Neunkirchen

Erstellt am 04. Dezember 2018, 03:20

von Daniel Lohninger und Christian Eplinger

Urlaub online buchen: Der Anruf wird zur Ausnahme. Zwei von drei Gästen reservieren im Internet. Aber nicht jedes Hotel ist auf booking.com und Co. zu finden.

Symbolbild  |  Von David MG, Shutterstock.com

Der Weihnachtsurlaub naht. Etwa 65 Prozent buchen ihn online, zeigt eine Umfrage in Bayern. In Österreich, darüber sind sich die Touristiker einig, ist das Verhältnis praktisch ident. Die meisten Online-Buchungen laufen dabei über die großen Plattformen wie booking.com, hotels.com oder expedia.at. Ein wesentlich geringerer Anteil bucht über die Website des Betriebes oder des Tourismusverbandes, telefonische Buchungen sind die Ausnahme.

Genau das ist die Herausforderung für die Tourismusbetriebe: Viele, vor allem kleinere Betriebe, sind auf den großen Plattformen nicht zu finden. „Die häufigsten Gründe dafür sind, dass die Anbieter kein Vertrauen in die Online-Vertriebspartner, Probleme im Umgang mit der Datenpflege oder auch Angst vor dem unbekannten Gast haben“, weiß Andreas Purt, Geschäftsführer der Tourismus-Destination Mostviertel. Die Herausforderung sei es, diese Schwellenängste abzubauen. Gelingt das nicht, drohen diesen Betrieben auf Sicht massive Probleme. „Betriebe, die nicht auf diesen Plattformen zu finden sind, werden Gäste verlieren“, ist Purt überzeugt. Das Mostviertel baut deshalb als erste Destination ein umfangreiches Vertriebsnetzwerk und Channel-Management auf, das Onlinebuchungen bei allen Betrieben ermöglichen soll.

"Sie nutzen das Internet, um sich ein Bild zu machen"

Generell gilt laut der zuständigen Landesrätin Petra Bohuslav: Größere Betriebe nutzen Online-Plattformen eher als kleine. Bohuslav gab deshalb als Ziel aus, so viele Betriebe wie möglich auf Online-Buchungsportale zu bringen. Aus diesem Grund arbeiten Niederösterreich-Werbung und Tourismusdestinationen mit dem Online-Buchungssystem „TOMAS“ zusammen. Die Kunden nutzen dieses Angebot von Jahr zu Jahr häufiger: Die Zahl der Zugriffe stieg im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 4,3 Millionen. Für Betriebe, die ein Online-Buchungssystem implementieren wollen, gibt es seit einigen Monaten zudem sogenannte Tourismus-4.0-Betriebscoaches. Sie beraten, unterstützen und schulen Betriebe bei der Digitalisierung der Buchungssysteme.

Wie viele Hotels und Pensionen in Niederösterreich nicht online gebucht werden können, lässt sich seriös nicht sagen. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Was es gibt, sind Rankings der Plattformen selbst. Und hier spielen die Bewertungen der Kunden zunehmend eine Rolle. Gute Erfahrungen damit machte das Hotel Sole-Felsen-Bad in Gmünd. Viermal in Folge wurde es beim größten deutschsprachigen Tourismusportal Holiday-Check als „Bestes Hotel Niederösterreichs“ ausgezeichnet. 50 bis 60 Prozent der etwa 40.000 Nächtigungen pro Jahr kommen mittlerweile über Online-Plattformen.

Dennoch greifen Kunden vor dem Buchen meist noch zum Telefon, betont Geschäftsführer Bernhard Strohmeier: „Sie nutzen das Internet, um sich ein Bild zu machen. Geht es um Fragen, was konkret in einem Angebot inkludiert ist oder wie groß der Andrang im Bad ist, rufen sie immer noch an.“ Manuela Kaiser vom Tourismusbüro Semmering berichtet über ähnliche Erfahrungen: „Die jungen Hoteliers schwören auf Plattformen wie booking.com. Aber auch etwas ältere Hotelbetreiber setzen zunehmend auf Online-Buchungen.“ Denn anrufen, um zu buchen, würden nur mehr Stammgäste.

Es gibt aber auch Betriebe, die bewusst auf Online-Plattformen verzichten, weiß Gabriela Hüther, die Kremser Tourismus-Chefin. Denn einen Nachteil haben booking.com und Co. schon: Sie schmälern die Gewinnspanne, da sie Provisionen für ihre Dienste kassieren.

Mitarbeit: Petra Vock, Philipp Grabner, Markus Lohninger und Anita Kiefer.

Umfrage beendet

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