Sicherheit für Radfahrer: Gefahr durch geringen Abstand. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Clemens Thavonat, Johannes Authried und Christian Feigl. Erstellt am 13. August 2019 (05:00)
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Eine Gruppierung von Bikern, die Mitglieder des Neunkirchner Radclubs „Durstige Speiche“, eine Vereinigung nicht mehr ganz jungen Sportfreunde, sehen das Thema eher emotionslos: „Derartig tragische Unfälle sind natürlich schrecklich“, so Kassierstellvertreter Walter Schitton.

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Auch für Martin Fasan ist der zu geringe Abstand die größte Gefahr.

„Das soll aber kein Grund sein, immer neue Verbote auszusprechen, wie das Verbot von Radanhängern. Besser wäre es, bestehende Vorschriften zu kontrollieren.“ Das beträfe sowohl vorgeschriebene Abstände vom Auto zum Radfahrer als auch das Benutzen von Kopfhörern durch Radler, Fußgänger und Mopedlenker. Schriftführerin Hilde Schimmel hat damit schon Erfahrungen: „Es ist unglaublich, mit welcher Dummheit vor allem junge Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Mit Kopfhörern am Ohr fehlt der Gehörsinn, was enorme Gefahren birgt.“

Gerhard Ranz und Karl Reischl sehen auch E-Scooter und Inline-Skater als besondere Gefahr: „Die sind oft rücksichtslos und wahnsinnig schnell unterwegs, dabei sind manchen alle anderen Verkehrsteilnehmer völlig egal. Da wäre der Staat gefordert, seine Kontrollaufgabe wahrzunehmen. „Wie das allerdings gehen soll, wenn kaum noch Polizisten auf den Straßen sind, ist auch uns nicht klar.“

„Wie die Kontrolle gehen soll, ohne Polizei auf den Straßen, ist auch uns nicht klar.“Gerhard Ranz und Karl Reischl sehen den Staat in der Pflicht.

In der Bezirkshauptstadt ist Grüne Vizebürgermeister Martin Fasan für seine Leidenschaft zum Radfahren bekannt und wird deshalb auch gerne als „Radpapst“ bezeichnet. Während er bekräftigt, dass man in der Stadt um die Sicherheit der Radfahrer – „wir hatten zum Glück schon Jahre keinen Toten“ – und den Ausbau des Radwegenetzes (aktuell das Großprojekt in der Blätterstraße) sehr bemüht ist, ortet er im Umland Nachholbedarf: „Da müsste das Land das Budget verfünffachen!“ Als Beispiel nennt er etwa eine fehlende Radwegverbindung zwischen Wartmannsteten und Neunkirchen. Da gebe es gerade am Land mehrere Beispiele – „und da kann es dann für Radfahrer zu gefährlichen Situationen kommen!“

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Birgit Haidenwolf, im Bild mit Tochter Mira unterwegs.

Er selbst ist beinahe täglich mit dem Fahrrad unterwegs. Vor allem, um Alltagswege zu erledigen. Als größte Gefahr sieht er dabei, „dass die Autofahrer einen viel zu geringen Abstand halten“. Aber auch die Radfahrer seien gefordert: „Wenn ich im Stadtpark auf Fußgänger treffe, dann muss ich mich an deren Geschwindigkeit anpassen“, appelliert er auch an seine Pedalfreunde um Rücksichtnahme.

Eine begeisterte Radlerin und junge Mutter ist auch Birgit Haidenwolf aus Neunkirchen. Sie benutzt bei den Fahrten mit ihrer Tochter aber keinen Anhänger, sondern einen Kindersitz: „Ich habe meine Tochter hinten am Kindersitz und damit bis jetzt keine Probleme. Grundsätzlich fahre ich viel auf Radwegen und versuche, gefährliche Kreuzungen, wie die Ritterkreuzung am Radweg zu umfahren. Bei heiklen Stellen, wie die Panoramapark-Einfahrt, passe ich besonders auf.“ Bekannte von ihr haben zwei Buben im Radanhänger mit und trauen sich auf Straßen nicht fahren, sie benutzen hauptsächlich ebenfalls Radwege. „Als Hauptproblem für die Radfahrer sehe ich, dass die Autos zu wenig Abstand einhalten“, so Haidenwolf.

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