Stadt Neunkirchen: Gewerkschaft soll zahlen

Stadtgemeinde sieht auch Interessensvertretung in der Schuld und fordert knapp 300.000 Euro zurück. Gegenseite argumentiert damit, selbst Geschädigter zu sein.

Christian Feigl
Christian Feigl Erstellt am 06. Oktober 2021 | 05:17

Seit der Vorwoche ist der Finanzskandal in der Gemeinde um eine Facette reicher. Nachdem eine Rathaus-Mitarbeiterin in den vergangenen sieben Jahren fast 300.000 Euro unbemerkt vom Stadtkonto abgezweigt haben soll, stellte die Stadt nun auch eine Schadensforderung an die Gewerkschaft: Weil die besagte Mitarbeiterin laut Ansicht der Stadt über das Gewerkschaftskonto ihre kriminellen Machenschaften abwickelte.

„Ja, es stimmt, dass wir ein anwaltliches Schreiben mit der Forderung zur Schadenswiedergutmachung an die Gewerkschaft geschickt haben“, bestätigt ÖVP-Bürgermeister Herbert Osterbauer eine entsprechende Anfrage der NÖN: „Die Mitarbeiterin hat ja das Stadtgeld dorthin überwiesen und auf ihr Konto weiterverteilt. Da es ja unser Geld war, dass vom dortigen Konto weiterüberwiesen wurde, sind wir der Ansicht, dass auch die Gewerkschaft den Schaden wieder gut zu machen hat.“

Ein Versuch, den Personalvertreter Harald Nemeth zwar versteht, aber eher milde belächelt: „Obwohl ich eigentlich nicht damit gerechnet habe, ist das Vorgehen der Stadt für mich verständlich, denn der Bürgermeister muss sich natürlich auch alle Optionen offenhalten.“

Wiewohl er der Forderung der Stadtgemeinde wenig Aussicht auf Erfolg ausstellt: „Zum einen war es nicht das Gewerkschaftskonto, sondern ein Konto der Personalvertretung, über das die Zahlungen gelaufen sind. Zum anderen sind wir in der Geschichte ja nicht die Täter, sondern selbst die Geschädigten.“ Wie hoch der Schaden in diesem Fall sei, werde gerade von Experten eruiert: „Wir haben zwei Säcke voll mit Belegen unseren Prüfern übergeben“, so Nemeth zur NÖN.

In der Zwischenzeit wurde auch der Akt der Polizei an die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt übermittelt.

Umfrage beendet

  • Findet ihr die Geldforderung der Stadt nach dem Finanzskandal an die Gewerkschaft gerechtfertigt?