Ternitz

Erstellt am 19. Januar 2017, 05:00

von Andreas Fussi

Promi-Ternitzer wurde zum „Wut-Schreiber“. Klaus Woltron aus Ternitz wendet sich öffentlich an die Obleute der Koalitionsparteien. Große Resonanz auf sein Schreiben.

Klaus Woltron.  |  privat

Der Ternitzer Ex-Manager und Autor Klaus Woltron erregt mit einem „Offenen Brief“ an die Parteiobleute der Koalitionsparteien große Aufmerksamkeit. Der Text im Web (unter http://bit.ly/OffenBrief) wurde bis Freitag 1.100 Mal abgerufen sowie auf Facebook und Twitter zahllose Male verteilt.

"Viele trauen sich nicht Sorgen anzusprechen"

Die Resonanz habe ihn überrascht – „sowohl im enormen Umfang als auch im Prozentsatz der uneingeschränkten Zustimmung.“ Viele hätten ihm gratuliert. Kommentare im Onlineforum der Tageszeitung „Der Standard“ waren laut Woltron „teils zustimmend, teils wütend negativ bis hin zu unqualifizierten, wie dort üblich, anonym geposteten, Untergriffen.“

In seinem Brief beschreibt der Ternitzer, warum seine Einstellung als ehemals „selbstbewusster, stolzer Bürger Österreichs“ in den letzten Jahren „einer tief gehenden Skepsis und Frustration gewichen“ sei. Er habe den Brief geschrieben, „weil ich das Gefühl habe, als Älterer und Erfahrener Verantwortung für meine Nachkommen und deren Zeitgenossen zu haben und viele sich nicht trauen, ihre Sorgen auszusprechen.“ Sie hätten „Angst, vom Mainstream der veröffentlichten Meinungen existenzielle Nachteile davonzutragen. Diese Angst habe ich nicht, weil ich ein vollkommen freier Mensch bin.“

Antwort von Wirtschaftskammerpräsident Leitl

Als einziger habe bislang Wirtschaftskammerpräsident Leitl geantwortet, sagt Woltron: „Freundlich und unbestimmt, offensichtliche Auftragsarbeit von einem Mitarbeiter.“ Sonst meldete sich keiner. Totschweigen sei aber „ein im Web–Zeitalter untaugliches Verfahren“.

Woltron empfiehlt: „Jeder sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten in sachlicher, aber eindringlicher Form artikulieren, was ihm nicht gefällt und was aus seiner Sicht getan werden sollte.“ Unqualifizierte Wut-Postings seien aber „kontraproduktiv, inflationär und auch langweilig“. Und obwohl es ihm viele nahelegen, denke er nicht daran, eine eigene Partei zu gründen, so Woltron. „Es gibt mehr als genug Parteien in Österreich. Man muss diese auf das optimale Gleis bringen, und nicht ununterbrochen von vorne beginnen.“