Gastronomie-Kontrollen: BH zieht gute Bilanz. 21 von Behörde durchgeführte Überprüfungen liefen „sehr gut“. Generelle Impfpflicht wird als letzter Ausweg gesehen.

Von Philipp Grabner und Gerhard Brandtner. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:28)
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Stiegenwirtin Eva Stummer mit Silvia Pollross, die gerne ihren „Grünen Pass“ vorzeigt.
Gerhard Brandtner, Gerhard Brandtner

Getestet? Geimpft? Genesen? Seit Wiedereröffnung der heimischen Gastronomie im Mai müssen sich die Wirte bei ihren Gästen nach einem entsprechenden Nachweis erkundigen. Um sicherzustellen, dass auch tatsächlich nach dem „Grünen Pass“ gefragt wird, hat die Bezirkshauptmannschaft vor wenigen Wochen eine sogenannte „Aktion scharf“ angekündigt.

Kontrolliert wird dabei vorwiegend auch die Gastronomie, wie Bezirkshauptfrau-Stellvertreter Michael Engel erklärt: „Zur Kontrolle der Regelungen im Bereich der Gastronomie wurden und werden Kontrollen sowohl durch die Polizei alleine als auch gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde durchgeführt.“ Bis dato seien im Bezirk 21 solcher Überprüfungen durchgeführt worden, so Engel. „Darüber hinaus führt die Polizei laufend Kontrollen auch ohne die Bezirkshauptmannschaft durch.“ Das Ergebnis beider Aktionen beschreibt Engel als „sehr gut“ – es gäbe „so gut wie keine Verstöße, der überwiegende Teil hält die Regelung ein“, präzisiert Engel.

Darüber sei man froh, so der Bezirkshauptfrau-Stellvertreter: „Denn die Einhaltung der Regelungen ist für uns ein wichtiger Baustein des gesamten Maßnahmenpaketes!“

Von einer „relativ positiven Bilanz“ der Kontrollen spricht auch Bezirkswirtesprecher Hannes Beisteiner vom „Peischinger Dorfwirt“: „Sogar auf der Fischerhütte am Schneeberg wurde kontrolliert“, weiß er zu berichten. Beisteiner appelliert an die Gastronomie-Kollegen, die „3G“-Regel sowie die Registrierungspflicht auch tatsächlich einzuhalten: „Denn natürlich gibt es nach wie vor einige wenige, die das nicht befolgen und im schlimmsten Fall kommen dann andere Regeln oder wieder die totale Sperrstunde.“

Das Geschäft in der „Gastro“ beschreibt Beisteiner aktuell als „gut“ – vor allem mittags laufe es, abends habe es einige Zeit nach der Wiedereröffnung gedauert: „Viele Gäste waren am Anfang noch sehr zurückhaltend, aber mittlerweile ist die Auftragslage für den August recht gut.“ Wie der Neunkirchner Bezirkswirtesprecher den Vorstoß von Gastronomie-Spartenobmann Mario Pulker sieht, der eine generelle Impflicht ins Gespräch gebracht hatte (siehe auch Artikel rechts)?

„Im ersten Moment war ich auch schockiert und es ist nicht gut rübergekommen, aber ich habe danach lange mit Mario telefoniert und er hat mir die Beweggründe erklärt.“ Mit Blick auf die Wintersaison, die einmal mehr in Gefahr sei, sei eine Impfpflicht möglicherweise die „letzte Alternative“, glaubt Beisteiner.

Nur wenige Tests direkt im Gasthaus

Eine durchwachsene Bilanz ziehen auch einige weitere Gastronomen im Bezirk, die die NÖN um eine Einschätzung bat. Das Abendgeschäft sei etwa „so gut wie tot“, meint Eva Stummer vom „Stiegenwirtshaus“ in Gloggnitz: Dass zugesagte Erleichterungen nicht umgesetzt wurden, sei „natürlich nicht vorteilhaft und alles ist nur schlechter“, meint sie. Große Feiern seien zwar alle „so gut wie abgesagt“, allerdings komme das Essen zum Mitnehmen nach wie vor sehr gut an. „Hausmannskost ist zum Glück sehr gefragt und das hält uns auch über Wasser“, so Stummer. Jene Gäste, die das Gasthaus besuchen, hätten mit der Überprüfung des „Grünen Passes“ kein Problem: „Viele lassen sich aber nicht impfen oder gehen testen“, so Stummer.

Etwas optimistischer sieht Anica Puchegger vom Gloggnitzer Stadtcafé die Situation: „Die ,3G‘-Regeln sind okay, ist es ja für unser aller Sicherheit“, meint die Gastronomin. 99,9 Prozent hätten kein Problem mit dem Vorzeigen eines Nachweises. Ganz allgemein freue man sich über „viel Geschäft“, wie Puchegger sagt: „Stammgäste halten uns die Treue, aber ich sehe auch viele ortsfremde Personen unter den Gästen.“

Ähnlich sieht das Peter Pichler vom gleichnamigen Gasthaus in Petersbaumgarten: „Das normale Geschäft ist in Ordnung, auch der Zimmerbetrieb läuft ganz gut. Probleme mit den Nachweisen hatten wir bis dato keine – nur zweimal haben wir einen Test vor Ort machen müssen“, resümiert Peter Pichler. Auch die Jugend sei sehr diszipliniert, so Pichler: „Die haben den Nachweis alle am Handy, das finde ich ganz toll!“ Die Debatte rund um die Impfpflicht sieht Pichler differenziert: „Ich bin ganz grundsätzlich auch gegen eine Pflicht, aber bevor die Gastronomie wieder ganz zumachen muss, wird man wohl auch das diskutieren müssen!“ Seine Hoffnung: „Dass die Kontrollen wirken und wir weiterhin offen halten dürfen!“

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