Corona, Migration, Korruption: FPÖ-Chef holte zum Rundumschlag aus

Gemeinsam mit Generalsekretär Michael Schnedlitz und FPÖ NÖ-Obmann Udo Landbauer stattete der Bundesparteiobmann der Freiheitlichen, Herbert Kickl, am Samstagnachmittag der Gemeinde Feistritz am Wechsel einen Besuch ab. In seiner Rede vor Sympathisanten, Funktionären und Fans vor dem Gasthof „Burgkeller“ hagelte es vor allem Kritik an der Corona-Politik der türkis-grünen Bundesregierung.

Erstellt am 24. Oktober 2021 | 15:12

Es dauerte eine Weile, bis Herbert Kickl sich bis zur Bühne vorgekämpft hatte – gemeinsam mit Generalsekretär Michael Schnedlitz und NÖ Landesparteiobmann Udo Landbauer erfüllte der FPÖ-Chef dutzende Selfiewünsche, ehe kurz nach 16 Uhr das offizielle Programm vor dem Gasthof „Burgkeller“ begann. Den „Einpeitscher“ gab Niederösterreichs FPÖ-Obmann Landbauer – in seinen Eingangsworten bezeichnete er Feistritz am Wechsel als „eines der letzten gallischen Dörfer mitten in Absurdistan“. Landbauer führte das darauf zurück, dass „weder Babyelefant noch Maske“ zu sehen seien. Im Freien sei das auch nicht nötig, befand Landbauer, das sage einem „der Hausverstand“. Folglich übte der Wiener Neustädter heftige Kritik an den jüngsten Corona-Regeln der Bundesregierung. „Wer kennt sich da noch aus“, meinte Landbauer mit Blick auf den jüngst präsentierten neuen Stufenplan, um sich die Frage gleich darauf selbst zu beantworten: „Niemand kennt sich mehr aus, ich will mich auch gar nicht auskennen und ich werde mich daran auch nicht halten!“ Hart ins Gericht ging Landbauer auch mit ÖVP NÖ-Obfrau, Landeshauptfrau Mikl-Leitner. Sie fahre „das schärfste Impfregime in ganz Österreich“ und lenke damit „von Basti Fantasti, ihrem Ziehsohn“, ab, polterte Landbauer mit Blick auf die innenpolitischen Turbulenzen rund um Altkanzler Sebastian Kurz.

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Kickl wurde mit viel Applaus empfangen
Philipp Grabner

Höhnische Bemerkungen für Minister & Co

Landbauer leitete über zu Generalsekretär Michael Schnedlitz, ebenso ein Wiener Neustädter. Und auch er sparte nicht mit deftigen Ansagen. In Bezug auf die Corona-Politik der Regierung sprach er von „Angstmachpolitik“, die Impfung bezeichnete er als „Rohrkrepierer“, um gleich daraufhin klarzustellen: „Ich bin auch nicht geimpft, mein Körper gehört mir, und nicht Mikl-Leitner, Kurz oder sonst wem!“ Kritik gab es – wenig überraschend – auch an den Medien. Diese würden die FPÖ nämlich „immer ein wenig anders darstellen“, als sie eigentlich sei, zeigte sich Schnedlitz überzeugt.

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Generalsekretär Michael Schnedlitz bei seiner Rede in Feistritz.
Philipp Grabner

Begleitet von „Herbert! Herbert!“-Rufen holte schließlich FPÖ-Bundesparteichef Herbert Kickl auf der Bühne zum verbalen Rundumschlag aus. Er sprach von „Volksverrätern statt Volksvertretern im Parlament“, von SPÖ-Politikern, die mittlerweile mit „Servus, Komplize“ anstatt mit „Servus, Genosse“ grüßen würden und von den Landeshauptleuten, die er gar als „idiotische Figuren“ bezeichnete. Kritik und höhnische Bemerkungen hatte Kickl nicht nur für etliche Minister parat, sondern vor allem auch für Ex-Kanzler Kurz. Sein Vor-Vorgänger HC Strache sei gegen Kurz „ein Ehrenmann“ gewesen, so Kickl in Richtung seiner Fans: „Strache hat besoffen fantasiert, Kurz hat nüchtern getan!“ Auch der kleine Koalitionspartner wurde von Kickl nicht ausgelassen – die Grünen bezeichnete der FPÖ-Chef als „die Lemurentruppe rund um Werner Kogler“. Und nicht zuletzt wetterte Kickl gegen den Bundespräsidenten („Teil des Systems“), gegen die Medien sowie gegen „die Asylanten“. Dass die Corona-Lage tatsächlich ernst und die Impfung die Lösung aus der Pandemie sei, zweifelte Kickl offen stark an: „Das Zeug funktioniert nicht“, so Kickl.

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FPÖ-Partei- und Klubobmann Herbert Kickl holte zum verbalen Rundumschlag aus.
Philipp Grabner

Bezirks-ÖVP wies Vorwürfe zurück

Etwas kryptisch hatte FPÖ-Generalsekretär Schnedlitz zur Beginn der Veranstaltung in Richtung der FPÖ-Fans gemeint, dass im Vorfeld versucht worden sei, die Versammlung „zu verhindern“. Konkret hatte Schnedlitz gemeint, dass „auch ein Bürgermeister“ das Event nicht habe unterbinden können. NÖN.at konfrontierte danach Landtagsabgeordneten Jürgen Handler, der bei der Veranstaltung die eröffnenden Worte gesprochen hatte, mit Schnedlitz’ Aussage. Handler relativierte schließlich: Verhindern habe die Veranstaltung niemand wollen, die ÖVP habe aber „von oben dagegen Stimmung gemacht“, so Handler. Was Bürgermeister Franz Sinabel (ÖVP) gegenüber NÖN.at scharf zurückwies: „Das ist die Unwahrheit. Es gab einzig Bedenken wegen der Sicherheit, da die Veranstaltung neben der Landesstraße stattfand, von Verboten kann aber keine Rede sein.“ Im Übrigen seien die Bedenken gemeinsam mit der BH besprochen worden, so Sinabel.

 Stimmungsmache wies auch ÖVP-Bezirksparteiobmann Hermann Hauer kategorisch zurück: „Offensichtlich versucht die FPÖ mit solchen Aussagen, Aufmerksamkeit zu erregen“, er müsse das „zur Kenntnis nehmen“, so Hauer auf Anfrage.