Großmutter getötet: Prozess startet am Dienstag. Am Landesgericht Wiener Neustadt startet am Dienstag der Mordprozess gegen einen 29-Jährigen, der im März im Bezirk Neunkirchen seine 75-jährige Großmutter getötet haben soll. Dem Mann droht lebenslang und eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Einem psychiatrischen Gutachten zufolge ist der Beschuldigte zurechnungsfähig, was Verteidiger Wolfgang Blaschitz anzweifelt.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 06. Dezember 2019 (06:02)
Landesgericht Wiener Neustadt
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Der Jurist kündigte an, in der Hauptverhandlung die Einholung eines "weiteren Sachverständigen-Gutachtens" zu verlangen. Dies sei auch schon im Vorfeld des Prozesses beantragt worden, jedoch vergeblich, wie Blaschitz schilderte. Sein Mandant könne sich in Bezug auf die Tat an nichts erinnern, auch die Art und Weise des Angriffs auf die 75-Jährige spreche dafür, dass keine überlegte Handlung vorliege.

Der 29-Jährige soll seine Großmutter geschlagen, gewürgt und ihr mit zwei Messern zahlreiche Stiche und Schnitte zugefügt haben. Die Frau soll ihn laut Anklage immer wieder - auch finanziell - unterstützt und sich um ihren Enkel gekümmert haben, obwohl er in den vergangenen Jahren mehrmals Gewalt gegen Verwandte bzw. sein Umfeld ausgeübt haben soll. Die 75-Jährige wurde am 23. März tot in ihrem Haus in einer Marktgemeinde im Bezirk Neunkirchen entdeckt.

Urteil wird für 17. Dezember erwartet

Neben der Leiche wurde im Schlafzimmer ein Brief an die Frau gefunden, den ihr Enkel erfasst haben soll und in dem es u.a. heißt: "...es gibt mehrere, wenn nicht viele, Gründe warum Sie nicht verdienen zu leben...." Vom Verdächtigen ist in dem Schriftstück in der dritten Person die Rede. In der Nacht auf den 24. März wurde der Mann im Bezirk Baden festgenommen und in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert. Er wird u.a. durch DNA-Spuren belastet.

Der 29-Jährige leidet dem psychiatrischen Gutachten zufolge an einer Persönlichkeitsstörung und befindet sich in Substitution. Ebenfalls diagnostiziert wurde eine paranoide Schizophrenie, die aufgrund der Behandlung zum Tatzeitpunkt jedoch im Abklingen gewesen sei. Der Mann hatte im März auch Medikamente bzw. Suchtmittel eingenommen. Laut der Expertise ist er zurechnungsfähig, mit großer Wahrscheinlichkeit bestehe die Gefahr weiterer Taten bis hin zu Tötungsdelikten. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb die Einweisung des Mannes in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt.

Der Prozess in Wiener Neustadt ist für zwei Tage anberaumt.