Ternitzer Impfzentrumsleiterin im Interview. Impfzentrumsleiterin Silvana Peham über Angst vor Nadeln, Impfskeptiker, medizinische Notfälle und nötige Überzeugungsarbeit.

Von Christian Feigl. Erstellt am 05. August 2021 (05:52)
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Silvana Peham leitet das Impfzentrum in Ternitz.
privat

Nur noch bis 12. August werden im Ternitzer Impfzentrum, im Pottschacher Kulturhaus, Spritzen gegen das Coronavirus verabreicht. Silvana Peham leitete die vergangenen vier Monate die Einrichtung. Mit der NÖN sprach sie über ihre Erfahrungen und Erlebnisse.

NÖN: Können Sie nach dreieinhalb Monaten Koordinationstätigkeit in der Impfstraße überhaupt noch eine Spritze sehen?

Silvana Peham: Ja, natürlich! Ich bin bereits seit 18. März im Rahmen der Pandemie eingeteilt. Zuerst als mobiler Tester, dann als Koordinations-Tester über den Bezirksführungsstab und die Bezirksstelle Neunkirchen und jetzt als Impfzentrums-Koordinatorin.

Wovor haben die Impfwilligen denn mehr Respekt: Vor dem Stich oder vor den Nebenwirkungen?

Peham: Bei uns im Bezirk Neunkirchen sind es rund 70 Prozent, die eher auf Nadeln reagieren.

Gibt es auch welche, die schon dort sind, aber dann aus Skepsis oder Furcht wieder nach Hause gehen?

Peham: Hin und wieder gibt es auch Personen, die im letzten Moment doch von der Impfung absehen wollen, meist ist diese Skepsis aber der Nervosität geschuldet und kann durch ein ausführliches Aufklärungsgespräch aus der Welt geschafft werden.

Wie sah es mit den Nebenwirkungen vor Ort aus, gab es auch echte Notfälle?

Peham: Medizinische Notfälle ja, aber keine Impfreaktionen oder Nebenwirkungen.

Die organisatorische Abwicklung so einer Impfstraße gleicht einer Herkulesaufgabe: Wo liegen die größten Herausforderungen?

Peham: Beim Personal. Aufgrund der Meldeplattformen, dann der Umstellung Rotes Kreuz/Land NÖ sowie hauptberuflich/tageweise, war es mit der Dienstplangestaltung öfters sehr herausfordernd.

Wie wird der Impfstoff angeliefert und wo wird er gelagert? Gab es auch Engpässe?

Peham: Anlieferung gibt es einmal pro Woche, es gibt einen eigenen gesicherten Kühlschrank dafür. Es wurde seitens des Landes NÖ und Notruf 144 ein Lieferengpass diagnostiziert, die Impfzentren haben dies aber kaum gespürt. Es war immer genug Impfstoff vorhanden.

Wie sind die Reaktionen der Leute vor Ort, spüren Sie auch Dankbarkeit?

Peham: Es gibt sehr viele, die sich darüber freuen, dass wir da sind. Sie bedanken sich auch bei den Mitarbeitern vor Ort. Das gibt jedem ein sehr gutes Gefühl.

Was war für Sie persönlich der bewegendste Moment in den dreieinhalb Monaten?

Peham: Es gibt immer wieder Momente, Situationen, die für mich bewegend sind. Sei es ein älteres Ehepaar, dem man behilflich ist und sie wirklich über jegliche Hilfe dankbar sind. Seien es Kinder, die mit den Eltern mitkommen und uns alle zum Lachen bringen, weil sie einfach wild drauf los fragen, was ihnen gerade so durch den Kopf geht. Aber auch junge Erwachsene, die wahnsinnig nervös zu uns kommen und wir sie mit Gesprächen wieder beruhigen können.

Wird am 12. August, dem letzten Öffnungstag, auch ein bisschen gefeiert werden?

Peham: Wir werden am 13. und 14. August noch mit dem Abbau beschäftigt sein, dann gibt es am 14. August eine Dankesjause.

Gibt es in Ihrem Bekanntenkreis auch Impfverweigerer?

Peham: Ja, gibt es.

Wie versuchen Sie, diese zu überzeugen?

Peham: Mit viel Aufklärung. Es bringt nichts, die Leute zu zwingen oder zu überreden. Jeder soll für sich entscheiden. Leider stehen immer wieder sehr viele Irrtümer im Raum. Diese gehören aufgeklärt und erklärt.

Noch ist die Impfrate in Österreich zu niedrig, um die Pandemie komplett eindämmen zu können. Welche Idee hätten Sie, um diese zu erhöhen?

Peham: Zugänge gibt es mehrere, aber ich denke, am wichtigsten ist, dass man vor allem bei den Niederösterreichern im Alter bis 35 Jahre verstärkt auf Aufklärung und Information setzen muss. Denn nur wer erkennt und versteht, dass nur eine Impfung von einem schweren Verlauf der Krankheit und eventuellen Langzeitfolgen schützen kann, wird sich auch impfen lassen.