Ternitz: SBO machte im ersten Quartal weniger Umsatz. Der weltweite Rückgang der Ölnachfrage infolge der Coronakrise macht dem niederösterreichischen Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) zu schaffen: Umsatz und Auftragseingänge gingen im ersten Quartal spürbar zurück und man hat in den USA Personal abgebaut.

Von APA, Redaktion. Update am 20. Mai 2020 (10:27)
Die SBO ist führender Anbieter von Equipment für Arbeiten rund um Ölbohrungen.
Christian Jungwirth

2020 sei ein hartes Jahr, sagt Vorstandschef Gerald Grohmann, aber man sei mit einem dicken Liquiditätspolster ausgestattet.

Der Auftragseingang der SBO ist in den ersten drei Monaten 2020 um gut ein Fünftel auf 101,2 Mio. Euro eingebrochen, der Auftragsstand betrug Ende März 116,4 Mio. Euro, nach 123 Mio. Euro zu Jahresbeginn. Der Umsatz war mit 108,9 Mio. Euro um ein Zehntel geringer als im Erstquartal des Vorjahres.

In den USA habe man den Mitarbeiterstand bis zum Ende des ersten Quartals bereits von 1.535 auf 1.406 Leute reduziert und man habe dort im April und Mai weitere Stellen abgebaut, berichtete Grohmann am Mittwoch im Gespräch mit der APA. "Die USA haben schon letztes Jahr etwas geschwächelt, weil die Produktionsgesellschaften mehr auf Returns geschaut und weniger in neue Bohrprojekte investiert haben. Durch die Coronakrise und den drastischen Einbruch der Ölnachfrage haben die USA ihre Aktivitäten weiter zurückgefahren und der Rig Count ist letzte Woche erstmals unter 400 gefallen, und das ist tiefer als er bei der letzten Krise war, und das spüren wir natürlich."

Am Standort Ternitz in Niederösterreich hingegen seien weder Kurzarbeit noch Stellenabbau ein Thema, sagte Grohmann. "Wir haben im ersten Quartal in Ternitz sogar Leute aufgenommen und arbeiten in vielen Bereichen im Dreischichtbetrieb und müssen Überstunden machen."

Kurzfristig stehe eine sehr schwere Zeit bevor, sagte der SBO-Chef. "Die ganze Industriewelt wurde durch Corona lahmgelegt. Die Reise- und Flugtätigkeit und alles, was Energie verbraucht, ist zurückgegangen." Die Nachfrage nach Rohöl werde heuer im Schnitt um 10 Mio. Barrel pro Tag zurückgehen und die Ölförderer in Nordamerika dürften ihre Investitionen heuer um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückfahren, "und das Vorjahr war schon in den USA kein brüllendes Jahr". Außerhalb von Nordamerika würden die Investitionen um 23 Prozent zurückgehen und global insgesamt um 28 Prozent, so die Annahme.

Im zweiten Halbjahr sollte die Nachfrage dann langsam wieder steigen, hofft Grohmann. Jedenfalls sei man aber für die Durststrecke gut vorbereitet. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich im ersten Quartal von 42,3 Prozent auf 43,5 Prozent, die Nettoverschuldung wurde gegenüber dem Jahresende 2019 auf 9,1 Prozent halbiert, der Verschuldungsgrad (Gearing) liegt bei 2,4 Prozent. Der Bestand an liquiden Mitteln betrug 247,5 Mio. Euro (31. Dezember 2019: 265,2 Mio. Euro).

Der operative Cashflow betrug im ersten Quartal 14,3 Mio. Euro, nach 36,8 Mio. Euro im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Investitionen in Sachanlagevermögen und immaterielle Vermögenswerte wurden im Jahresabstand von 10,1 Mio. auf 6,3 Mio. Euro zurückgefahren.

Das Betriebsergebnis (EBIT) ging von 20,2 Mio. auf 12,1 Mio. Euro zurück und das Ergebnis nach Steuern stieg von 7,7 Mio. auf 8,6 Mio. Euro, weil der Steueraufwand geringer war als im Vorjahr.

Mittelfristig rechnet Grohmann mit einem sukzessiven Anstieg der Ölnachfrage, wenn der Konsum und die Reisetätigkeit wieder zunehmen. Weil die Ölproduktion inzwischen stark heruntergefahren wurde und nicht auf Knopfdruck wieder hochfahren könne, werde dann der Ölpreis wahrscheinlich einen Sprung nach oben machen.

Langfristig geht er nicht davon aus, dass der SBO die Arbeit ausgehen wird: "Auch 2040 muss noch mehr als die Hälfte des Primärenergiebedarfs durch Öl und Gas abgedeckt werden."