Reichenau: Wenn ein Ort still steht. Die meisten Infizierten gibt es in der 2.500-Seelen- Gemeinde Reichenau. Hunderte Personen befinden sich in Quarantäne.

Von Tanja Barta. Erstellt am 24. März 2020 (05:11)
Die Straßen sind leer. Vor den Supermärkten stehen nur vereinzelt Autos.
Tanja Barta

260 Personen in Quarantäne, 25 Personen haben sich, Stand Sonntagnachmittag, mit dem Coronavirus infiziert: Die Gemeinde Reichenau an der Rax ist seit den vergangenen Tagen der Corona-Hotspot des Bezirks. Auch Reichenaus ÖVP-Bürgermeister Johann Döller selbst ist vom Virus betroffen.

Die ersten Infizierten

Der allererste Corona-Patient aus dem Bezirk kam zwar aus Grafenbach-St. Valentin, doch danach stieg in Reichenau, vor allem im Ortsteil Prein, die Zahl der Infizierten schnell an. Derzeit (Stand Sonntag, 22. März) gibt es in der Marktgemeinde Reichenau insgesamt 25 Infizierte.

Ortschef in Quarantäne

Freiwillig abgeschottet hat sich ÖVP-Bürgermeister Johann Döller, nachdem er erfuhr, Kontakt mit einer Infizierten gehabt zu haben. Seit wenigen Tagen weiß er allerdings, dass auch er vom Coronavirus nicht verschont geblieben ist. „Ich habe nur einen leichten Schnupfen und Husten. Fieber habe ich keines“, zeigt ÖVP-Ortschef Döller keine großen Symptome des Virus. Nachdem es sich bei der Infizierten um eine Gemeinderätin handelt, stehen nun auch der gesamte Gemeinderat, der Amtsleiter sowie Mitarbeiter des Bauhofs bereits seit einigen Tagen unter Quarantäne. Denn kurz vor Bekanntwerden des positiven Falles gab es in Reichenau noch die konstituierende Sitzung des Gemeinderates.

Tanja Barta

Zwei Gemeinden in Quarantäne?

In den letzten Tagen wurde auch immer wieder über eine generelle Quarantäne für Payerbach und Reichenau nach dem Vorbild von Ischgl diskutiert. Bis dato wurde jedoch nicht beschlossen, diese Maßnahmen auch wirklich umzusetzen. „Gott sei Dank muss ich das nicht entscheiden. Aber derzeit ist es bei uns noch nicht so schlimm, dass wir diese Maßnahmen brauchen“, so ÖVP-Bürgermeister Döller. Über eine komplette Quarantäne der beiden Gemeinden entscheidet übrigens das Land.

Das Leben in Reichenau

Im Kern des Gemeindegebiets sieht man kaum Menschen. Lediglich vor den Supermärkten stehen sehr wenige Autos. „Soweit ich es von anderen mithöre, ich bin ja logischerweise nur zu Hause, halten sich die Bürger an die Maßnahmen der Regierung“, so Döller.

Solidarität

Wie man in schweren Zeiten zusammenhält, stellt auch Reichenau unter Beweis. So hat die Unternehmerfamilie Uher ein Lieferservice für die Risikogruppen sowie Personen, die sich in Quarantäne befinden, eingerichtet. Bestellungen werden unter astrid.uher@spar-uher.com oder 02666/53158 angenommen und bis zur Haustüre geliefert. Das Gasthaus Oberer Eggl bringt zudem samstags und sonntags Mittagsmenü bis vor die Haustüre (0664/4041641). „Aber auch die Nachbarschaftshilfe im privaten Bereich ist ganz groß“, lobt Döller.