Karfreitags-Regelung stößt auf Skepsis. In der Karfreitags-Debatte haben ÖVP und FPÖ am Dienstag angekündigt, den Feiertag ganz zu streichen. Stattdessen können sich Arbeitnehmer an einem "persönlichen Feiertag" Urlaub nehmen. Einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es dafür aber nicht. Zuvor war eine Halbtags-Lösung angepeilt worden - NÖN.at hatte berichtet:

Von Tanja Barta, Clemens Thavonat und Philipp Grabner. Erstellt am 26. Februar 2019 (04:23)
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Pressechefin Monika Riedel von Semperit (links): „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen!“ Betriebsratsobmann Gerhard Scherz (rechts): „Ich wäre für einen ganzen freien Tag!“

Eines kann wohl ohne Übertreibung gesagt werden: So richtig euphorisch reagiert niemand auf die Entscheidung der türkis-blauen Bundesregierung, den Karfreitag zum „halben Feiertag“ zu machen. Grund für die Neuregelung ist der Europäische Gerichtshof, der feststellte, dass am Karfreitag allen Arbeitnehmern in Österreich ein Feiertag zusteht. ÖVP und FPÖ verständigten sich nun darauf, dass am Karfreitag alle um 14 Uhr nach Hause gehen dürfen. Eine Lösung, die von vielen als „halbe Lösung“ bezeichnet wird und auf einige Skepsis stößt.

Von einer Lösung, die niemanden zufriedenstellt, spricht etwa Josef Braunstorfer, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer NÖ in Neunkirchen. Die neue Regelung bringe jedenfalls eine Mehrbelastung für Unternehmen, ist er überzeugt: „Davon sind vor allem der Handel, der Tourismus, die Industrie sowie Handwerksbetriebe betroffen.“ Da man keine Vergleiche zu Vorjahren habe, sei auch schwierig abzuschätzen, wie der „halbe Feiertag“ schließlich in der Praxis gelebt werde. Braunstorfer: „Ich glaube, für dieses Thema gibt es ohnehin keine optimale Lösung.“ Mit der nun beschlossenen Regelung zeigt er sich aber „wenig glücklich“, wie er gegenüber der NÖN sagt.

„Ich glaube, für dieses Thema gibt es ohnehin keine optimale Lösung.“Josef Braunstorfer, Leiter der WK-Bezirksstelle Neunkirchen.

Die großen Handelsketten Rewe und Spar wollen die neue Karfreitagsregelung angesichts fehlender Details vorab noch nicht kommentieren. Fakt sei aber, heißt es von Rewe, dass der Karfreitag „einer der stärksten Einkaufstage im Jahr“ sei. Bei Rewe hoffe man aber auf eine Regelung, die Mehrkosten für das Unternehmen verhindert.

Für eine andere Lösung spricht sich auch Gerhard Scherz, Betriebsratsobmann bei der Constantia Patz in Natschbach-Loipersbach aus: „Solange kein Gesetzestext ausgefertigt ist, wird bei uns nicht reagiert. Erst, wenn das geschehen ist, werden wir gemeinsam mit der Unternehmensleitung Möglichkeiten ausloten, wie gegebenenfalls darauf zu reagieren ist. Persönlich wäre ich für einen ganzen freien Tag, da es wieder erhöhten Verwaltungsaufwand bringt, in einem Schichtbetrieb Vorgaben, wie sie die Regierung wünscht, umzusetzen. Nun warten wir erst einmal ab.“

Vorerst abwarten will auch Monika Riedel, Pressechefin der Semperit Holding AG. Man habe, wie sie der NÖN gegenüber betont, noch keine Entscheidung bezüglich des „halben Feiertags“ getroffen: „Zunächst ist die Frist, das umzusetzen, natürlich sehr knapp, es bestehen kaum Möglichkeiten, sich darauf einzustellen. Sicher wird es vonseiten der Unternehmensleitung eine entsprechende Verlautbarung geben. Bis dahin können wir keine verbindlichen Aussagen treffen.“

Gerhard Windbichler, Leiter der Arbeiterkammer Neunkirchen, sind bis dato noch keine Anfragen von Arbeitnehmern bekannt. „Wir müssen jetzt erst einmal den Beschluss der Regierung abwarten, damit wir sagen können, wie man in diesem Fall vorgehen kann.“ Und Arbeiter-Kammerrat Stefan Schärf von Schoeller Bleckmann Oilfield berichtet von Anfragen Personen evangelischen Glaubens, die nun wissen wollen, ob sie am Karfreitag nun frei haben oder nicht. „Wir warten ab, was die Regierung plant“, sagt er.

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