Trabitsch: „Kulturinteressierte sind diszipliniert!“. Kabaretts, Konzerte und Co bleiben untersagt: Vertreter der Branche aus dem Bezirk Neunkirchen zeigen sich im Gespräch äußerst verzagt.

Von Johannes Authried und Philipp Grabner. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:45)
Seit gut einem Jahr hat die Corona-Krise das Land fest im Griff. Kulturveranstaltungen – etwa hier im Arbeiterkammersaal in Neunkirchen – sind aktuell nicht möglich, die Stühle bleiben leer.
Johannes Authried/Archiv

Über den Gag des Kabarettisten lachen. Mit dem Fuß zu den Klängen des Chors wippen. Oder an den Lippen der Dichterin hängen, die aus ihrem Werk vorträgt.

All das ist seit gut einem Jahr nicht möglich – die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen machen Kulturveranstaltungen aller Art aktuell unmöglich. Die Tatsache, dass nach wie vor kein fixes Datum für ein „Wiederhochfahren“ der Branche bekannt ist, schlägt vielen Kunst- und Kulturschaffenden sowie Organisatoren gehörig auf den Magen. „Wir wollten ab März 2021 wieder durchstarten, mussten jetzt aber viele Termine absagen oder verschieben“, erzählt Harald Brawenec von „Kultur-Event-Ternitz“. Als das größte Problem bezeichnet er die Planungsunsicherheit: „Als Veranstalter fühlt man sich von der Regierung völlig im Stich gelassen. Aber wir hoffen, ab Ostern wieder zu spielen und werden auch für Sommer und Herbst wieder Veranstaltungen planen.“

Kritik an der Bundesregierung übt auch Klaus Trabitsch, freischaffender Musiker aus Prigglitz: „Theater, Lesungen, Konzerte werden verboten, während in Flugzeugen oder im Zug Menschen stundenlang nebeneinander sitzen können“, kann er so manche Regelung nicht nachvollziehen.

Die finanzielle Unterstützung reiche zum Überleben jedenfalls nicht aus, so Trabitsch: „Funktionierende Konzepte der Theater werden nicht zugelassen. Es scheint, als wären wir Künstler der Regierung mehr als egal. Kulturinteressierte sind disziplinierte Menschen, keine Saufpartien.“ Abseits dessen ärgert sich Trabitsch aber auch über jene Menschen, die sich nicht an die verordneten Maßnahmen halten: „Sie sind mitverantwortlich für die Zahlen. Nicht Bill Gates steckt uns an oder die Fledermaus, sondern wir uns selbst“, meint er. Sein Wunsch: Die „sicheren Veranstaltungskonzepte zulassen“, deren Einhaltung „streng kontrollieren“.

Für ein Öffnen mit Testungen und Co plädiert auch Fritz Kircher, Musiker und Musikschullehrer in Neunkirchen: „Ich persönlich plane schon für das Frühjahr und werde versuchen, bei entsprechendem Wetter outdoor zu spielen, wenn es drinnen noch nicht möglich sein sollte. Ich will nicht mehr verschieben und absagen!“ Ähnlich argumentiert Joe Pinkl, Musiker aus Neunkirchen. Die Branche habe bewiesen, wie gewissenhaft und professionell mit der Gesundheit von Besuchern umgegangen werde, meint er: Von Onlineveranstaltungen alleine könne jedenfalls keiner leben.

Verzweifelt zeigt sich Christian Wagner von „Kultur-Event-Ternitz“: „Was bitte sollen wir aktuell sagen? Wir wissen nicht, wann oder wie es weitergeht, wir können nur abwarten.“ Sein Nachsatz: „Positives fällt mir aktuell dazu nicht ein.“

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