Haftstrafe nach Unfalltod bei Gloggnitz. Mitfahrt auf dem Roller endete für einen jungen Mann tödlich. Freund und Lenker war alkoholisiert unterwegs: Urteil mit fünf Monaten Gefängnis ist nicht rechtskräftig.

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:23)
Symbolbild
Von 3drenderings, Shutterstock.com

Am 24. August passierte am frühen Morgen ein folgenschwerer Unfall bei Gloggnitz, wo ein junger Mann sein Leben lassen musste. Ein Roller prallte auf der Heimfahrt von einem Fest in einer Kurve an einen Mast. Der Lenker auf dem Gefährt wurde sehr schwer verletzt und am Freitag vor Gericht wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt – denn er hatte an diesem Tag 1,7 Promille Alkohol im Blut und Cannabis konsumiert.

Der Verteidiger des 22-Jährigen, Christian Hirsch, verwies auf die Zweifel, ob sein Mandant gefahren ist oder nur Beifahrer war. „Alle Spuren und auch die Verletzungen der Männer führen zu keinem eindeutigen Ergebnis.“

Angeklagter kann sich nicht erinnern

Der Angeklagte selbst erklärte, dass er sich einfach an nichts mehr erinnern könne. Erst gab es eine Geburtstagsfeier, danach habe er sich den Roller seines Vaters ohne dessen Wissen ausgeliehen und dann „hab‘ ich nur mehr einzelne Bilder“. Laut Zeugenaussagen dürfte der junge Mann mehrmals mit dem Roller unterwegs gewesen sein. Von Gloggnitz nach Aue zum Volksfest, retour und nach Schottwien und schließlich morgens in Richtung Weißenbach. Die Freundin des Opfers gab vor Gericht an, dass er am Weg von Aue retour „saublöd“ gefahren sei und sie ihrem Freund gesagt hatte, dass er nicht mehr mitfahren soll. Sie hätte in der Wohnung des Opfers für beide ein Bett gerichtet und erst morgens mitbekommen, dass sie nicht mehr in der Wohnung waren.

Dass der Angeklagte schon drei Monate zuvor wegen eines Unfalls, den er alkoholisiert verursacht hatte, vor Gericht gestanden ist und deshalb gar keinen Führerschein hatte, machte die Sache für die Richterin noch unverständlicher: „Sie wurden im Mai verurteilt, haben keinen Führerschein und nehmen den Roller vom Vater, ohne zu fragen? Mit 1,7 Promille und haben auch noch Cannabis geraucht?“ Ob er schon früher damit gefahren sei? Der Angeklagte: „Nein, noch nie.“ Ob er selbst schwer verletzt wurde? „Ja, aber die psychische Belastung ist viel schlimmer.“ Er habe mittlerweile aufgehört, Alkohol zu konsumieren, „ich will nichts mehr trinken“.

Für die Richterin „gibt es keinen Hinweis, dass der Freund gefahren ist“, was auch der Angeklagte vor Gericht zugab. Das nicht rechtskräftige Urteil: 15 Monate Haft, davon zehn bedingt.