Hundehaltung: Großteils Lob für Vorhaben. Beratungsgespräche und Einführung eines Hundepasses kommen positiv bei Hundehaltern im Bezirk Neunkirchen an. Etwaige Reformen dürfe man nicht als „lästiges Muss“ sehen.

Von Elfi Hagenbichler, Philipp Grabner und Thomas Wohlmuth. Erstellt am 29. Juli 2020 (05:45)
Mathias Radon und Helga Radon Zengerer aus Puchberg am Schneeberg mit Hündin Alma.
privat

„Es zeigt sich vermehrt, dass Menschen sich bei der Anschaffung eines Tieres oft wenig Gedanken darüber machen, was dieses Tier braucht!“ Davon ist Elisabeth Platzky, Leiterin des Tierschutzhauses in Ternitz, überzeugt.

Elisabeth Platzky ist Leiterin des Tierheimes Ternitz.
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Den von FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl angedachten Maßnahmen (siehe ausführlicher Bericht auf Seite 2) steht sie grundsätzlich recht positiv gegenüber – was sie mit einem Beispiel untermauert: „Wenn ich mir ein Elektrogerät anschaffe, die Gebrauchsanleitung nicht lese, einen Bedienungsfehler mache und das Gerät ist kaputt, zahle nur ich persönlich für meine Dummheit. Wenn ich mir einen Hund, ein neues Familienmitglied ins Haus hole, dann sollte ich doch auch wissen, wie ,funktioniert‘ dieses Wesen, was braucht es.“ Wichtig sei, dass künftige Hundehalter vor der Anschaffung „von kompetenter Hand beraten werden“, wie es Platzky, die auch eine mehrjährige Ausbildung zur Hundeverhaltenstherapeutin genoss, formuliert. Eine Schikane würde die Einführung eines Hundepasses oder eine kleine Sachkunde keinesfalls bedeuten, meint sie: „Um meinem Hund ein harmonisches Zusammenleben mit mir, meiner Familie und meinem Umfeld zu ermöglichen, bilde ich mich gerne weiter.“

Das würde vielleicht auch Spontankäufe im Internet vermindern, hofft Platzky. Abseits dessen wünscht sich die Tierheim-Chefin einen „qualitativ hochwertigen Vortrag, bei dem sich die zukünftigen Hundehalter bilden können“ sowie den Wegfall der Rassenliste, „die ja eigentlich bereits von vielen Personen und Institutionen als absurd tituliert wurde“.

„Gute Gelegenheit, kein lästiges Muss!“

Grundsätzlich positiv bewertet auch Thomas Eisenkölbl aus Neunkirchen die Vorschläge Waldhäusls. Der 34-Jährige ist Besitzer eines elfjährigen Assistenzhundes namens Obelix, der den bewegungseingeschränkten Mann etwa bei der Arbeit am Bezirksgericht Wiener Neustadt unterstützt. Zu der Idee von Beratungsgesprächen vor dem Erwerb eines Hundes meint Eisenkölbl: „Die Idee klingt einerseits nicht schlecht, doch die Umsetzung wird vermutlich schwierig. In diesem Zusammenhang würde ich mir manchmal auch ein Beratungsgespräch für werdende Eltern wünschen. Ich stelle mir auch die Frage nach den Kosten, denn gratis wird das Ganze ja nicht sein. Aber ich glaube, es wird generell wenig bewirken, ein Beratungsgespräch macht noch keinen besseren Hundehalter.“ Deutlich positiver sieht er den Vorschlag eines Hundepasses: „Das finde ich gut, weil dann alle Informationen in einem Dokument vereint sind.“

Eine ähnliche Antwort gibt auch Hundebesitzer Mathias Radon aus Puchberg am Schneeberg. Einen Basiskurs „zur Vermittlung grundsätzlichen Wissens über den Umgang mit Hunden“ empfindet er als sinnvoll, einen Hundepass besitzt er bereits. „Einen informativen Vortrag ohne verpflichtende Abschlussprüfung würde ich keinesfalls als Schikane empfinden“, meint er.

Ins selbe Horn stößt Robert Kotrc, ganzheitlich orientierter Hundeverhaltenstrainer aus Willendorf. „Beratungsgespräche vor der Anschaffung sind absolut zu begrüßen. Vielen ist nicht bewusst, wie unterschiedlich die einzelnen Hunderassen sind und welche Herausforderungen auf sie warten“, gibt er zu bedenken. Die angedachten Maßnahmen dürfe man keinesfalls als „lästiges Muss, sondern als gute Gelegenheit sehen, sich bei entsprechend qualifizierten Trainern einen neuen Input für das Zusammenleben mit seinem Hund zu holen“, so der Willendorfer. Zudem bestehe die Möglichkeit, sich über Themenbereiche wie Körpersprache, Erste Hilfe oder gesetzliche Vorgaben zu informieren: „Das kann ab der ersten Minute, in der der Vierbeiner einzieht, umgesetzt werden“, so Kotrc.

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