Bezirk Neunkirchen bei Gehalt unter den Top Ten. Die arbeitende Bevölkerung verdient im Bezirk Neunkirchen mehr als zuletzt. Wirtschaftskammer kritisiert Erhebung.

Von Christian Feigl und Philipp Grabner. Erstellt am 03. Dezember 2019 (06:21)
Symbolbild
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Es verdient sich nicht so schlecht im Bezirk Neunkirchen: Zumindest sagen das die aktuellen Zahlen der Einkommensanalyse der Arbeiterkammer (AK), wo die Region mit einem monatlichen Medianeinkommen von 2.189 Euro im Vorjahr nicht nur um 18 Euro über dem Landesschnitt liegt, sondern insgesamt bezirksweit den 10. Platz einnimmt.

Vergleicht man die Zahlen mit 2017, entspricht das sogar einem Einkommenszuwachs von 0,48 Prozent. Auffallend ist allerdings: Während Männer im Bezirk mehr als der Landesdurchschnitt verdienen, ist das bei den Frauen umgekehrt. Hier ist die Einkommenschere also besonders prägnant.

„Die neu geschaffenen Arbeitsplätze schlagen sich natürlich positiv nieder!“

Details kennt AK-Bezirksstellenleiter Gerhard Windbichler: „Die Branche Herstellung von Waren ist mit rund 7.000 unselbstständig Beschäftigten vor der Branche Handel mit rund 4.900 unselbstständig Beschäftigten immer noch die dominierende im Bezirk.“

Zudem sei das erwartete Wirtschaftswachstum eingetreten und habe sich im Bezirk aufgrund der Branchenstruktur positiv in den Einkommen niedergeschlagen. Gleichzeitig fordert er eine Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne auf 1.700 Euro, um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu forcieren.

Einkommensanalyse 2018 für den Bezirk Neunkirchen. Quelle: Einkommensanalyse 2018, Foto: Marian Weyo/Shutterstock.com
Einkommensanalyse 2018, Foto: Marian Weyo/Shutterstock.com

Die positiven Zahlen beim Einkommen spiegeln sich auch am regionalen Arbeitsmarkt wider, wie AMS-Bezirksstellenleiter Walter Jeitler analysiert: „Wir konnten die Arbeitslosenquote um 0,8 Prozent senken.“

Maßgeblich ist für ihn, dass dabei die Zahl der unselbstständigen Beschäftigten um insgesamt 512 Personen auf 35.199 erhöht werden konnte: „Diese neu geschaffenen Arbeitsplätze schlagen sich natürlich positiv nieder!“ Für heuer erwartet er eine ähnliche Entwicklung: „Viel wird aber vom Brexit, Sanktionen der USA oder Ähnlichem abhängen, da es im Bezirk nach wie vor Betriebe gibt, die stark exportabhängig produzieren.“

Kritisch sieht hingegen Johann Ungersböck, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer, die Zahlen: „Leider werden nur die Beschäftigten am Arbeitsplatz erfasst. Damit fehlen aber die Pendler, deren Anteil laut Schätzung der Arbeiterkammer im Bundesland bei 30 Prozent liegt, was natürlich zu einer großen Verzerrung des tatsächlichen Gesamtbildes und vor allem des Bezirksrankings führt“, ortet er Schwachpunkte. Über das wirkliche Wohlstands- und Kaufkraftniveau im Bezirk sage die Analyse laut Ungersböck daher nicht viel aus.