Waren-Neukauf ist nicht immer notwendig. Aktion von Land, Umweltverband und Wirtschaftskammer soll Abfall vermeiden.

Von Philipp Grabner und Johannes Authried. Erstellt am 15. Oktober 2019 (03:27)
Philipp Grabner
Firmeninhaber Johann Zöger mit seinen beiden Mitarbeitern Manfred Pichler und Johannes Köglerin den Geschäftsräumlichkeiten in der Neunkirchner Herrengasse.

„Reparieren statt Wegwerfen“ – dieses Ziel verfolgt die Aktion „Reparaturbonus NÖ“. Der Sinn der Sache ist schnell erklärt: Die gemeinsame Initiative von Land, NÖ Umweltverbänden und der Wirtschaftskammer soll die Anzahl an durchgeführten Reparaturen im Land steigern. Der Kunde wird im Umkehrschluss mit 50 Prozent der Brutto-Reparaturkosten finanziell belohnt.

Bekannt für seinen Reparaturservice ist im Bezirk etwa Johann Zöger aus Neunkirchen. Der Elektrohandel in der Herrengasse, den Zöger seit Jahrzehnten erfolgreich führt, ist für viele erste Adresse, wenn es ums Reparieren geht. „Viele kommen sogar von weiter weg her, etwa auch aus dem Burgenland“, erzählt Zöger der NÖN. Weil das immer sehr gerne angenommen werde, könne er auch nicht sagen, wie viele tatsächlich die Aktion in Anspruch nehmen. Einen Typ, der eher auf eine Reparatur statt eine Neuanschaffung setze, gebe es nicht: „Das geht quer durch – tendenziell sind es vielleicht eher ältere Menschen, die etwas früher reparieren lassen. Wir haben aber auch immer wieder jüngere Leute“, berichtet Zöger. Er selbst rät auch dazu, sich einen Neukauf vorher zu überlegen: „Oft sind die alten Geräte noch brauchbar und auch die Qualität ist wesentlich besser“, weiß er aus Erfahrung.

Reparaturen sind auch bei der Neunkirchner Firma Zugsbratl sehr gefragt. „Ich bekomme am Tag an die 15 Geräte zum Reparieren“, berichtet Firmenchef Manfred Zugsbratl auf NÖN-Anfrage. „Repariert wird nach wie vor, egal ob von Jung oder Alt. Die Kunden lassen sich einen Kostenvoranschlag machen, ob sich eine Reparatur auszahlt. Und wir sind natürlich die Allerletzten, die sagen, man solle sich gleich etwas Neues kaufen“, so Zugsbratl. Die Bekanntheit der Initiative sei aber laut ihm stark ausbaufähig: „Erst ein Kunde hat diese Aktion bisher in Anspruch genommen“, sieht Zugsbratl noch deutlich Luft nach oben.

Für ÖVP-Vizelandeshauptmann Stephan Pernkopf stellt die Reparatur defekter Geräte jedenfalls eine „umweltfreundliche Alternative zu einem Neukauf dar. Es trägt wesentlich zur Abfallvermeidung und somit auch zum aktiven Klimaschutz bei“, so Pernkopf. Ins selbe Hörn stößt auch Wolfgang Ecker, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer NÖ: „Wir setzen mit dem Reparaturbonus gleichzeitig ein aktives Zeichen gegen eine Wegwerf-Gesellschaft, wie einen wertvollen Impuls für unsere Reparaturbetriebe in den Regionen. Die regionale Wertschöpfung und damit Unternehmen und Ausbildungsplätze in den Regionen werden damit gestärkt, handwerkliches Know-How in den Regionen gesichert.“ Seiner Ansicht nach werde der Reparaturbonus in NÖ bereits sehr gut angenommen – es gebe „großes und reges Interesse“, zieht Ecker zufrieden Zwischenbilanz.

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