Maulkorb lässt viele aufjaulen. Verstärkte Beißkorbpflicht sorgt für heftige Kritik. Die NÖN Neunkirchen bat Hundehalter um ihre Einschätzungen.

Von Johannes Authried, Tanja Barta, Christian Feigl, Philipp Grabner und Thomas Wohlmuth. Erstellt am 12. November 2019 (04:03)
Gerhard Lager führt seine zwölfjährige „Dana“ immer an der Leine, mit der Beißkorbpflicht an sensiblen Plätzen hat er grundsätzlich kein Problem. Feigl
Feigl

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Gerhard Lager und seine zwölfjährige chinesische Faltenhündin „Dana“ gehören zum Neunkirchner Stadtbild wie der Hauptplatz oder die Pestsäule: Täglich drehen die beiden ihre Runden in der Innenstadt: „Die ‚Dana‘ ist ja kein Hund, sondern meine Tochter“, meint der 70-Jährige mit Augenzwinkern, der die neue Gesetzgebung ambivalent sieht: „Eigentlich ist es lächerlich, weil jeder Hundehalter für seinen Hund selbst verantwortlich sein sollte. Aber ich kann schon verstehen, dass es in der Nähe von Kindern oder größeren Menschenaufläufen Sinn macht, zumal man nie in ein Tier hineinschauen kann.“ Seine „Dana“ gehe prinzipiell an der Leine, den Beißkorb musste er erst einmal verwenden: „In der Innsbrucker Straßenbahn, aber auch dort war es kein Problem!“

„Ich bin absolut für eine Leinenpflicht. Bei einem Beißkorb sieht es allerdings ganz anders aus!“Alois Stoppacher, Hundetrainer.

Der 33-jährige Rollstuhlfahrer Thomas Eisenkölbl aus Neunkirchen besitzt seit einigen Jahren einen Partnerhund namens „Obelix“, der ihn auch täglich in die Arbeit begleitet. Die Aufgaben eines Partnerhundes sind vielfältig, Obelix kann zum Beispiel heruntergefallene Gegenstände aufheben, Lichtschalter ein- und ausschalten oder Türen öffnen. Assistenzhunde können aber auch beim An- und Auskleiden helfen, dazu müssen diese Hunde ein eineinhalbjähriges Training absolvieren und auch ständig üben, damit sie die Fähigkeiten erhalten.

Eisenkölbl sieht das neue Gesetz kritisch: „Ich gehe davon aus, dass Partnerhunde wie bisher von der Leinen- und Beißkorbpflicht ausgenommen bleiben, sie könnten ja sonst ihre Aufgaben nicht erfüllen. Ganz allgemein finde ich es blöd, dass die Regelung in jeder Gemeinde anders sein kann, eine einheitliche Lösung wäre besser: Wenn ich in eine andere Stadt komme, weiß ich ja nicht, wo Beißkorbzonen verordnet wurden und wo nicht.“

Wo das beispielsweise in der Bezirkshauptstadt sein wird, steht noch nicht fest: „Wir werden uns mit den Fraktionen und der Stadtpolizei zusammensetzen und dann solche Zonen definieren“, erklärt Neunkirchens ÖVP-Stadtchef Herbert Osterbauer.

Einer, der bereits seit 50 Jahren Hunde, unter anderem auch für das Bundesheer, trainiert, ist der Ternitzer Alois Stoppacher. Er hält das neue Gesetz auf der einen Seite für sinnvoll, auf der anderen wiederum nicht. „Ich bin absolut für eine Leinenpflicht. Eine Leine sollte jeder Hund tragen“, so der Hundetrainer, der auch eine Hundepension in Ternitz führt sowie selbst Hunde züchtet. Hunden allerdings einen Beißkorb anzulegen, ist in seinen Augen nicht überall notwendig. „Für Hunde, die einen Beißkorb nicht gewohnt sind, wird das problematisch. Meiner Meinung sollten nur jene Hunde einen Beißkorb tragen, die auch eine Gefährdung darstellen“, so Alois Stoppacher.

Die Zahl der Vorkommnisse mit einem Hundebiss ist laut Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen übrigens über die Jahre „relativ stabil“, wie Bezirkshauptfrau Alexandra Grabner-Fritz auf NÖN-Anfrage meint: „Sie schwankt rund um 20 Vorfälle pro Jahr im Bezirk Neunkirchen. Einen Ausreißer dürfte dabei das Jahr 2018 mit 38 Vorfällen bilden, unserer Meinung nach sagt dies jedoch noch nichts über einen Trend aus.“ Als BH sei man sich des Spannungsfeldes bewusst, welches das Zusammenleben zwischen Hundehalter und Nicht-Hundehalter betrifft: „Für die Behörde, die im gegenständlichen Bereich vor allem die Gemeinde ist, steht im Vordergrund, dass die neuen Bestimmungen im Vollzug dieses Gesetzes praktikabel sind“, so die Bezirkschefin.

Umfrage beendet

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