Das Glück kann man sich selbst machen. In Kooperation mit NÖN.at gibt die psychologische Beraterin aus Pottschach, Ursi Mohr, während der Coronakrise verschiedenste Tipps rund um die psychische und soziale Gesundheit.

Von Tanja Barta. Erstellt am 03. Mai 2020 (16:22)
Ursi Mohr ist psychologische Beraterin.
zVg

Tipp 3: Psychische und soziale Gesundheit – wir bezeichnen das manchmal auch als „Glück“ - ist die wichtigste Grundlage zur Erhaltung unserer Handlungs- und Arbeitsfähigkeit. Dafür ist es wichtig, mir bewusst zu werden, dass man sich dieses Glück selber machen kann.  

Wie das geht? Zuerst darf ich erkennen, dass ich aus einer kritischen Situation (Problem) vor allem dann herauskomme, wenn ich mich dazu entscheide, selber etwas für dieses Herauskommen zu tun. Denn ich bin der der einzige Mensch in meinem Leben, der wirklich dafür sorgen kann, dass eine Veränderung passiert. Dies so sehen zu können, ist aus meiner Erfahrung der allerwichtigste Schritt für ein glücklicheres Leben, so wird meine „Selbstwirksamkeit“ erhöht. 

Jetzt könnte man sagen: Das ist leichter gesagt, als getan. Ja, stimmt! Aber, es geht! Es gilt auch da: Übung macht den Meister!

Energie besser nutzen

Wir erleben zur Zeit jeden Tag immer mehr Zorn und Wut – viele negative Emotionen - und dazu noch eine Menge ganz seltsamer Verschwörungstheorien, die unsere Angst noch verstärken sollen.
All diese Emotionen sind berechtigt und okay. Jedoch wird dabei enorm viel notwendige Energie verschwendet. Energie, die wir für etwas Wichtigeres nutzen könnten – für uns. 

Wir wissen alle, wie leicht es ist zu sagen: „Die Regierung ist schuld an meinem momentanen Zustand. Der Partner ist schuld an meinem Unglück. Die Lehrerin oder der Chef tut dies und und jenes und darum geht es mir jetzt so schlecht." Ja, das ist eine mögliche Reaktion. Aber wie lange wird es dauern, bis dieser „Schuldige“ sein Verhalten ändert? Wie lange wird es dauern, bis durch seine Veränderung mein Glück größer wird? Da könnte es sein, dass ich lange warten muss. 

Wenn ich auf Veränderung hoffe, ohne selbst etwas dafür zu tun, ist das wie am Bahnhof zu stehen und auf das Schiff zu warten, auf dem ich die lang ersehnte Kreuzfahrt in die Karibik machen wollte. Da werde ich auch lange warten müssen.

Warten und hoffen beenden

Ich wähle und entscheide mich bewusst, wie ich auf eine Situation und „die Umstände“ reagiere. Durch diese bewusste Wahl werde ich wirksam. Wir treffen immer eine Wahl bzw. Entscheidung, nur meistens völlig unbewusst oder aus Urängsten heraus und dann erweist sich diese Entscheidung oft als falsch. Daher dürfen wir lernen, dass wir eine Wahl ganz bewusst treffen können. Vor allem die Wahl darüber, wie ich auf eine aktuelle Lebenssituation reagiere.  

Ein Beispiel: Ich habe irgendwann eine Partnerwahl getroffen. Jetzt stellt sich heraus: Diese Wahl hat sich für mich vielleicht als wenig optimal heraus stellt, weil ich unglücklich bin, weil ich unter guter Beziehung etwas ganz anderes verstehe,
weil ich es vielleicht auch nicht schaffe, mit meinem Partner offen und ehrlich zu sein und vieles mehr. Es gibt jetzt mindestens zwei Möglichkeiten, wie ich auf diese Situation reagieren kann:

Möglichkeit 1: Ich schimpfe jeden Tag auf meinen Partner oder streite mit ihm. Ich sage ihm, was er/sie alles falsch macht, was er/sie tun oder unterlassen soll, damit es mir besser geht. Kurz: Ich mache meinen Partner für mein Unglück verantwortlich.
Das ist einfach, aber es kostet mich enorm viel Energie, es zieht mich „runter“, meine Stimmung wird immer schlechter. Betreibt man das zu lange, kommt es im Körper zu ungesunden Spannungen, die zum Beispiel durch zu hohen Blutdruck sichtbar werden oder durch Zorn und Wut. Oder durch Kopfweh oder andere körperliche Symptome. Manch einer greift dann auch vermehrt zu Alkohol, um diese Spannungen abzubauen. Oder es kommt zu depressiven Reaktionen, hin bis zur Depression. So entsteht Starre und somit vermehrt Handlungs-Unfähigkeit (Arbeitsunfähigkeit). Der Teufelskreis beginnt sich zu drehen.

