75-Jährige getötet: Mordanklage liegt vor. Nach der Tötung einer 75-Jährigen im März in Grafenbach im Bezirk Neunkirchen hat die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt Mordanklage gegen den Enkel erhoben.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 16. Juli 2019 (17:34)
Shutterstock.com/Billion Photos
Symbolbild

Der 29-Jährige soll seine Großmutter geschlagen, gewürgt und ihr mit zwei Messern zahlreiche Stiche und Schnitte zugefügt haben. Zudem wurde die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Der Mann bestreitet die Vorwürfe.

Der zum Tatzeitpunkt 28-Jährige hatte vor seiner Festnahme weder Beschäftigung noch festen Wohnsitz, er soll zum Teil bei seinem Vater und seiner Großmutter übernachtet haben. Die Frau soll ihn immer wieder - auch finanziell - unterstützt und sich um ihren Enkel gekümmert haben, obwohl der Beschuldigte in den vergangenen Jahren mehrmals Gewalt gegen Verwandte bzw. sein Umfeld ausgeübt haben soll.

Im März wohnte der Mann einige Tage bei seiner Großmutter. In der Nacht auf den 23. März soll er der im Bett liegenden Frau mehrere wuchtige Faustschläge gegen das Gesicht versetzt haben, die das Opfer noch abzuwehren versuchte. Außerdem soll er die Pensionistin am Hals gewürgt und mit einem Klappmesser und einem Küchenmesser auf sie eingestochen haben - das Opfer erlitt vielfache Stich- und Schnittwunden an Hals, Nacken und Brust. Der 29-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft "mit massiver Gewalt" und "erbarmungslos" gehandelt haben, sodass die Klinge des Küchenmessers "aufgrund der brutalen Vorgehensweise sogar abbrach".

Die Tote wurde am 23. März tot in ihrem Haus gefunden. Neben der Leiche wurde im Schlafzimmer ein Brief an das Opfer entdeckt, den der Beschuldigte verfasst haben soll und in dem es u.a. heißt: "...es gibt mehrere, wenn nicht viele, Gründe warum Sie nicht verdienen zu leben...." Vom Verdächtigen wird in dem Schriftstück in der dritten Person gesprochen.

In der Nacht auf den 24. März wurde der Enkel des Opfers im Bezirk Baden festgenommen und in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert, wo er sich in U-Haft befindet. Der 29-Jährige bekenne sich nach wie vor nicht schuldig, teilte sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz am Dienstag auf Anfrage mit. Der Verdächtige wird u.a. durch die Auswertung der DNA-Spuren belastet.

Laut dem psychiatrisch-psychologischen Gutachten leidet der Beschuldigte an einer Persönlichkeitsstörung und befindet sich in Substitution. Ebenfalls festgestellt wurde eine paranoide Schizophrenie, die aufgrund der Behandlung zum Tatzeitpunkt in Remission gewesen sei. Der 29-Jährige hatte im März auch Medikamente bzw. Suchtmittel eingenommen.

Das Gutachten attestiert dem 29-Jährigen Zurechnungsfähigkeit. Mit großer Wahrscheinlichkeit bestehe die Gefahr weiterer Taten bis hin zu Tötungsdelikten, weshalb zur Behandlung eine Unterbringung nach Paragraf 21 Absatz 2 Strafgesetzbuch als nötig angesehen wird. Der Expertise zufolge bestehe ein sehr hohes Rückfallrisiko, die Anklagebehörde hat die Einweisung des 29-Jährigen in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Rechtsanwalt Blaschitz will insbesondere die Ergebnisse des psychiatrischen Sachverständigengutachtens bekämpfen.