Kontrollen im Bezirk Neunkirchen führten zu Ansturm. Bis dato mehr als 500 Beanstandungen, aber keine Anzeigen. Viele Teststationen überlastet. Ein NÖN.at-Rückblick auf die vergangene Woche.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 31. März 2021 (05:59)

Noch wenige Tage zuvor hatte Bezirkshauptfrau Alexandra Grabner-Fritz eindringlich vor der Situation gewarnt – so die Zahlen im Bezirk nicht markant zurückgehen würden, drohe Neunkirchen ein ähnliches Szenario wie Wiener Neustadt. Mittwochabend schließlich hatten es die 44 Bezirksgemeinden schwarz auf weiß: Neunkirchen gilt als Hochinzidenzgebiet – wer den Bezirk verlässt, benötigt nun einen negativen Covid-19-Test.

Die Verordnung selbst geht auf einen Erlass des Gesundheitsministeriums zurück: Demnach sind diese Maßnahmen zu setzen, wenn die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz eine Woche lang über einem Wert von 400 liegt. Am Mittwoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut dem Dashboard der Österreichischen Agentur für Gesundheit, kurz AGES, sogar bei 508,4.

Seit Donnerstag werden die neuen Regeln kontrolliert.
Barta, Barta

Bereits Donnerstagfrüh wurden die neuen Bestimmungen in die Tat umgesetzt – für viele auch überraschend, wie Neunkirchens Bezirkspolizeikommandant, Oberstleutnant Johann Neumüller im NÖN-Gespräch darlegt. „Im Vorfeld war das Thema medial ja schon sehr präsent, dass ein solcher Fall eintreten könnte. Aber natürlich gab es da oder dort auch ein wenig Unwissenheit.“ Dass man bei den Kontrollen aber auf die Verhältnismäßigkeit achte, sei nicht nur der Polizei, sondern auch der Behörde ein großes Anliegen gewesen, so Neumüller: „Natürlich müssen wir kontrollieren, schließlich geht es um unser Gesundheitssystem. Aber mit Augenmaß und Vernunft.“ Anzeigen habe es – Stand Redaktionsschluss am Montag – noch keine gegeben, insgesamt wurden 505 Ausreiseverweigerungen ausgesprochen. „Die Menschen wurden auf die Bestimmungen aufmerksam gemacht und zur nächsten Teststraße geschickt“, konkretisiert Neumüller. Lag die Anzahl der Beanstandungen am Donnerstag noch bei 407, wurden am Sonntag nur mehr 32 gezählt. Am Freitag lag die Zahl lediglich bei 18, am Samstag gab es 48 Zurückweisungen.

Lange Schlangen vor den Teststationen

Mit den neuen Bestimmungen einher ging gegen Ende der Woche der Run auf die Corona-Teststationen: In der Bezirkshauptstadt wurden am Donnerstag 2.500, am Freitag 1.250 und am Sonntag 1.150 Personen getestet. Zahlen, die schlicht den Rahmen gesprengt hätten, so Bürgermeister Herbert Osterbauer (ÖVP), der sich nach Kritik an zu langen Wartezeiten via Facebook an die Öffentlichkeit gewandt hatte.

Er verstehe den Unmut, wisse aber auch, dass die Helfer am Limit gewesen seien. Und Osterbauer ging in die Offensive: „Daher lade ich alle ein, welche dauernd die Testungen kritisieren, sich zu melden und zu zeigen, wie es besser funktioniert.“ Die Bezirkshauptmannschaft und die Exekutive verwiesen am Wochenende – nachdem sogar die Polizei beim Erholungszentrum die Situation im Auge behalten musste – darauf, dass für die Ausreisebeschränkungen diverse Ausnahmen gelten. „Man kann auch nach Wiener Neustadt ausreisen, um sich dort testen zu lassen. Das haben wir vielen Autofahrern auch so gesagt“, so Oberstleutnant Neumüller.

Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Bezirkshauptmannschaft übrigens bei 378,7. Außer Kraft gesetzt wird die Verordnung aber erst dann, wenn die Sieben-Tages-Inzidenz zehn Tage lang unter 200 liegt.