Möglichkeit 2: Ich stoppe die Eigenproduktion der schlechten Stimmung und setze mich bewusst mit der Situation auseinander. Das heißt, ich verändere meine Reaktion.
Und das ist der Moment, in dem die Veränderung schon beginnt...  

Veränderung in vier Schritten erkennen

  • Situation annehmen: Zuerst erkenne ich an: Ja, ich habe vielleicht eine falsche Partnerwahl getroffen. Oder: Ja, in unserer Beziehung haben wir große Kommunikationsprobleme. Oder: Ja, ich sehe, dass es eine Veränderung braucht, um wieder glücklich sein zu können. Dann nehme ich die Situation an: Ja, das ist jetzt  unangenehm, schmerzvoll bis vielleicht sogar unerträglich! Ja, ich habe mir das ganz anders vorgestellt und anders gewünscht. Aber: Es ist jetzt so!
  • Ressourcen erkennen: Ich frage mich: was kann ich tun, damit diese Situation anders wird? Damit ich vielleicht wieder glücklicher werde? Damit meine Beziehung wieder besser wird? (Achtung: Ich brauche dabei noch kein Lösungen erkennen oder gar festlegen)
    Ich suche nach Ressourcen: Menschen (Freunde; Berater,..) mit denen ich ehrlich und offen über meine (Beziehungs)Probleme reden könnte. Oder ich hole mir Informationen über öffentliche Hilfsangebote. Oder ich suche mir jemanden als Unterstützung, von dem ich weiß, dass er gut darin ist, mit schwierigen Beziehungssituationen umzugehen. Reden hilft, Reden rettet!
    Es gilt bei uns noch immer als Schande oder Schwäche, wenn ich jemanden um Hilfe bitte. Aber das ist falsch. Richtig ist: Ich zeige Stärke, wenn ich den Mut habe, jemanden um Hilfe zu bitten und ich zeige Mut, wenn ich mit jemanden offen und ehrlich über meine schwierige Situation rede. Reden stärkt vor allem ihre psychische Gesundheit: Denn es erleichtert , es lockert körperliche Verspannungen (die Angst wird kleiner, der Zorn wird weniger, der Blutdruck wird niedriger, usw). Nicht umsonst heißt es: geteiltes Leid ist halbes Leid.  
  • Darstellen der möglichen Lösungen: Das Reden mit anderen Menschen über eine Situation macht sichtbar, was ich alleine nicht erkannt hätte. Das bedeutet, in dieser Phase beginne ich, mit den „gefunden Ressourcen“ über Lösungsmöglichkeiten zu reden, Wege zu finden, was ich tun kann, um die Situation zu verändern.
    Am besten halte ich diese Ideen schriftlich oder zeichnerisch fest, so mache ich diese entdeckten Möglichkeiten wortwörtlich sichtbar. So hole ich mir andere/neue Sichtweisen in mein Leben, ich halte sie mir „vor Augen“. Meine Erfahrung mit meinen Klienten zeigt mir, dass dieses Sichtbarmachen enorm hilft, Ordnung ins gefühlte Chaos zu bringen. (Achtung, wir sind noch immer nicht beim Lösung finden oder Entscheidung treffen!).  
  • Entscheidungen treffen und umsetzen: Nach dem ich alle momentan entdeckten Lösungsideen vor mir habe, kann ich damit beginnen, zu bewerten, welche davon für mich passt und welche nicht.
    Die nicht passenden könnte ich z.B. zeichnerisch gleich durchstreichen. Am Ende bleibt eine Möglichkeit über, für die ich mich bewusst entscheide, die ich wähle. Dann kann ich mit dem Umsetzen beginnen. Auch dabei könnte ich die im Schritt 2 gefundenen Ressourcen (Menschen) um Unterstützung bitten. Oder ich suche Menschen (Berater), die mich bei der Umsetzung begleiten und mich ermutigen, meinen Weg weiter zu gehen, bis ich mein Ziel erreicht habe. Dadurch bewirke ich eine enorme Veränderung meiner Lebenssituation. Ich habe selbst die Verantwortung dafür übernommen, ich stärke meine Selbstwirksamkeit.
    Als „Nebenprodukt“ entsteht eine neu erlebte Freiheit, die mir das Gefühl gibt, der Kapitän auf meinem Lebensschiff zu sein und nicht nur der Ruderer. Am Ende des Tages habe ich mein Glück selbst gemacht. 

Üben Sie zu wählen, wählen Sie! Und entscheiden Sie sich dafür, Ihr Glück selbst zu machen!
Probieren Sie es aus! Sie werden staunen, was das mit Ihnen macht! 

Schreiben Sie mir, wenn Sie Fragen haben, ich freu mich drauf: office@ursimohr.at

Ich widme diesen Artikel in Liebe, Dankbarkeit und großer Wertschätzung meiner Tochter und meiner besonderen Freundin S. !

Ihre Ursi Mohr (Die Männerberaterin, Schwerpunkt Beziehungs- und Krisenberatung)