Heftiger Polit-Streit um Impfstraße. Ternitz erhielt Zuschlag für Standort. Dworak kritisiert ÖVP-Pendant, der Zentrum verhindern habe wollen.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 07. April 2021 (05:56)
Symbolbild
APA

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz war sie präsentiert worden – doch realisiert wird sie nun doch nicht: Die Rede ist von der Impfstraße in Neunkirchen, die noch vor dem Beginn das Aus ereilte. Geimpft wird lediglich in Ternitz: Die Stahlstadt wird das Impfzentrum im Bezirk Neunkirchen beherbergen.

Neunkirchens Bürgermeister Herbert Osterbauer (ÖVP) zeigt sich im NÖN-Gespräch über die Entscheidung des Landes irritiert – schließlich habe man entsprechende Vorbereitungen getroffen und eine Halle für die Impfstraße adaptiert. „Wir haben uns auch eine größere Variante am Spitz angeschaut“, so Osterbauer, der – ohne näher darauf eingehen zu wollen – von „politischen Überlegungen im Hintergrund“ spricht. Wichtig sei ihm aber, dass generell geimpft werde: „Den Bürgern ist egal, ob sie dafür nach Ternitz fahren oder zu uns. Hauptsache ist, dass etwas passiert. Die Vorbereitungen waren halt umsonst“, so der Stadtchef.

Bei Notruf NÖ, dem Impfkoordinator im Land, betont man, dass die Wahl ganz bewusst auf „große Impfzentren“ gefallen sei: „Das blau-gelbe Impfzentrum im Bezirk Neunkirchen wurde aufgrund der verfügbaren Location in Ternitz gewählt und steht allen Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern zur Verfügung“, so Pressesprecher Stefan Spielbichler. In den Büros der zuständigen Regierungsmitglieder Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) und Stephan Pernkopf (ÖVP) heißt es, dass eine externe Firma die Location in Ternitz für gut befunden hätte und man daher dem Vorschlag gefolgt sei. Politische Debatten hätten damit nichts zu tun.

Dworak (SPÖ) ortet „Ternitz-Bashing“

Für Diskussionen sorgte in der Vorwoche aber nicht nur die Impfstraße, sondern auch das Testangebot. Neunkirchens ÖVP-Stadtrat Peter Teix hatte einmal mehr die „zu geringen Testmöglichkeiten“ in der Nachbarstadt Ternitz kritisiert.

Bürgermeister Rupert Dworak, SPÖ-GVV-Präsident.
Wieland, Wieland

„Es kann nicht sein, dass eine Gemeinde seine Hausaufgaben nicht macht und sich auf den Nachbarn verlässt“, so Teix‘ Ausführungen. Verärgert zeigte sich daraufhin Ternitz-Bürgermeister und GVV-Chef Rupert Dworak (SPÖ), der Teix sogar als „politischen Wadlbeißer“ bezeichnet: „In der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, wo Zusammenhalt, Mut und Weitblick gefragt sind, fällt dem Herrn Stadtrat aus Neunkirchen nichts Besseres ein, als ein Ternitz-Bashing zu betreiben“, ärgert sich Dworak. Er lasse sich seine Mitarbeiter nicht schlechtreden, so der Bürgermeister weiter: Teix fehle es offensichtlich an „Zusammenhalt, Mut und Weitblick“, so Dworak.

Nicht verschont von den Verbalattacken bleibt dabei auch ÖVP-Bezirksparteichef Hermann Hauer. Der habe das geplante Impfzentrum in Ternitz verhindern wollen: „Jeder bemüht sich in dieser Krise und ich finde, dass Neunkirchen bei den Testungen einen mustergültigen Job macht. Herr Hauer betreibt aber nur Ternitz-Bashing und läuft Amok.“ Dworaks Nachsatz: Hermann Hauer solle sich in Ternitz besser „gar nicht mehr blicken lassen“...

Abgeordneter Hermann Hauer, ÖVP-Bezirksparteichef.
ÖVP NÖ, ÖVP NÖ

ÖVP-Bezirksparteiobmann Hauer zeigt sich über diese Aussage empört. Dworak solle Beruhigungstropfen nehmen und „sich sehr gut überlegen, was er sagt“, wie er es gegenüber der NÖN formuliert. Er sehe die ganze Angelegenheit „bestimmt nicht durch die Parteibrille“, dass er Ternitz als Standort verhindern habe wollen, sei „der größte Schwachsinn, den ich je gehört habe“. Teix’ Vorwurf aber schließt er sich an: Die Testkapazitäten in Ternitz seien anfangs zu wenig gewesen...