Bezirk Neunkirchen: Mit Coronavirus gedroht!. Leer geräumte Regale, abgesagte Konzerte und kein Weihwasser: Einschnitte in allen Lebenslagen.

Von Christian Feigl, Tanja Barta und Philipp Grabner. Erstellt am 03. März 2020 (05:36)
Vor allem im Bereich der Fertiggerichte waren die Regale im Eurospar Steinberger in kurzer Zeit leer geräumt.
Barta, Feigl

Dass die Coronasorge mitunter auch skurrile Blüten treibt und in alle Lebensbereiche hineinspielt, wurde in der Vorwoche auch im Bezirk Neunkirchen rasch recht deutlich.

Mit Virus gedroht

Weil ein offensichtlich verwirrter Lette am Mittwochabend bei seinem Besuch im Drogeriemarkt Müller in Neunkirchen drohte, die Kunden mit dem Coronavirus zu infizieren, kam es zu einem aufsehenerregenden Polizeieinsatz. Verstärkt hatte der 33-Jährige seine Drohungen, indem er versuchte, Personen anzuhusten und herumschrie, das Virus in sich zu tragen. Auch gegenüber den Polizisten verhielt er sich aggressiv und musste schließlich verhaftet werden. „Offensichtlich eine psychische Störung, Überprüfungen ergaben rasch, dass er nicht infiziert war“, so Bezirkspolizeikommandant Johann Neumüller. Der Lette wurde in die Psychiatrie gebracht.

Kein Weihwasser, keine Mundkommunion

Auch vor der Kirche macht das Virus nicht halt.

In der Neunkirchner Stadtpfarre wird auf Weihwasser verzichtet.
NOEN

So gibt es in der Neunkirchner Stadtpfarre aktuell kein Weihwasser und bei den Messen wurde auf die Mundkommunion verzichtet: „Wir haben die Menschen vorher darauf hingewiesen und auch Informationszettel in der Kirche angebracht“, so Stadtpfarrer Bernard Springer. Das Ganze passiere nicht auf Eigeninitiative, sondern auf Empfehlung der Diözese und Experten, ersucht er um Verständnis.

Chorauftritt abgesagt

Im Mai hätte ein Chor mit japanischen Jugendlichen einen großen Auftritt in Neunkirchen gehabt. „Wegen des Coronavirus haben die Eltern sich gegen die Europareise ihrer Kinder entschieden. Ich verstehe das“, so Bürgermeister Herbert Osterbauer. Das Konzert dürfte allerdings ersatzlos gestrichen werden.

Leere Regale

Auch die Lebensmittelindustrie spürt die Auswirkungen: „In den letzten Tagen ist es auch in unseren beiden Eurospar-Märkten zu Ausverkaufssituationen gekommen. Angefangen von Bohnen oder Linsen in Dosen, sowie bei Reis, Mehl und Fertiggerichten, wie zum Beispiel Gulasch- oder Bohnensuppen, wurden die Regale innerhalb kurzer Zeit regelrecht leer gefegt. Ebenso gibt es einen Hype bei Handdesinfektion“, weiß Unternehmer Hans Steinberger.

Hans Steinberger spricht von „Ausverkaufssituationen“ in seinen beiden Neunkirchner Spar-Märkten.
Feigl

Von Hamsterkäufen zu sprechen, findet er allerdings übertrieben. „Nur ganz wenige Kunden haben sich einen Zwei- oder Dreiwochen-Vorrat mit nach Hause genommen. Die meisten kaufen einfach mehr von diesen Grundlebensmitteln. Aber dieses veränderte Einkaufsverhalten reicht schon, um vieles aus dem Lot zu bringen.“ Das liege an der heute üblichen automatisierten Lagerbewirtschaftung mit minimalen Lagermengen. Es werde „Just-in-Time“ gearbeitet. „Erst wenn die Ware gebraucht wird, wird sie produziert und geliefert. Ein großes Vorratslager kann sich weder ein Produzent noch ein Händler leisten. Daher sind solche Verkaufsspitzen kurzfristig kaum abzufedern“, so Steinberger.

Er beruhigt: „Sobald sich alle auf die höheren Ausgangsmengen bei den genannten Produkten eingestellt haben, wird sich die Lage auch bei den genannten Produkten wieder etwas beruhigen.“

Geschäftsbeziehung leidet

Mit großer Ungewissheit beobachtet aktuell auch FWT-Geschäftsführer Günther Kautz die Lage in Italien. Der internationale Walzenhersteller aus Neunkirchen hat in Norditalien kürzlich eine Anlage erworben, die eigentlich abgebaut gehört. „Aber nachdem sie dem dortigen Geschäftsführer sogar den Zutritt im Partnerwerk in Neapel verwehrt haben, weiß ich nicht, wie sich die Lage entwickeln wird, ob und wann wir hinunterfahren können“, so Kautz.

St. Corona-Witze

Der Coronavirus sorgt auch dafür, dass St. Corona am Wechsel in den sozialen Medien in aller Munde ist. Zuletzt nahm sogar Hitradio Ö3 im Comedy-Wochenrückblick die kleine Feistritztalgemeinde aufs Korn – die aber mit dem Virus an sich natürlich gar nichts zu tun hat. Von den Witzen kann auch ÖVP-Vizebürgermeister Gerald Bachler ein Lied singen: „Wir sind sehr oft mit diesen Anspielungen konfrontiert – das geht oft Hand in Hand mit den Vergleichen mit dem Corona-Bier“, erzählt er. Auch bekomme er oft WhatsApp-Meldungen zu dem Thema, „aber wir haben hier keinen Virus, nur frische Luft“, so Bachler.

Umfrage Neunkirchen

  • Wie beeinflusst das Coronavirus Euer Einkaufsverhalten?