„Homeschooling“ ersetzt Präsenz in Schule nicht. Digitaler Unterricht kann Präsenz in der Schule nicht ersetzen – darin sind sich Eltern, Schüler und Direktoren im Bezirk Neunkirchen einig.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:45)
Schüler freuen sich auf Schulstart.
privat

Sie bleiben vorerst also noch leer, die Bänke in Niederösterreichs Schulen. Mit Verlängerung des aktuell geltenden Lockdowns bleibt auch das „Distance Learning“ aufrecht – erst am 8. Februar soll es wieder losgehen. Bis dahin wird das sogenannte „Homeschooling“ weitergeführt.

In einem sind sich alle von der NÖN Befragten einig: Der Präsenzunterricht ist durch nichts vollständig zu ersetzen. „Es gibt nichts Besseres, als Pädagoginnen und Pädagogen zur Seite zu haben, die den Unterrichtsstoff vermitteln“, ist Gernot Braunstorfer, Schulleiter des G/RG Sachsenbrunn, überzeugt. Auch, wenn die Lehrkräfte mittlerweile eine gewisse Routine im „Distance Learning“ entwickelt hätten, werde die Herausforderung schwieriger: „Eltern kämpfen sicher tagtäglich mit der Situation, genauso wie Schüler und Lehrer“, meint Braunstorfer.

Ganz ähnlich sieht das Werner Schneider, Schulleiter der Mittelschulen Grünbach und Puchberg sowie der VS Höflein. „Der größte Nachteil ist sicher die fehlende soziale Komponente. Der Unterricht in seiner ursprünglichen Form lebt vom Miteinander der Akteure, ein gelebter Diskurs und ein aktives Gespräch sind auch durch den besten Online-Unterricht nicht zu ersetzen.“ Schneider sieht im „Distance Learning“ aber auch einen Vorteil: Die digitale Kompetenz hätte man so weiter verbessern können, meint er.

Stoßen an Grenzen

Lobende Worte für Kinder, Eltern und Lehrer findet Volksschuldirektorin Silvia Stögerer aus Otterthal und Trattenbach. Mittlerweile würden sie alle aber „an ihre Grenzen stoßen“, meint sie: „Der Unterricht vor Ort ist für unsere Kinder essenziell“, glaubt sie und hofft im nächsten Jahr auf mehr Förderstunden und eine niedrigere Klassenzahl. Kritisch sieht sie auch den Informationsfluss: „Es ist mehr als eine Herausforderung, die Ereignisse überschlagen sich oft, wenn Informationen des Ministeriums und der Bildungsdirektion ohne Vorlaufzeit hinausgegeben werden. Die Medien berichten oft seit Tagen und wir Schulleiter dürfen, da es noch keine offiziellen Erlässe dazu gibt, keine Informationen an die Eltern weiterleiten.“ Dies sei unbefriedigend, schließlich wolle man alle „zeitnahe“ informieren, so Stögerer.

Verbesserungen im Bereich des „Distance Learnings“ im Vergleich zum Frühjahr sieht man bei der Bildungsdirektion. Im Vergleich zum Frühling seien die Schulen gut vorbereitet gewesen, meint Abteilungsleiterin Sabine Karl-Moldan: „Lehrerinnen und Lehrer haben im Sommer viele Fortbildungen besucht und es gab kaum Klagen seitens der Eltern.“ Ihr Dank gelte allen Pädagogen, die sich „sehr gut auf die ständig wechselnde Situation eingestellt haben“, wie Karl-Moldan es formuliert.

Mit Sorge beobachtet Gerald Marangoni, Elternvertreter einer vierten Klasse in der Volksschule St. Egyden, die Situation. Zwar spricht der 43-Jährige, der auch FPÖ-Gemeinderat ist, Schule, Lehrern sowie Direktor ein Lob aus – zugleich kritisiert er aber die „mangelnde Kommunikation des Ministeriums mit Schulen und Eltern“, wie er sagt: „Man weiß nicht, wie geht es weiter, es gibt keine Vorgaben oder sie werden ausgegeben und ein paar Stunden später wieder zurückgenommen“, vermisst er die nötige Planbarkeit.

Antigen-Selbsttests für den Weg zurück in die Schule

Auf dem Weg zurück in die Klassenzimmer sollen künftig auch Antigen-Selbsttests helfen. An der Mittelschule Kirchberg wurden diese bereits verwendet – von jenen Schülern, die trotz Lockdowns die Betreuung vor Ort in Anspruch nehmen. Das Ergebnis? „Alle waren negativ“, freut sich Direktor Karl Kager.

„Homeschooling ist eine Herausforderung für uns Schüler. Für manche leider mehr als für andere. Es gibt immer wieder Phasen, in denen man seine Klassenkollegen und den Schulalltag besonders vermisst. Die Motivation kann unter diesen Umständen sehr leiden. Dazu kommt, dass sich viele in den Abschlussklassen Sorgen um den Ablauf der Matura machen. Das Gefühl, im Dunklen zu tappen, ist kein angenehmes. Positiv kann man anmerken, dass das Distance-Learning besser abläuft als im ersten Lockdown. (...) Die Hoffnung auf baldigen, möglichst normalen Schulbetrieb bleibt aufrecht.“

Sophie Rudel (17), Schülerin des G/RG Sachsenbrunn, 7BN:

„Der erste Lockdown im März kam unerwartet und war für viele von uns ein Schock. Aber es gab immerhin ein Licht am Ende des Tunnels. Heute, im mittlerweile dritten Lockdown, sieht das Ganze schon etwas anders aus. Meine Motivation ist kaum noch vorhanden und ich frage mich, ob wir dieses Schuljahr überhaupt noch in einen normalen Präsenzunterricht zurückkehren werden. Fernunterricht wird für mich von Woche zu Woche anstrengender, obwohl mir sonst Lernen leicht fällt. Die Struktur des Alltags geht durch Homeschooling verloren – jeder Tag fühlt sich gleich an. (...) Was ich mir wünsche? Vor allem Klarheit (...).“

Marie Gansauge (17), Schülervertreterin des G/RG Sachsenbrunn, 7BN :

Marie Gansauge, Schülerin der 7BN des G/RG Sachsenbrunn.
Franziska Brodträger

„Es wird immer schwieriger, den Schulstoff (...) alleine zu Hause durchzumachen. Klar, es gibt die eine oder andere Videokonferenz, jedoch ist es mit der Zeit anstrengend, unseren Schulalltag selbst zu regeln. Es liegt oft nicht an der Schwierigkeit des Schulstoffs, sondern (...) an der Motivation. In der Schule hat man die Freunde (...). In der jetzigen Zeit sitzt man zu Hause und arbeitet alleine vor sich hin. Natürlich gibt es darum auch Aufholbedarf und uns fehlt sicher Wichtiges, das in der Schule besser beigebracht werden kann. Trotz alldem versuche ich mich selbst (...) zu motivieren, und so gut wie es geht die Situation positiv zu sehen.“

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