Mord an 75-Jähriger: Anwalt will eigenes Gutachten. Gutachter attestiert Zurechnungsfähigkeit. Verteidigung glaubt an psychische Krankheit.

Von Clemens Thavonat. Erstellt am 14. Mai 2019 (04:53)
Tanja Barta
Das schreckliche Geschehen am 23. März bildete für die Ermittler und Kräfte der Spurensicherung eine enorme Herausforderung.

Neues gibt es im Fall des abscheulichen Mordes an einer 75-jährigen Frau in Grafenbach.

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Gerichtsgutachter Professor Manfred Walzl erkannte den Verdächtigen als zurechnungsfähig.

Für den 28-jährigen Verdächtigen, der seine Großmutter erstochen haben soll – sie starb durch mehrere Messerstiche im Halsbereich – liegt nun auch das psychiatrische Gutachten vor. „Der Mann ist zurechnungsfähig“, bestätigte Erich Habitzl von der Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt. Gutachter war der Grazer Gerichtspsychiater Manfred Walzl. Der Verdächtige werde dennoch zumindest als geistig abnormer Rechtsbrecher eingestuft. Die U-Haft wurde nun bis 8. Juli verlängert, der 28-Jährige verzichtete auf eine Haftprüfung. Sollte ein Schuldspruch erfolgen, droht eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

„Ein Ermittlungsverfahren ist noch anhängig“, betonte Habitzl. Verteidiger Wolfgang Blaschitz will eine weitere Expertise einholen, sein Mandant sei „paranoid und schizophren“. „Ich bin mit diesem ,Fantasiegutachten‘ nicht einverstanden“, klagt er. „Auch Aussagen, mein als psychisch beeinträchtigt bekannte Mandant wäre medikamentös gut eingestellt, sind aus der Luft gegriffen.“

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Verteidiger Wolfgang Blaschitz zweifelt das Gerichtsgutachten an, bestellt ein eigenes.

Was dem Verteidiger aber besonders sauer aufstößt, ist das Vorhaben der Staatsanwaltschaft, am 7. Juni eine Tatrekonstruktion mit seinem Mandanten anzuberaumen. „Das ist doch völliger Schwachsinn. Wie glaubt man, wird sich mein Mandant dabei verhalten? Er war doch bei der Tat gar nicht anwesend, was also soll er am Tatort nachstellen?“ Eine für vergangene Woche geplante Tatrekonstruktion wurde wegen „Nichteinlangung aktueller Polizeiberichte“ abgesagt.

Anwalt Wolfgang Blaschitz erwartet sich von der Erstellung eines von ihm beauftragten neuen Gutachtens Aufschlüsse über den tatsächlichen Geisteszustand des 28-jährigen Tatverdächtigen. Er ist überzeugt davon, dass er an paranoider Schizophrenie leidet. „Sollte man dieses Gutachten abschmettern, nicht beachten und einfließen lassen, so werden wir in der Hauptverhandlung Professor Walzls Gutachten und ihn selbst nach Paragraf 126 StPO ablehnen.“