NÖN-Lokalaugenschein in Hirschwang: Seit über 24 Stunden im Einsatz

Am heutigen Nationalfeiertag standen rund 300 bis 350 Personen im Einsatz, um bei der Bekämpfung des größten Waldbrandes, den es in Österreich bisher gab, zu helfen. NÖN.at mit einem Lokalaugenschein.

Erstellt am 26. Oktober 2021 | 19:22

Bereits von der Semmeringschnellstraße aus sind die Rauchsäulen am Hirschwanger Mittagstein zu sehen. Seit Montagmittag breitet sich hier ein Waldbrand aus, 115 Hektar sind bisher betroffen. Am Weg zur Einsatzzentrale in Hirschwang sticht eines sofort ins Auge: Es gibt viele Schaulustige, die sich rund um die Einsatzstellen tummeln. Vor allem die Hubschrauber – darunter auch zwei „Black Hawk“ – ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. „Es mussten extra Polizeikräfte wegen der Schaulustigen angefordert werden, damit sie das Gebiet rund um die Hubschrauber absichern. Das ist mühsam, aber es ist unter Kontrolle“, erzählt ÖVP-Bürgermeister Johann Döller gegenüber NÖN.at. Er kommt gerade von einer Einsatzbesprechung zurück. „Wenn man hier zuhört, dann hat man das Gefühl, in guten Händen zu sein“, lobt er den Einsatz der vielen Helfer.

Löschangriffe aus der Luft

Im Minutentakt fliegen insgesamt acht Hubschrauber über die Köpfe der Einsatzkräfte hinweg. Sie sollen bei den Löscharbeiten helfen, vom Boden aus sind diese nämlich fast unmöglich. „Das Gelände ist schwer zugänglich. Wir konnten heute aber schon einen guten Löscherfolg erzielen“, erzählt Bezirksfeuerwehrchef Sepp Huber, der bei diesem Großeinsatz die Leitung innehat. Um auch vom Boden aus besser gegen das Feuer vorgehen zu können, wurden in den Morgenstunden drei Löschschneisen im Brandgebiet installiert. „Es wurden dabei Holz und Bäume umgeschnitten“, erklärt Peter Lepkowicz von der Forstverwaltung Naßwald. So möchte man verhindern, dass das Feuer von einer Baumkrone zur anderen springt. Die längste Schneise hat eine Länge von 800 Metern und eine Breite von 15 Metern. „30 Mitarbeiter haben das innerhalb von sechs Stunden geschafft. Das ist eine gewaltige Leistung“, so Leopkowicz.

Bergretter als „Berater“

Für die Reichenauer Bergretter ist dieses Szenario ebenfalls ein ganz neues. Man erlebte zwar bereits den Brand am Schneeberg im Jahr 2010 mit, in Hirschwang gab es so etwas allerdings noch nie. Welchen Beitrag sie beim aktuellen Einsatz leisten? „Wir machen einen Assistenzeinsatz. Das heißt, wir sind hier, um Menschen zu bergen. Bei den Löscharbeiten an sich können wir nicht helfen, weil unsere Seile für so eine Hitze nicht gemacht sind“, so die Bergretter. Zudem stehen sie dem Einsatzstab auch für Beratungen zur Seite. „Sie sind ortskundig und kennen sich in dem Gebiet sehr gut aus“, erklärt Ortschef Döller.

„Ist noch keine Katastrophe“

Ebenfalls vor Ort: Michael Engel, Stellvertreter der Bezirkshauptfrau. „Wir helfen im Katastrophenfall bei der Koordination. Derzeit ist es noch keine Katastrophe. Im Ernstfall muss aber jemand von uns hier sein“, erklärt er seine Aufgabe. Bis wann „Brand Aus“ gegeben werden kann, ist am heutigen Tag noch völlig unklar. „Der Einsatz wird noch einige Tage dauern“, stellt sich Einsatzleiter Huber auf einen längeren Aufenthalt in Hirschwang ein. Sicher ist dafür aber: Gefahr für die Bevölkerung besteht keine.