SP-Kahofer nach Wahlpleite: „Suppe selber auslöffeln!“. Neunkirchens SPÖ-Spitzenkandidatin Andrea Kahofer über die Gründe für die Wahlpleite, warum es keine personellen Konsequenzen gab und wie es in Zukunft mit der Partei weitergehen soll.

Von Christian Feigl und Philipp Grabner. Erstellt am 23. Februar 2020 (06:11)
Andrea Kahofer ist SPÖ-Stadtparteiobfrau, Bundesrätin und trat bei der Wahl als Spitzenkandidatin an.
Feigl

NÖN: Die SPÖ ist mit dem Ziel in die Wahl gegangen, den Bürgermeister zurückzuholen. Hand auf Ihr rotes Herz, haben Sie wirklich daran geglaubt, Bürgermeisterin von Neunkirchen zu werden?

Andrea Kahofer: Bis zum Sommer waren die Chancen sehr gut. Da waren auch die Umfragen noch sehr positiv. Ich sage jetzt nicht, dass der Bundestrend mitschuld ist, aber natürlich hat sich dann im Herbst mit der Neuwahl einiges verschoben. Aber, ja, es war das Ziel.

Das Ergebnis war dann ziemlich ernüchternd – worin lagen die Gründe, ohne jetzt die üblichen Platitüden wie geringe Wahlbeteiligung zu nennen?

Wirkliche Gründe weiß ich nicht, es sind alles Vermutungen. Ich denke, es war eine Zusammensetzung von ganz vielen Faktoren. Der Bundestrend hat uns keinen Rückenwind gegeben, aber er hat uns auch nicht gebremst. Das zeigen auch anderen Gemeinden, auch nicht das Land, da bin ich jetzt etwas anders als der Günther Kautz gepolt, weil ich doch denke, dass Gemeinderatswahlen ein bisschen gesondert zu betrachten sind. Natürlich gibt es einen Bürgermeisterbonus. Vielleicht ist es auch so, dass Frauen sich etwas schwerer tun in der breiten Bevölkerung, in einer Führungsposition angenommen zu werden. Es ist eine Vermutung. Es wurde auch oft gesagt, dass uns die Plakate gefehlt haben. Es hat natürlich bei uns im Team kurzfristig vor der Wahl – und ich sage jetzt, in einer Wahlperiode von fünf Jahren ist ein halbes Jahr kurzfristig – Personalrochaden gegeben, die nicht gerade vorteilhaft waren. Zumindest in der Mitte einer Periode muss ein Team wirklich gefestigt sein, damit es auf beiden Beinen dasteht.

„Mein Zugang ist, dass jetzt vieles überdacht werden muss“

Braucht die Neunkirchner SPÖ vielleicht mehr Ecken und Kanten?

Mehr Ecken und Kanten auf sachlicher Ebene. Die SPÖ Neunkirchen ist noch immer nicht in der Opposition angekommen. Opposition auf der fachlichen Ebene ist in einigen Bereichen sehr sachlich gemacht worden. Die vielen Streitereien, da bin ich ganz bei Martin Fasan, das tut nicht gut. Dieses Streiten auf persönlicher Ebene, das bringt nichts als Opposition. Da waren zwar Ecken und Kanten da, aber bei der sachlichen Arbeit dafür oft zu wenig. Viele Projekte, die ganz gezielt von der SPÖ Neunkirchen initiiert und mitumgesetzt worden sind, wurden uns dann aber nie zugeordnet.

Das SPÖ-Engagement in den sozialen Medien, wo nicht zimperlich agiert wurde, hat sich eher nicht positiv ausgewirkt?

Ich bin kein Freund davon, ich halte es ganz schlicht und einfach für kontraproduktiv.

Demnach ist der Neunkirchner eher an Zusammenarbeit und weniger an Streit interessiert?

Ja, bestimmt. Das hat die ÖVP natürlich hervorragend gemacht. Da gibt es keine Streitereien in den sozialen Medien, die sich aufschaukeln. Da hat sich die ÖVP herausgehalten, das war sehr gescheit.

Eine ähnliche Entwicklung wie in der Neunkirchner SPÖ ist auch bei der Wiener Neustädter zu beobachten. Dort hat man nach der Wahl die Konsequenzen gezogen und das Team wurde komplett erneuert. War das nie ein Thema?

Ganz vergleichbar ist die Situation in Wiener Neustadt nicht. Ich bin überhaupt kein Freund davon, direkt nach der Wahl personelle Konsequenzen zu ziehen, das würde ja bedeuten, dass ich vor der Wahl schon ein Team im Hintergrund bereithalten muss, weil wenn es jetzt kracht, dann muss ich alle auswechseln und eine komplette Rochade machen. Mein Zugang ist, dass jetzt vieles überdacht werden muss. Und das Überdenken muss jeder ein bisschen mit sich selber und auch im Team machen. Wenn ich jetzt komplett das Team austausche und ein neues kleines Team ins Rennen schicke, das die Scherben aufklauben soll, dann ist das keine Verantwortung.

Die Suppe also selber auslöffeln?

Ja, Suppe selber auslöffeln und nicht nur auslöffeln, sondern auch nachwürzen, abschmecken. Um das geht es für mich. Und in der Mitte einer Periode muss man sich überlegen, was sich rauskristallisiert, wer ist da jetzt in dem neuen Team dabei, wer kann welche Aufgaben übernehmen. Aber im Nachhinein „Rambazamba“ machen ist für mich kein Thema.

Wie schaut es mit den Schwerpunkten in den nächsten Wochen aus, haben Sie da schon die richtigen Zutaten für die Suppe?

Ja, natürlich gibt es Zutaten. Jetzt hat sich mal alles darauf konzentriert, dass wir die Gespräche führen, sodass wir wissen, welche Ressorts wir bekommen. Ich sage dazu: Die nächsten Wochen und Monate werden sehr stark auf das konzentriert sein, dass wir Wege finden, das Ding festigen, die interne Arbeit neu strukturieren. Die Neuen, die dazugekommen sind, einmal wirklich auch tun lassen, dass sie ihre Ideen präsentieren und dann werden wir ein Gesamtpaket schnüren. Ziel muss sein, den Abwärtstrend zu stoppen.

Transkript: Sabine Spritzendorfer