Hirschwang: Alles arbeitet am Sozialplan. Mitarbeiter gaben ihre Forderungen an ihre Vertreter bekannt: Paket wird am Mittwoch geschnürt.

Von Tanja Barta und Christian Feigl. Erstellt am 16. September 2020 (05:23)
PRO-GE Regionalsekretär Johannes Steiner kündigt harte Verhandlungen an (links).
Wolfgang Reiter, Betriebsratsvorsitzender von Mayr-Melnhof in Hirschwang (rechts).
Steiner/zVg.

Am Anfang war noch der Schock. Ein Schock, der mittlerweile einer großen Portion Ärger und Trauer gewichen ist. Nicht nur bei den rund 130 vom Jobverlust betroffenen Beschäftigten, sondern auch bei der Gewerkschaft, die einen ersten Sozialplanentwurf der Eigentümer entrüstet zurückwarf. Die vergangenen Tage standen deshalb ganz im Zeichen, einen für alle Betroffenen sozial verträglichen Sozialplan auszuarbeiten.

Richtige Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Betrieb gab es aber bis dato noch nicht. „Ein erstes Vorgespräch ist terminisiert“, so Wolfgang Reiter. Er ist froh, in dieser Zeit Unterstützung von den Gewerkschaften und der Arbeiterkammer zu bekommen. „Die Abgeordneten Christian Samwald und Hermann Hauer haben Kontakt mit uns aufgenommen. Einen Kontakt mit der Landesregierung hat es nicht gegeben. Alles Schall und Rauch“, so Reiter in einer schriftlichen Stellungnahme. Das wird von der Landesregierung allerdings dementiert: „Seitens des Landes NÖ haben wir unverzüglich mit der Geschäftsführung Kontakt aufgenommen. Wir stehen bereit, um die 150 Arbeitnehmerinnen und Arbeiter aus der Region zu unterstützen.“

Laut Gewerkschaftssekretär Johannes Steiner seien die Bedürfnisse der Mitarbeiter für die Erstellung eines Vorschlags, der der Firmenleitung dann vorgelegt wird, ausgelotet worden. „Am Mittwochnachmittag wollen wir ein erstes Paket schnüren“, so Steiner. Er betont, dass man primär an einer sachlichen und vernünftigen Lösung orientiert sei. Weiß aber zugleich auch, dass die Arbeitnehmer „heiß sind“, wie er es formuliert. Sollte auf die Wünsche am Ende nicht eingegangen werden, könne er sich auch andere Maßnahmen vorstellen: „Da haben wir seitens der Gewerkschaft viele Möglichkeiten.“ Obwohl viele Mitarbeiter derzeit mit Existenzängsten zu kämpfen haben und die Stimmung keine Gute ist, lobt Betriebsrat Reiter den Zusammenhalt: „Jedes Unternehmen wäre stolz auf diese Mitarbeiter!“ Auf die Frage, ob einige Mitarbeiter eventuell in die Nachbarfirma Neupack Hirschwang wechseln könnten, meint Reiter: „Eine Liste für eine Weiterbeschäftigung innerhalb des Konzerns ist derzeit in Ausarbeitung. Die Abwicklung ist noch nicht geregelt.“

Der Fahrplan bleibt laut Unternehmenssprecher Stephan Sweerts-Sporck unverändert: „Die Einstellung der Kartonproduktion wird im vierten Quartal des heurigen Jahres erwartet.“ Aktuell wird es für etwa 30 Mitarbeiter im Unternehmen ein Jobangebot geben. Bekräftigt wird auch, „dass es eine Fortführung und geplante Stärkung der Faltschachtelproduktion am Standort geben wird“.