Die Wirtenseele ist bald am Überkochen. Die nach wie vor ungewisse Zukunft lässt den Frustpegel bei den Gastronomen anwachsen – vielen geht der Schmäh aus. Ein Stimmungsbild aus dem Bezirk Neunkirchen.

Von Nadine Gasteiner, Thomas Wohlmuth, Philipp Grabner, Gerhard Brandtner und Christian Feigl. Erstellt am 23. Februar 2021 (09:52)

Vorerst bleibt die Sperrstund‘ aufrecht! Frühestens mit März – und da auch nur, wenn die Fallzahlen passen – dürfen die Gastronomen ihre Gäste wieder regulär bewirten. Eine Ungewissheit, die auch im Bezirk vielen Wirten zu schaffen macht.

Einer, der mit der ungewissen Situation gut umzugehen gelernt hat, ist Thomas Osterbauer mit seinem gleichnamigen Betrieb in Neunkirchen. Er kocht seit Beginn der Krise aus und bietet auch Lieferservice an. Mit großem Zuspruch. Beim Lokalaugenschein der NÖN Freitagmittag gaben sich die Kunden buchstäblich die Türklinke in die Hand.

Mit den „Fischwochen to go“ hat der Wirt einen Volltreffer gelandet. Sein Erfolgsrezept: „Man darf sich dem Schicksal nicht ergeben und muss gerade in Krisenzeiten kreativ sein und Abwechslung bieten!“ So wechsle er seine Karte wöchentlich und habe auch immer wieder einige Schmankerl zu bieten: „Es gibt Tage, da verkaufe ich mehr Menüs als vorher.

Trotzdem: Der Kontakt mit den Gästen fehlt einfach.“ Deswegen hoffe er auf ein baldiges Aufsperren: „Wir sind jederzeit bereit. Denn ehrlich gesagt: Verstehen tue ich es nicht, wenn ein Friseur offen haben darf und wir nicht.“

So wie sein Verständnis ist auch jenes der Kollegenschaft mittlerweile mehr als endenwollend, wie Bezirkswirtesprecher Hannes Beisteiner bestätigt: „Wir alle brauchen endlich eine Perspektive mit konkreten Plänen, denn das Verständnis für die Situation schwindet von Tag zu Tag“, berichtet er, dass der Frustpegel innerhalb der Wirtsleute im Steigen ist: „Einigen laufen ja auch schon die guten Leute davon, weil die unbedingt irgendetwas arbeiten möchten!“

Von beabsichtigten Betriebsschließungen im Bezirk ist ihm aber noch nichts bekannt: „Zumindest diesbezüglich schaut es bei uns noch recht gut aus“, hofft er, dass wenigstens die Gastgärten noch vor Ostern in Betrieb genommen werden können. So wie er hofft auch Anica Puchegger vom Gloggnitzer Stadtcafé auf eine baldige Öffnung: „Man merkt, dass die Leute nach sozialen Kontakten suchen und man die Gastronomie wieder besuchen will.“

Düster blickt Sabine Jonscher aus Puchberg in die Zukunft: „Wir haben in der Mostschenke keinen Lieferservice und geschlossen. Von der Förderung kann man nicht leben, das geht sich nicht aus.“ Sie meint: „Das Wirtesterben ist damit vorprogrammiert!“

Statements der Wirte aus dem Bezirk Neunkirchen:

„Um konkrete Öffnungsschritte vorzubereiten, wäre Planungssicherheit sehr wichtig. Die Förderungen sind zwar gut, kommen allerdings zu spät an. Abhol- und Lieferservice sind natürlich eine Alternative, diese sind aber in einer größeren Stadt besser umsetzbar als am Land.“ Christian Bauer, Altes Brauhaus in Neunkirchen.

„Leider wird man immer wieder vertröstet und die Planbarkeit fehlt – das ist zermürbend. Regelmäßiges Testen ist eine gute Idee – das wird auf längere Zeit die einzige Möglichkeit sein, wieder zu öffnen.“ Christian Donhauser, Gasthaus „Grüner Baum“ in Kirchberg am Wechsel.

„Das größte Problem ist für mich, dass derzeit nichts planbar ist, weder wann wir öffnen dürfen, noch unter welchen Umständen wir dann arbeiten dürfen. Sämtliche Ideen, die man während des Lockdowns gesammelt hat, kann man momentan unmöglich planen oder über die Umsetzung nachdenken.“ David Pregartner, Inhaber von „Dave’s Espresso“ in Neunkirchen.

„Negative Tests für den Gasthaus-Besuch sind sinnvoll und wohl die einzig logische Lösung. Die negativen Tests sollten aber gleich für mehrere Gelegenheiten gelten. Von der Regierung fühle ich mich ein wenig verarscht, man bekommt immer nur Dackelmeldungen, klein und gedruckt. Die Regierung hört viel zu sehr auf die Experten und zu wenig auf das Volk!“ Gastronom Robert Krenn vom gleichnamigen Gasthaus in Pitten.

„Dadurch, dass der Semmering eher sehr gästeorientiert ist und die Einheimischen eher weniger ausmachen, wird unser Abholservice am Wochenende sehr gut angenommen. Unter der Woche ist es noch ruhiger, aber man freut sich natürlich über jede Bestellung. Ich denke, vor allem wenn ich mir hier das Hotel anschaue, wäre es sicher möglich gewesen, mit einem guten Konzept aufzusperren.“ Karl Engelschall vom Hotel Belvedere in der Gemeinde Semmering.

„Es könnte natürlich viel besser sein, aber hoffnungslos ist es nicht, überhaupt wenn man jetzt hört, dass wir ab März vielleicht doch geöffnet haben dürfen. Das ist ein Licht am Ende des Tunnels. Ich glaube auch, dass sich die Gäste freitesten lassen würden. Fast jeder freut sich schon auf den Besuch im Wirtshaus, um gut essen zu können und um sich mit Freunden zu treffen. Jeder will ins Wirthaus gehen. Wir haben jetzt mit Take-Away angefangen und es wird gut angenommen. Und so haben wir auch wieder Kontakt mit unseren Kunden und Gästen.“ Jutta Puchner, „S'Platzl“ in Gloggnitz.