Trockenheit setzte den Bauern zu. Einbußen bei Futterbau und im Grünlandbereich. Auswirkungen des Klimawandels sorgen für große Unsicherheit.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:45)
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600 bis 700 Liter Regen pro Quadratmeter verzeichnet Thomas Handler in einem Jahr durchschnittlich. Dass das erste Halbjahr 2020 ein besonders trockenes war, zeigt ein Blick auf die Niederschlagsmenge zwischen Jahresbeginn und Anfang Juni: Gerade einmal 90 Liter waren es, erklärt der Obmann der Bezirksbauernkammer im NÖN-Gespräch: „Das und die fehlende Winterfeuchtigkeit haben dazu geführt, dass im Bereich des Futterbaus und des Grünlandbereichs mehr als 50 Prozent fehlen.“ Und auch im Bereich des Ackerbaus spricht Handler, der in Thomasberg gemeinsam mit seiner Frau Barbara einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchkühen betreibt, von einem deutlichen Rückgang von ebenso bis zu 50 Prozent. Hinzu komme die große Unsicherheit vor den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft: „Das Thema ist spätestens jetzt bei allen angekommen. Viele Landwirte rufen mich an und sorgen sich ob der Zukunft ihres Betriebes“, berichtet er.

Auch die Coronakrise ging Handler zufolge nicht spurlos an der Branche vorbei. Durch den „Lockdown“ und die dadurch verbundene vorübergehende Schließung der Gastronomiebetriebe sank der Rindfleischkonsum massiv. Was zur Folge hatte, dass viele Landwirte dazu angehalten waren, ihre Rinder vorerst am Hof zu lassen, um den Markt nicht zusätzlich zu belasten. „Allerdings hat oftmals das Futter gefehlt, um die Tiere vorerst am Bauernhof zu belassen“, weiß Handler.

Zugleich erkennt er auch einen positiven Nebeneffekt aus der Coronakrise: Die Nachfrage nach regionalen Produkten sei wieder gestiegen. „Die Themen Eigenversorgung und Regionalität haben wieder an Stellenwert gewonnen, viele Menschen erkennen, dass es uns gut tut, wenn die Wertschöpfung in der Region bleibt.“ Diese Regionalität habe man auch in der Bauernkammer gelebt, meint Handler: „Den Spuckschutz haben wir im Bezirk in Auftrag gegeben – denn es beginnt mit den kleinen Dingen“, ist Handler überzeugt. Zugleich spricht er seinen Kollegen ein großes Lob aus: Für deren Kreativität und Einfallsreichtum in Zeiten der Pandemie. „Die vielen Drive-in-Heurigen sind etwa extrem gut angekommen!“

Trockenes Frühjahr führt zu Käfer-Ausbreitung

Auch Annette Glatzl aus Pitten, die die Bauernschaft aus dem Bezirk seit wenigen Wochen als Landeskammerrätin in St. Pölten vertritt, sieht große Herausforderungen auf die Betriebe zukommen. „Die Niederschlagsmenge von Jänner bis Ende Mai betrug in unserer Gegend 70 Millimeter. Dies ist ein Drittel von der Vorjahresmenge im gleichen Zeitraum“, bekräftigt Glatzl. Abseits dessen wirke sich die Trockenheit auch auf die Wälder aus: „Der warme Winter und das trockene Frühjahr begünstigen die Ausbreitung des Käfers.“ Bei der Ernte rechnet Glatzl mit großen Verlusten: „Bei der Wintergeste werden wir einen Ausfall von mindestens 50 Prozent aufgrund der Dürre haben. Bei Weizen und Wintertriticale werden wir circa 30 Prozent Ausfall haben“, erklärt sie im NÖN-Interview. Was etwa die Maisernte betrifft, könne man derzeit noch keine genauen Angaben machen.

Ihr Wunsch für die Erntesaison ist ganz klar: „Dass die Früchte nicht auch noch durch Hagel vernichtet werden oder der Sommer besonders heiß und trocken wird.“

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