Sparbuch droht das Aus. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer, Tanja Barta und Philipp Grabner. Erstellt am 04. Februar 2020 (04:35)
Foto: Franz Gleiß
Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt.

Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Senioren setzen auf das Sparbuch

Überaus beliebt ist das Sparbuch noch unter der älteren Bevölkerung. „Das wird natürlich schon noch genutzt. Je älter man wird, desto mehr schaut man darauf, dass man etwas auf die Seite legt“, so Hermine Knöbel, Obfrau des Seniorenbundes im Bezirk Neunkirchen. Und das, obwohl man wisse, dass „man am Sparbuch ja kaum noch Zinsen bekommt. Da wird das Geld eher immer weniger“, schmunzelt Knöbel.

Vor allem werden die Sparbücher aber genutzt, um auch Geld für die Enkerl und Urenkerl anzulegen. „Da möchte man natürlich auch etwas ansparen!“, so die Seniorenobfrau. Auf andere Sparformen wird aber dennoch nicht verzichtet. „Wir haben auch Aktien oder Ähnliches. Aber wir haben auch Sparbücher, die dürfen dann irgendwie nicht fehlen“, so Knöbel.

Etwas anders sieht das der Bezirksvorsitzende des Pensionistenverbandes Neunkirchen, Viktor Casny. „Das Sparbuch wird bei unseren Pensionisten eigentlich überhaupt nicht mehr genutzt. Auch ich persönlich habe keines mehr, weil man ja auch nichts mehr bekommt“, so Casny gegenüber der NÖN am Telefon. Laut ihm würden die Meisten das Geld zu Monatsbeginn von ihrem Konto abheben und zuhause aufbewahren. „Andere Sparformen sind etwas für die gehobenen Klassen. Das kann sich kein Normalverbraucher leisten“, so Casny.

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