Umstrittene Therapie führte vor den Richter. Arzt wegen Missbrauch des Autoritätsverhältnisses vor dem Richter. Dem Mediziner aus dem Bezirk Neunkirchen wurde eine Diversion angeboten.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 17. Februar 2021 (02:24)
Der Prozess fand am Landesgericht in Wiener Neustadt statt.
Franz Baldauf

Wegen Missbrauch seines Autoritätsverhältnisses stand ein Frauenarzt aus dem Bezirk in der Vorwoche vor Gericht. Ihm wurden von der Staatsanwaltschaft sexuelle Handlungen an einer Patientin im Rahmen einer TCM-Behandlung vorgeworfen. Der Angeklagte erklärte sich nicht schuldig und schilderte vor Gericht, dass die Frau erstmals bei ihm in der Praxis war und über Schmerzen im Unterbauch geklagt habe. Nach einer umfassenden Untersuchung, die keine organische Ursache zutage gebracht habe, habe er ihr eine TCM-Behandlung am selben Tag nach der Ordinationszeit angeboten. Er habe für die rund 45-minütige Therapie keine zusätzlichen Gebühren verlangt, weil die Frau bereits am Nachmittag für die Konsultation bezahlt habe.

Der Mediziner schilderte vor Gericht, dass er nach Akupunktur und Moxen (eine Wärmebehandlung nach TCM, Anm. d. Red.) der Frau noch den Rücken massiert und auch den Lebermeridian stimuliert habe. Dieser verläuft von den Zehen über die Gebärmutter bis zum Thorax und die Akupressurpunkte liegen teilweisen nahe dem Geschlechtsteil. „Ich habe ihr mehrmals gesagt, wenn ihr etwas unangenehm ist, soll sie es sofort sagen. Sie wirkte nicht, als hätte ihr etwas nicht gepasst.“ Die Patientin habe sich nach der Behandlung angezogen und sogar zweimal bedankt.

Dass die Frau dann Anzeige erstattet hatte, könne er sich nur damit erklären, dass sie die Behandlung missverstanden habe. Er sei gewillt, sich zu entschuldigen und auch die von der Opferanwältin geforderten 1.000 Euro wegen Verletzung der sexuellen Integrität zu bezahlen. Es habe aber keinen Übergriff von ihm gegeben, beteuerte er.

Nach der Aussage des Arztes wurde die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen, die Aussagen des Opfers dürften aber überzeugend gewesen sein. Denn dem Mann wurde zwar eine Diversion mit einer Geldbuße und Schadensgutmachung in Aussicht gestellt, aber unter der Auflage, dass er freiwillig seine Ärzteschaft zurücklegt. Der Prozess wurde vertagt, um dem Mediziner dafür Zeit zu geben.