Auslaufmodell Schulskikurs? Auf Piste wird viel gelernt. Keine Rede ist davon in HTL, HAK, NMS & Gym: Warum Wintersport hochgehalten wird.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 15. Januar 2020 (04:34)
Spaß im Schnee: Durch Schulskikurse kommen viele Kinder erstmals auf die Bretter, die die (Ski-)Welt bedeuten.
Fahrnberger

Selbst in Zeiten ohne Ski-Ass Marcel Hirscher steht das Skifahren hoch im Kurs bei Kindern und Jugendlichen. Schulskikurse gelten als begehrte Ablenkung zum Schulalltag. Die Klasse und jeder Einzelne profitiert, nicht nur wegen dem Spaßfaktor.

Die HTL Karlstein lockte die zweite und dritte Schulstufe schon vor Weihnachten auf die Piste zum Bundesschullandheim Radstadt, wo außerhalb der Saison der Schnee gegeben ist. „Mir liegt sehr viel am Sport“, setzt sich Direktor Wolfgang Hörmann dafür ein. Die Wintersportwochen fördere das Lernen dank bestimmter Gehirnaktivitäten, die Persönlichkeitsbildung, die Klassengemeinschaft und bereite auf den späteren Beruf vor.

Roland Senk: „Es ist einfach mehr, als nur ins Handy zu schauen.“
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„Man lernt, Motivation zu haben, um eine Spitzenleistung erbringen und sich voranbringen zu können“, erklärt er. „Sport ist wichtig im Leben eines jeden Menschen.“ Waidhofens Gym-Direktor Roland Senk pflichtet dem bei. „Es ist einfach mehr, als nur ins Handy zu schauen.“ Rudolf Mayer, Direktor an der HAK Waidhofen, ergänzt: „Die sportliche Betätigung kommt im Unterricht ohnehin zu kurz.“ Das sieht Hörmann genauso: „Von der täglichen Turnstunde sind wir weit entfernt.“

Die Teilnahmequote in der HTL Karlstein liegt bei 83,6 und in der HAK Waidhofen bei 70 Prozent. Das Interesse in den zweiten und dritten Gym-Klassen war laut Senk stets gleichbleibend hoch, „denn wir bieten auch ein Ausweichprogramm zum Skifahren.“ Hallenbad, Schneeschuhwandern, Kletterpark oder Volleyball sprechen auch jene an, die mit Skifahren wenig Freude haben.

„Außerdem ist es für einige Schüler einfach zu viel, den ganzen Tag auf Skiern zu stehen. Da braucht es Alternativen“, findet Senk. Dafür gebe es eine vom Elternverein finanzierte Betreuungsperson, die auch erkrankte Kinder versorgt.

Die Organisation einer Sportwoche ist nicht unbedingt leicht, sagt Hörmann: „Wir versuchen, alle Möglichkeiten zu nützen, aber die gesetzlichen Vorgaben sind sehr eingeschränkt.“ Schwierig sei, die entsprechenden Personalressourcen auf die Beine zu stellen, auch wegen der Bandbreite des Sportprogramms.

Sportstudenten als Verstärkung für HTL

Rudolf Mayer: „Sportliche Betätigung kommt im Unterricht ohnehin zu kurz.“
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Kurse werden für Skifahrer und Snowboarder in drei Könnerstufen geboten, dazu kommen Langlauf, Biathlon, Eishockey und Schneeschuhwandern. Das wäre mit dem Schulbudget alleine nicht realisierbar: „Der Elternverein hat Verständnis dafür, sodass sie uns Sportstudenten bezahlen“, sagt Hörmann.

Die NMS Waidhofen kann auf ein sehr wintersportbegeistertes Team zurückgreifen: „Wir haben sogar zu viele Lehrer und daher ein ‚Radl’ eingeführt“, erzählt Direktor Oswald Farthofer, dass man sich abwechselt. Der Skikurs sei für Schüler des sportlichen Zweiges verpflichtend, nicht für jene aus der musisch-kreativen und naturwissenschaftlichen Fachrichtung. „Das geht, weil in der zweiten Schulstufe keine anderen Projektwochen vorgesehen sind, das würde für die Eltern zu teuer.“

Die Elternvereine aller genannten Schulen gewähren Zuschüsse für Kinder aus sozial schwachen Familien. Förderungen können über Bund und Land genützt werden. „Am Geld sollte es also nicht liegen, dass ein Schüler nicht am Skikurs teilnehmen kann“, findet Senk. HTL, NMS und Gym stellen Ausrüstungen zur Verfügung, die HAK vermittelt Leihstellen.