"100 Jahre Niederösterreich": Schrauben und Muttern

Erstellt am 13. Juni 2022 | 05:49
Lesezeit: 3 Min
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Auf diesem um 1960 entstandenen Luftbild erkennt man am oberen Bildrand in unmittelbarer Nähe zum Zentrum die ausgedehnten Fabriksanlagen.
Foto: Städtisches Museum Neunkirchen
Die Brevillier&Urban-Schraubenfabrik prägte wie keine andere der zahlreichen Fabriken die Stadt Neunkirchen.
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Nachdem die Ursprünge der industriellen Entwicklung in Neunkirchen in der Textilindustrie gelegen waren, wurde die Schraubenfabrik zum Sinnbild der Industrie in der Stadt.

Die Ursprünge dieser Fabrik gehen auf das Jahr 1823 zurück, als Carl Willhelm Brevillier, Direktor der Baumwollspinnerei, begann, Holzschrauben zu produzieren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Werk unter Direktor Alexander von Willburger massiv erweitert, auch die Produktpalette wuchs und umfasste nun Schrauben, Muttern, Nieten, Scharniere und Befestigungselemente jeglicher Art. Unter Willburger wurde auch die Bleistiftproduktion, die es heute noch als „Brevillier Urban & Sachs“ in Hirm im Burgenland gibt, in Graz aufgenommen.

1900 fusionierte die Neunkirchner Schraubenfabrik Brevillier mit der Wiener Firma Urban und so entstand der Name „Brevillier&Urban“ (im Volksmund „B&U“genannt), der offizielle Name lautete „Schrauben-, Schmiedewaren- und Bleistiftfabriks-Aktiengesellschaft Brevillier&Co und A. Urban&Söhne“. Die Firma entwickelte sich sehr gut, 1912 wurde die zum Schoeller-Konzern gehörige Metallwarenfabrik in der Postgasse gekauft, das nachmalige „Werk II“. Zu dieser Zeit war „B&U“ einer der führenden Konzerne in der Monarchie.

Rüstungsproduktion im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg brachte die Umstellung auf Rüstungsproduktion und alleine in Neunkirchen arbeiteten über 4.000 Menschen für „Brevillier&Urban“. Die Nachkriegszeit konnte der Konzern besser meistern als die Textilbetriebe der Stadt, so wurden Firmen in den Nachfolgestaaten der Monarchie übernommen, um dort weiter präsent zu sein. Doch die Belegschaft in Neunkirchen sank bis 1938 auf 900. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden Rüstungsgüter produziert, wobei auch bei „B&U“ viele Zwangsarbeiter beschäftigt wurden.

Trotz Bombenschäden, besonders stark war das Werk II betroffen, begann man bereits im Juni 1945 wieder mit der Produktion und in den nächsten Jahrzehnten trat ein Aufschwung ein, der allerdings jäh endete: Der Maschinenpark erwies sich als überaltert und auch Tochterfirmen im Ausland schrieben starke Verluste. „Brevillier&Urban“ wurde dadurch auch zum Spielball von Investoren, die aber eher den schnellen Gewinn als die nachhaltige Entwicklung im Auge hatten. So ging der Konzern 1982 in den Ausgleich, dem 1983 der Konkurs folgte. Als Auffanggesellschaft wurde auf Betreiben der Stadt Neunkirchen die „Neunkirchner Schraubenwerke GmbH“, kurz „NSW“, gegründet, die wiederum 1987 an die bulgarische Mineralölbank verkauft wurde, welche vor allem ein Standbein im Westen suchte. 1992 stell5e sie die Produktion endgültig ein und 1996 war auch der Handelsbetrieb am Werksgelände Geschichte.

1998 kaufte die Stadt das Gelände und nach Diskussionen ist heute auf dem Gelände neben dem ehemaligen Verwaltungsgebäude und dem Kesselhaus ein Einkaufszentrum.

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