Simone Ungersböck: Von Kampala und Wien nach Tirana. Seit 2019 leitet Simone Ungersböck das Büro der „Austrian Development Agency“ in Tirana. Der NÖN berichtete sie von ihrem spannenden Job.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 30. Mai 2020 (05:13)
NÖN-Redakteur Philipp Grabner traf Simone Ungersböck im Rahmen einer Pressereise in Tirana Anfang März. Das Bild wurde vor Ausbruch der Coronakrise aufgenommen.
Krause-Sandner ​​​​​​​

Sie war als Menschenrechtsexpertin bereits viereinhalb Jahre in Ugandas Hauptstadt Kampala tätig, ehe sie als Fachreferentin ins Wirtschaftsressort der Agentur für Österreichische Entwicklungszusammenarbeit nach Wien wechselte. Seit Februar 2019 hat Simone Ungersböck aus Grimmenstein eine neue spannende Aufgabe – in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, leitet sie das Koordinationsbüro der „Austrian Development Agency“.

Simone Ungersböck (sitzend) bei der Unterzeichnung der Vereinbarung zur österreichischen Unterstützung nach dem Erdbeben in Albanien im Dezember 2019, im Bild mit dem österreichischen Botschafter, der albanischen Verteidigungsministerin und dem Direktor der albanischen Zivilschutzbehörde. Nach dem schweren Erdbeben in Albanien am 21. September 2019 unterstützte die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit ihr Partnerland mit 600.000 Euro. Die Hilfe fließt in den Wiederaufbau zerstörter Häuser.
Österreichische Botschaft

Dass es für die 38-Jährige nach dem dreijährigen Intermezzo in der ADA-Zentrale wieder ins Ausland gehen würde, war fast schon vorprogrammiert. Denn auch, wenn der Alltag im Wiener Büro ein sehr abwechslungsreicher war, „die Arbeit vor Ort in unseren Auslandsbüros finde ich besonders spannend: Dort ist man viel näher dran am Geschehen und arbeitet direkt mit den Projektpartnern zusammen“, schwärmt sie. Konkret dreht sich die Arbeit von Ungersböck und ihrem Team um den „entwicklungspolitischen Dialog mit der albanischen Regierung und unterschiedlichen Partnern“, wie sie erklärt: „Eine wichtige Aufgabe ist auch, unsere Partnerorganisationen bei der Umsetzung, die von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert werden, zu begleiten.“

Daher ist die Grimmensteinerin auch viel innerhalb des Landes unterwegs, um sich vom Fortschritt der Projekte zu überzeugen. Außerdem ist Ungersböck für die Führung der Mitarbeiter im Tirana-Büro zuständig – aktuell sind es 73 Personen. „Seit meinem Dienstantritt ist mein Team stark gewachsen, denn die ADA wickelt seit Kurzem ein großes EU-Projekt ab, das auch von Österreich kofinanziert wird und die Umsetzung der Justizreform in Albanien unterstützt.“

„Die Menschen in Albanien sind sehr gastfreundlich und herzlich. Sie sind zurecht sehr stolz auf ihr Land!“ Simone Ungersböck

Freude macht Ungersböck ihr Job besonders dann, wenn Erfolge sichtbar werden: „Zum Beispiel erhalten albanische Jugendliche mit unserer Unterstützung eine Ausbildung im Tourismussektor, die praxisnah ist und die Realitäten der Betriebe widerspiegelt. Diese Ausbildung verhilft den jungen Albanerinnen und Albanern später zu einem Job, der ihr Einkommen sichert und Hoffnung auf eine bessere Zukunft ohne Armut macht“, erzählt sie. Doch nicht nur der Job macht ihr Spaß – auch das Land insgesamt: „Die Menschen in Albanien sind sehr gastfreundlich und herzlich. Albanerinnen und Albaner sind zurecht sehr stolz auf ihr Land“, ist Ungersböck überzeugt.

Doch nicht nur in Österreich, auch in Albanien veränderte sich das Leben durch die Coronakrise mit einem Schlag – auch für Simone Ungersböck: „Wegen der Vorschriften der Regierung haben auch wir zuletzt von zuhause aus gearbeitet. Im Homeoffice haben wir ein Kleinprojekt mit der Caritas Albanien ins Leben gerufen, das von der Pandemie besonders betroffene Familien mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln unterstützt“, so Ungersböck. Die Auswirkungen der Pandemie seien auch in Albanien eklatant: Der dortigen Wirtschaft wird 2020 ein Rückgang von neun Prozent und eine Arbeitslosenrate von 15 Prozent prognostiziert: „Wir beobachten die Lage sehr genau!“

Neuer Job, neues Land: Seit Februar 2019 leitet Simone Ungersböck aus Grimmenstein das Büro der „Austrian Development Agency“ in Tirana, der Hauptstadt Albaniens.
Orsola Mema

Von der Krise betroffen ist auch der Tourismus, der zuletzt stark anstieg: „Albanien ist so reich an Naturschönheiten und Geschichte. Hier waren die alten Römer und Griechen, die Illyrer, die Osmanen – langweilig wird es definitiv nicht. Man kann hier herrlich wandern, archäologische Stätten besuchen, das Meer und die Strände genießen und sehr gut essen gehen“, berichtet Ungersböck. Insofern hoffe sie auch, dass der Tourismus bald wieder an Fahrt aufnimmt, „schließlich sind die Einnahmen daraus extrem wichtig für das Land“, weiß sie.

Insgesamt ist Ungersböcks Tätigkeit in Albanien auf vier Jahre ausgelegt. Einen möglichen Beitritt Albaniens zur Europäischen Union, den man seit vielen Jahren forciert, wird sie dann wohl nur aus der Ferne mitbekommen – auch, wenn sie indirekt daran mitarbeitete...