiederum für Puchbergs Künstler Rudolf „Voka“ Vogl keine Bedeutung – er fastet, wenn er abnehmen will: „Wenn ich mich gesund ernähre, tue ich das, weil ich es für richtig halte“, erklärt er.

VS-Direktor Herwig Steiner: „Fasten heißt auch Dankbarkeit und Teilen!“
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Bei Volksschuldirektor Herwig Steiner aus St. Egyden und Würflach geschieht das Fasten auch aus Solidarität zu Menschen, denen es nicht so gut geht: „Ich unterstütze immer wieder, vor allem in der Fastenzeit Projekte, die Kinder, Jugendliche und Frauen in anderen Ländern fördern. Fasten heißt für mich nicht nur Verzicht, sondern auch Dankbarkeit und Teilen.“ Keinen religiösen Hintergrund hat das Fasten wiederum für Markus Krachler, Sportlicher Leiter des Sportvereins Breitenau: „Die Fastenzeit selbst bedeutet mir nichts. Meine Frau und ich fasten aber seit drei Jahren immer wieder, verzichten auf Alkohol oder anderes.“

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